1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Bö-Center kostet eine Million

Meerbusch : Bö-Center kostet eine Million

Einzelhandel in kleinen Orte kann auch ohne Großmärkte ein Erfolgsmodell sein. Das einst heruntergekommene Bö-Center kostete vor 2,5 Jahren 205 000 Euro. Renoviert und vermietet wird es inzwischen für 999.000 Euro angeboten.

Einkaufen im 2300-Einwohner Dorf Bösinghoven läuft etwas familiärer ab als anderswo. Im schmucken Bö-Center kennt man sich und tauscht gern zwischen den Regalen vom "Nah und Frisch"-Markt, an Bäcker- oder Metzger-Theke Neuigkeiten aus. Volksbank Meerbusch, Pizzeria, Ernährungsberatung, der Friseursalon von Angelina Ziehe und sechs Wohnungen vervollständigen das Bild.

Der komplett vermietete Komplex könnte nun auch für Investoren interessant werden. Die Mieteinnahmen pro Jahr liegen laut Makler Michael Heymanns bei 80 500 Euro. Der Makler bietet den gesamten Gewerbeanteil nebst zwei Wohnungen (etwa 80 Prozent des Objekts) gerade für 999 000 Euro in Immobilienportalen im Internet an.

Vor einigen Jahren wäre ein solcher Preis noch eine völlig utopische Wunschvorstellung gewesen. Das Center von 1973 war mit der Zeit heruntergekommen, nur Bank und Bäcker waren 2008 noch als Mieter vor Ort. Das Ende des Einzelhandels in Bösinghoven schien eingeläutet. Nach Schließung des örtlichen Rewemarkts 2003 kauften die Bürger auch ihren täglichen Bedarf vornehmlich in anderen Stadtteilen oder in Krefeld ein.

Im Januar 2009 kam es zur Zwangsversteigerung des Komplexes. Den Zuschlag erhielt der Bösinghovener Kälteanlagenbauer Christoph Peters für 205 000 Euro. Er ließ die Immobilie teilweise entkernen, umfassend renovieren und modernisieren, einschließlich Sanitäranlagen und Elektrik — und sorgte für neue Mieter und den heutigen Branchenmix. Geplant war eine Investition in ungefährer Höhe des Kaufpreises.

"Unser Konzept ist es, dem Ort einen Mittelpunkt, eine Seele zu geben", sagte Eigentümer Peters bei der Eröffnung des neuen Bö-Centers Ende August 2009. Einer der Ankermieter ist der Supermarkt mit 350 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 8000 Artikeln. Er ist der einzige Einzelhandelsmarkt im Ort. Auch auf Postleistungen kann man im Bö-Center mittlerweile zurückgreifen.

Ein Verkauf in naher Zukunft steht trotz der Anzeigen wohl nicht bevor: Die Inserate in den Immobilienportalen sieht Peters vor allem als Testballon, um einmal die Marktsituation auszuloten. Sein Center ist ihm sichtlich ans Herz gewachsen. Er wolle es im Grunde gar nicht verkaufen, sagt er auf RP-Anfrage. Ein Besitzerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt hätte für ihn zudem steuerliche Nachteile. Der Bösinghovener müsste dann den anfallenden Gewinn versteuern. Erst bei einer Veräußerung zehn Jahre nach dem Kauf wäre der Gewinn steuerfrei.

Peters nutzt das Bö-Center auch als auffällige Werbefläche für den TuS Bösinghoven, bei dem er als Abteilungsleiter Fußball aktiv ist. Plakate künden an der Fassade immer wieder von den Erfolgen des 1300-Mitglieder-Vereins. Zurzeit ist gerade wieder ein Großbild für die TuS-Fußballer in Vorbereitung.

(RP)