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Buch mit Mundartgeschichten von Johannes Toups aus Meerbusch

Heimat Meerbusch : 160 Geschichten vom „Mundart-Papst“

Johannes Toups hat das Beste aus 47 Mundart-Abenden im Haus Latum in einem Buch festgehalten. Der 85-Jährige leitete den beliebten Stammtisch des Heimatkreises Lank zwölf Jahre lang. Vor zwei Jahren war Schluss.

Johannes Toups hat einen Herzenswunsch: „Auf diesem Weg möchte ich allen Mundart-Fans, die mir zwölf Jahre lang zugehört haben, danke sagen.“ Aber auch wenn er die Leitung des Mundartstammtischs als Veranstaltung des Heimatkreises Lank e.V. abgegeben hat, ist es mit seiner Liebe zum „Länkter Platt“ nicht vorbei. Im Gegenteil – Johannes Toups hat unter dem Titel „Oss alde Moodersprook wie klengst du doch so schön“ ein 425 DIN A4-Seiten umfassendes Buch zusammengestellt. Darin hat er 160 Geschichten aus 47 Mundartabenden in der Zeit zwischen 2007 und 2019 zusammengestellt.

Dass darunter seine Lieblings-„Vertällekes en osser Länkter on Lotumer Platt“ zu lesen sind, versteht sich von selbst. „Die Muttersprache ist für mich ein Stück unserer Heimat“, fasst Johannes Toups überzeugend zusammen. In seinem Lanker Elternhaus wurde neben dem Platt auch Hochdeutsch gesprochen. Aber seine verstorbene Ehefrau, mit der er fast 60 Jahre verheiratet war, sprach nur Mundart: „Und so habe ich mich nach unserer Hochzeit und dem Umzug nach Langst-Kierst 1960 auch nur noch über die Mundart verständigt.“

Die Vorliebe zu diesen Geschichten und dem Erzählen aber hat er von seinem Urgroßvater Mösche Mattes (Matthias Radmacher, 1831 geboren) geerbt: „Ich habe ihn selbst nicht kennengelernt, weiß aber aus den Erzählungen, dass zuhause abends alle um den alten, später erblindeten Urgroßvaader herumsaßen, die Kleinsten für die Nacht fertig gemacht auf den Boden gelegt und von ihm gestreichelt wurden. Mein Vater und Großvater haben uns Kindern ebenfalls die meist selbst ausgedachten Geschichten erzählt.“ Dass in dem Buch die Lieblingsgeschichte „De Prinzessin on de Driefjacht“ und der Urgroßvaader ganz am Anfang stehen, bringt seine Verehrung für Mösche Mattes zum Ausdruck.

Noch weiter vorn aber ist das Vorwort zu finden. „Dot dat te eesch ens lääse“, rät der 85-Jährige, gibt einige Infos und einen weiteren Rat: „Mundartbeiträge sind ohne Übung schwer zu verstehen. Sie müssen mehrfach gelesen werden, dann wird es immer besser.“ Ein „guter Mundart-Freund“ hat ihm geraten, in den Text Gedankenstriche als Trennung einzubringen: „So gibt es eine Atempause, eine bessere Übersicht.“ Das hat der auch Mundart-Papst genannte Johannes Toups umgesetzt. Und so wird jeder die Vertällekes „Oss Lank on Lotum“ oder „Von hej on doh, on det on dat“, „Wat es net so alles jöfft en de joue alde Tiet“ oder „Ut de Näävedörper“ bald fließend vorlesen können.

Dabei gibt es unter anderem mit der Kultfamilie Lintermanns „Trina en Königswinter“ zu erleben oder „Dat Neeschter Pastürke“, eine Anekdote über den Nierster Pastor, der es mit Hilfe seiner Gebete regnen ließ oder „Die ärme Kerkemuus“, die dünn und schwach von einem kleinen Mädchen mit Plätzchen auf der Kirchenbank verwöhnt wurde. Alle Texte waren bisher nur mündlich überliefert. Erst Johannes Toups hat sie ins schriftliche Wort in seinen Computer eingegeben. Er erinnert sich, wie dicht gedrängt die Menschen jeweils zu den Mundartabenden im Haus Latum saßen und zuhörten.

Mehrere Male nahm auch aktiv der ehemalige NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans am Stammtisch teil. Er ist in Lank geboren, spricht den Dialekt noch perfekt und ließ sich derartige Veranstaltungen nur ungern entgehen. Wenn er dabei war, stand vor der Gaststätte der Dienstwagen aus Köln.

„Jeder Verein reißt sich um solche Highlights“, sagt Johannes Toups zufrieden. Er weiß, dass die Tradition des Erzählens in seiner Familie weitergeführt wird: „Ich bin schon mit meinen Enkeln aufgetreten.“ Der Mundart-Papst legt großen Wert darauf, dass die zu Beginn formulierten Grüße an seine Fans aus seinem neuen Zuhause, dem Malteserstift St. Stephanus in Lank-Latum kommen: „Ich fühle mich hier sehr wohl, habe Fans wiedergetroffen und auch dazugewonnen.“ Bisher gibt es sechs Exemplare seines Buches. Zwei haben Johannes Toups Kinder und drei seine Enkel bekommen: „Das letzte Buch bekommt irgendwann der Heimatkreis.“

Hierzu ist zu hören, dass sich der ehemalige Heimatkreis-Vereinsvorsitzende Franz-Josef Radmacher und der aktuelle, Franz-Josef Jürgens, Gedanken darüber machen werden, wie die Auflage des Mundart-Buchs gesteigert werden kann. Übrigens: Nach dem Gespräch mit dem Autor kamen wir in der Bibliothek des Malteserstifts in den Genuss einer privaten Lesung und durften „De Prinzessin on de Driefjacht“ hören – dabei geht es um eine Geschichte, die sich Anfang der 1880er Jahre zwischen einem Bauern und einem Baron abgespielt haben soll.