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Meerbusch: Auktion: 5000 Antiquitäten kommen unter den Hammer

Meerbusch : Auktion: 5000 Antiquitäten kommen unter den Hammer

Nächste Woche findet im Traditionshaus Rosthal die große Abschlussauktion statt. Oliver Rosthal bietet rund 5000 Antiquitäten an, die sein Vater über mehr als 40 Jahre gesammelt hat

Schon im Innenhof des Büdericher Auktionshauses beginnt der historische Streifzug für den Besucher: Alte hölzerne Koffer, Gartenskulpturen, sogar eine alte Turmglocke schmücken den Eingangsbereich. Im Inneren fällt es schwer, nur drei Meter den Gang entlang zu gehen, ohne an einem der rund 5000 Antiquitäten aus vier Jahrhunderten Kunstgeschichte stehenzubleiben.

 Oliver Rosthal zeigt eine kleine Auswahl: drei handsignierte Siebdrucke von Andy Warhol und eine handgearbeitete Prunkvase.
Oliver Rosthal zeigt eine kleine Auswahl: drei handsignierte Siebdrucke von Andy Warhol und eine handgearbeitete Prunkvase. Foto: Ulli Dackweiler

Und so geht es den meisten Besuchern bei der Vorbesichtigung für die große Abschlussauktion. Sie bleiben oft minutenlang an den Skulpturen, Standuhren oder Möbelstücken stehen, beäugen das jeweilige Exponat haargenau und machen sich Notizen. Selbst ein flüchtiger Blick an die Wände scheint unmöglich zu sein — zwischen den Hunderten Gemälden mit dicken, teilweise reich verzierten Holzrahmen, ist kein Meter mehr frei.

Oliver Rosthal hat in diesen Tagen viel zu tun, nicht nur bei der Vorbereitung der Auktion, die vom 30. Januar bis zum 2. Februar hier stattfinden wird, sondern auch beim Schütteln der Hände vieler langjähriger Stammkunden. Besonders die Senioren erinnern sich noch genau an seinen Vater, Karl-Heinrich Rosthal, den Gründer des Hauses, der vor genau zwei Jahren verstarb. "1972, als ich noch klein war, haben wir angefangen", erinnert sich Oliver Rosthal. "Jeden Samstag sind wir mit Vaters altem Lkw zu jedem Flohmarkt in der Region gefahren und haben nach Schätzen gesucht. Da sind über die Jahre völlig verschiedene Dinge zusammengekommen."

Rosthal präsentiert eine kleine Auswahl: Drei Bilder, genauer gesagt handsignierte Siebdrucke von Andy Warhol, mit den Motiven der heiligen Apollonia (Foto). Daneben eine Prunkvase aus einer Dresdener Porzellanmanufaktur, samt Echtheitszertifikat versteht sich. Aber die ausgefallene Sammlung biete auch "echte Highlights", meint Rosthal, etwa ein 100 Jahre alter Feuerwehrhelm aus London aus Leder, mit klappbarem Sichtfenster.

Über 40 Jahre hat Oliver Rosthals Vater das Auktionshaus zu einem "Publikumsmagnet" in Büderich werden lassen. "Kunst gab es früher nur auf der anderen Rheinseite", meint er. "Und meistens teuer. Unser Haus stand immer für faire Preise und einen breiten Kundenstamm, vom Laien, der etwas Schönes für das heimische Wohnzimmer sucht bis hin zum Händler." Die Kunden kommen aus der ganzen Welt. Deshalb wird Rosthal parallel zur Auktion sogar einen Internet-Live-Stream anbieten, damit auch die Kunstliebhaber aus Russland und China die Auktion verfolgen und mitbieten können. "Es wird ein hartes Stück Arbeit", meint Rosthal, "Aber ich glaube, dass wir viele Stücke an den Mann bringen können."

Und trotzdem bleibt die Frage, warum der Sohn das Lebenswerk seines Vaters nun versteigern will. Schließlich läuft das Haus doch gut und erfreut sich großer Beliebtheit. Warum also aufhören? "Weil ich durch meinen Beruf als Medientechniker viel unterwegs bin und den Betrieb alleine nicht aufrechterhalten könnte", so der 47-Jährige. "Auch meine beiden Schwestern gehen inzwischen andere Wege. Das heißt jedoch nicht, dass hier für immer die Lichter ausgehen." Nach der Schließung sollen in der alten Kornmühle Loftwohnungen entstehen. "Das Lebenswerk meines Vaters bleibt erhalten. Wir gehen nur einen Schritt in die Zukunft. Das hätte ihm gefallen", weiß Rosthal.

(RP)