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Meerbusch: Bestseller aus Bösinghoven

Meerbusch : Bestseller aus Bösinghoven

Der neue Jugendkatechismus "Youcat" der katholischen Kirche hat starke Wurzeln in Meerbusch und soll in rund 30 Sprachen übersetzt werden. Michaela Freifrau von Heereman gehört zum Redaktionsteam.

Michaela Freifrau von Heereman meidet Superlative. Es muss sich also um etwas ganz Besonderes handeln, wenn die Bösinghovenerin von ihrer Regel abweicht. "Beim neuen Jugend-Katechismus ,Youcat' handelt es sich weltweit um das größte christliche Buchprojekt, das wir haben", sagt sie. Im August beim Weltjugendtag in Madrid sollen ihn rund 700 000 Teilnehmer gratis bekommen. Er soll ferner in fast 30 Sprachen übersetzt werden – darunter Chinesisch und Arabisch. Allein in Deutschland sind in der ersten Woche gut 30 000 Exemplare verkauft worden. Der Papst hat ein Vorwort geschrieben und empfiehlt den Jugendlichen der Welt, studiert den Katechismus, studiert ihn und tauscht euch darüber aus.

Das neue Buch der Superlative ist schon jetzt ein Sympathieträger für die Katholische Kirche und hat kräftige Wurzeln in Meerbusch. Nicht nur, dass mit Freifrau von Heereman und dem Münsteraner Stadtpfarrer Christian Schmitt die Hälfte des vierköpfigen Redaktionsteams Bezüge zur Stadt im Grünen aufweist, auch Jungen und Mädchen aus Meerbusch beteiligten sich an zwei Sommercamps, um zusätzlich zur wissenschaftlichen Version des Kompendiums (Handbuch) zur katholischen Lehre eine leicht verständliche und zeitgemäße Kurzversion für Jugendliche zu erarbeiten.

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Die Ursprünge für den "Youcat" liegen im Jahr 2005. Freifrau von Heereman spricht mit Bernhard Meuser vom Pattloch-Verlag über ihr neues Buch über Familienpolitik. Bei der Gelegenheit erzählt der Verleger über ein Erlebnis während einer Podiumsdiskussion mit dem österreichischen Christoph Kardinal Schönborn. Der sei von einer Frau auf das Kompendium mit der Bitte angesprochen worden, er solle nach Rom gehen und dafür sorgen, dass ein gescheiter Jugendkatechismus erscheine. Schönborn habe geantwortet, in Rom gebe es keine Jugendlichen, und mit denen müsste man das Vorhaben doch eigentlich umsetzen. Wenn er zu Professoren ginge, würde es 15 Jahre bis zur Fertigstellung dauern.

Meuser habe gemeint, es gebe keine Jugendlichen, die eine solche Aufgabe übernehmen, um das Kompendium für ihre Altersgruppe verständlich zu machen. "Doch, die gibt es" habe sie entgegnet, berichtet die Bösinghovenerin im RP-Gespräch.

Ein erster Anlauf ging daneben. "Damit hätten wir entweder das Ziel, die Jugendlichen zu erreichen, verfehlt, oder die Zustimmung aus Rom nicht bekommen", sagt von Heereman. Der zweite Versuch überzeugte dann sogar einen so konservativen Geistlichen wie Jochim Kardinal Meisner. Im Frage-und-Antwort-Stil wird auf gut 300 Seiten die katholische Lehre erklärt. Die offizielle Haltung wird gefettet als Lehrsatz kurz und knapp herausgehoben, die Botschaft anschließend für Jugendliche verständlich und leichtfüßig übersetzt.

Zeitgemäße Illustrationen und Cartoons führen ernsthaft aber mit viel Humor durch die Publikation. Vor Antworten auf heikle Themen wie Sexualität, Aids oder Pornografie drücken sich die Autoren nicht. Freifrau von Heereman scheint selbst ganz überrascht, was der Vatikan da autorisiert hat.

(RP)