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Meerbusch: Bahn fährt bei geöffneter Schranke

Meerbusch : Bahn fährt bei geöffneter Schranke

Mehr als eine Stunde lang ließ sich gestern ein "Schrankenbaum" am Bahnübergang Meerbuscher Straße nicht schließen. Die am Osterather Bahnhof ankommenden und wegfahrenden Personen- und Güterzüge passierten den Übergang in der Zeit von 13.14 bis 14.32 Uhr dennoch.

Gefahr, so ein Sprecher der Deutschen Bahn AG gestern, habe für alle Verkehrsteilnehmer nicht bestanden. Eine Kollegin der Nordwestbahn berichtete, dass bereits am Mittwoch um 22.30 und um 23.07 Uhr Warnmeldungen eingegangen seien, dass die Schranken nicht einwandfrei funktionierten.

Augen- und Ohrenzeugen schilderten der Rheinischen Post, dass die Züge bis nahe an den Bahnübergang herangefahren seien, dann gebremst, gestoppt und nach einem lauten Signalton die Fahrt trotz geöffnetem Schrankenbaum fortgesetzt hätten. Zu der Zeit seien viele Schulkinder auf dem Heimweg gewesen.

"Das ist eine ältere Anlage in Osterath, und in der Technik stecken wir nicht drin", sagt der Bahnsprecher. Sein Unternehmen sei über jede Kreuzung froh, die in Zukunft wegfalle, sagte er und spielte auf die Pläne an, die Bahnübergange sowohl an der Meerbuscher- als auch an der Strümper Straße durch eine Unterführung zu ersetzen. Das Planungsrecht dafür existiere schon länger. Meistens verzögerten sich solche Bauten wegen der Finanzierung. "Diese Vorhaben kosten viel Geld."

Bis zur Realisierung des "gut 30 Millionen Euro teuren Projekts" scheinen die Meerbuscher mit Problemen an der Schrankenanlage leben zu müssen. Im Mai hatte ein Zug zum Beispiel vor geöffneter Schranke eine Vollbremsung machen müssen. Der damals 14-jährige Schüler Bastian Ehl kam mit dem Schrecken davon. Er hatte das laute Quietschen der Bremsen gehört und war rechtzeitig stehen geblieben. Auch die Bahn hatte rechtzeitig gestoppt.

Das war auch gestern so. Ein Bahnsprecher erklärte, die Lokführer seien per "schriftlichem Befehl" angewiesen gewesen, am Bahnübergang Meerbuscher Straße zu halten. Darüber hinaus würden sie schon mit einem Vorsignal gewarnt und zu langsamer Fahrt veranlasst, weil vor dem Bahnübergang ein Rotlicht die Weiterfahrt verbiete. Und für den äußersten Notfall existierte eine technische Vorrichtung zur "Zwangsbremsung" durch Einsatz eines speziellen, sehr starken Magneten.

Grundsätzlich stellten Bahngleise immer ein Risiko dar, sagt auch die Bahn. Erst Ende des Jahres 2010 (RP berichtete) war ein 20-jähriger Osterather an den Bahnschienen nahe dem Übergang Görgesheide auf tragische Weise zu Tode gekommen.

(RP/rl)