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Meerbusch: Blicke in die Berufswelt

Meerbusch : Blicke in die Berufswelt

Beim Projekt BIM stellten Meerbuscher Firmen am Freitag in der Förderschule Ausbildungsberufe mit praktischen Beispielen vor. Rat aus den Unternehmen an die Schüler: "Macht Schnupperpraktika".

STRÜMP Die blaue Flamme des Gasbrenners trifft auf den Silberdraht. Orangefarben glüht das Metall auf, dabei wird es weich. Sofort schaltet Mehmet Edik (15) den Feuerspender aus, nimmt seinen vorbereiteten Stern und verbindet ihn mit dem Draht. "Das geht ja einfach", sagt Schüler Alex Handel hinter Mehmets Rücken. Zusammen mit Max Winkert (14) schaut Alex seinem Schulkameraden über die Schulter. Sie wissen jetzt ein wenig, worum es beim Goldschmiedehandwerk geht. "Fingerfertigkeit und Geduld gehören dazu", sagt Goldschmiedin Tanja Stockhausen. Die Diplom-Designerin aus Osterath steht für einen von acht Meerbuscher Betrieben, die an der Raphaelschule beim zweiten Berufsorientierungstag "BIM — Berufsinformationsmodul" mitmachen.

Die Unternehmen stellen rund 60 Schülern ab der siebten Klasse Berufe vor. Ein Dachdecker, eine Pferdewirtin und eine Krankenpflegerin sind unter anderem vor Ort. Wie wichtig dieser Tag ist und worauf es bei der Wahl des Berufs ankommt, kann Tanja Stockhausen schnell erklären. "Sie müssen auf jeden Fall ein Praktikum machen", sagt sie. In ihrer Branche sei dies unabdingbar. "Nahezu alle Goldschmiede beziehen ihre Auszubildenden aus Praktikanten", so Stockhausen. Praktika helfen Arbeitgebern und Nachwuchs, sich kennenzulernen. Wichtig sei, dass Ausbildungsplatzsuchende mit einem Praktikum feststellen könnten, ob der Job zu ihnen passt — oder nicht. "Es ist interessant, aber das Richtige ist es noch nicht für mich", urteilt Schüler Max Winkert. Ins Handwerk wolle er schon, die Goldschmiedekunst sei jedoch nicht das ideale Tätigkeitsfeld für ihn. "Genau das ist der Punkt", sagt Rolf Adams, Maler- und Lackierermeister aus Büderich. Das Mitglied der Kreishandwerkskammer sieht in Praktika den Schritt zwischen Schule und Beruf, um den Ausbildungsplatzsuchende nicht mehr herumkommen. "Viele Schnupperpraktika machen", empfiehlt Rolf Adams. "Einfach beim Friseur anrufen und fragen, ob man nicht zwei Nachmittage über die Schulter schauen darf", rät der Fachmann. Ist der Platz der richtige, sollte nach einem längeren Praktikum gefragt werden. Auch Ängste vor der Arbeitswelt könnten so abgebaut werden. Ressentiments gegenüber Förderschülern können die Unternehmer verwerfen: "Ich beschäftige einen Mitarbeiter, der von dieser Schule kommt, schon seit 25 Jahren", sagt Malermeister Adams. Ob es in Meerbusch weiter eine Förderschule geben wird, steht allerdings noch in den Sternen. "Das Fallbeil ist noch nicht gefallen", sagt Schulleiter Armin Hellmich. "Bis Oktober müssen wir die Zahlen haben."

(RP)