Meerbusch: Brite hilft beim Pferde-Doktor

Meerbusch : Brite hilft beim Pferde-Doktor

Austauschschüler von der Insel: Ein 16-jähriger Brite schnuppert eine Woche lang in den Arbeitsalltag von Tierärzten in der Pferdeklinik in Langst-Kierst hinein.

LANGST-KIERST "Pass auf, dass Du ihr nicht ins Bein schneidest", warnt Tierärztin Christina Hecker den Praktikanten Stuart Lesser (16) aus London. Vorsichtig durchtrennt der Schüler den Verband von Milana am linken Hinterlauf. Die braune Ponystute (4) ist Patientin in der Pferdeklinik in Langst-Kierst, und Stuart Lesser absolviert dort ein einwöchiges Praktikum. Zurzeit gastieren wieder Schüler der englischen "Haberdasher's Aske's School" aus London in Meerbusch, die im Rahmen des Austauschsprogramms des Mataré-Gymnasiums in Büderich in diverse Berufsfelder hineinschnuppern.

Anwaltskanzleien, Banken und eben auch die Veterinärzunft sind dabei. "Ich wollte etwas mit großen Tieren und Medizin machen", sagt Stuart und trennt den letzten Rest des Verbandes durch. Bereits im Vorfeld konnten die Londoner Austauschschüler ihre Wünsche angeben, die Praktikumsorganisator Carsten Hüttermann versuchte, umzusetzen. "Da bot sich die Pferdeklinik an."

Sieben Jugendliche sind nach Meerbusch gereist, um in der Stadt im Grünen einen Blick ins Berufsleben zu werfen. Gleichzeitig bereiten sich die Schüler damit auch auf ihre mündliche Abschlussprüfung in Deutsch vor. "Abends bin ich total kaputt", gesteht Stuart Lesser, auf den eine Menge Arbeit in der Tierklinik wartet.

Sechs Ärzte unter der Leitung der Chefärzte Dr. Udo Zehl und Dr. Jan-Carlos Merkt sorgen dort für mächtig Betrieb. "Wir haben 38 Boxen. Die sind fast immer voll", erklärt Udo Zehl und fährt direkt zum nächsten Termin. Gemeinsam mit Tierärztin Christina Hecker und Tierarzt-Helferin in Ausbildung Pina Wölter arbeitet Stuart an diesem Vormittag im Stall. Während Pina Wölter die braune Ponystute hält und beruhigt, reinigt die Tierärztin die Wunde. Vor rund einer Woche nähten die Experten eine Schnittverletzung, die sich Milana wahrscheinlich an einem Zaun zugezogen hat.

Leicht nervös bewegt sich das Tier. "Es kommt in dem Job auch vor, dass man getreten wird", erklärt Christina Hecker, bereitet damit Stuart allerdings keine Sorgen. "Ich habe keine Angst", sagt der junge Brite ungerührt. Dann darf der Praktikant den Watteverband anlegen. Hauptsächlich Koliken und orthopädische Probleme bei Pferden behandeln die Ärzte in der Langst-Kierster Klinik. Rund 100 Kilometer rund um Meerbusch ist ihr Arbeitsradius. Die Pferderennbahnen in Krefeld, Duisburg, Düsseldorf und Mülheim gehören mit dazu.

Eilig geht das Mini-Team jetzt zu Warmblutfuchs Papparazo. Hier darf Stuart eine Kanüle ziehen – kein Problem. In der nächsten Box wird es allerdings etwas ernster. Eine Nasenschlundsonde soll gesetzt werden. Pferd Syrena hat Verstopfung und bekommt durch einen Schlauch Öl in den Magen. Dabei ist Stuart nur staunender Zuschauer, er weiß allerdings sofort: "Ich will jetzt später Tierarzt werden."

(RP)
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