Meerbusch: Auf Safari in der Großstadt

Meerbusch: Auf Safari in der Großstadt

Nicolas Bogislav von Lettow-Vorbeck beobachtet Tiere aus Leidenschaft, am liebsten direkt vor seiner Haustür. Mit viel Geduld entdeckt er so auch ganz seltene Exemplare. In seinem Buch stellt er 99 Stadttiere vor.

Ein junger Autor hat sich auf die Pirsch gemacht. Nicht in freier Wildbahn und abgeschiedener Natur, sondern mitten in der Stadt. Schon als Kind in Meerbusch gab es für Nicolas Bogislav von Lettow-Vorbeck nichts Schöneres, als Tiere stundenlang mit staunendem Blick zu betrachten. Diese Leidenschaft hat er nie verloren, auch nicht im "Großstadtdschungel" von Berlin, wo er heute als Journalist arbeitet. Eigentlich wurde sein Spürsinn dort erst recht herausgefordert. Und plötzlich reifte da die Idee, all den wundersamen Geschöpfen, die kaum jemand wahrnimmt, ein Denkmal zu setzen. Daraus entstand sein Buch "Stadtwild - von Amsel bis Zauneidechse". Untertitel: "99 Tiere, die man in der Stadt entdecken kann." Nicolas von Lettow-Vorbeck sammelte sie nicht nur in Grünanlagen und Gewässern von Berlin ein, er streifte dafür auch durch seine alte Heimat. "Ich ging in Neuss zur Schule", erzählt er, "manchmal saßen wir am Teich im Park und beobachteten, wie die Nutrias hin- und herschwammen. Sie sahen aus wie riesige Meerschweinchen. In Berlin konnte ich sie noch nie entdecken."

Nun mag es ja einfach sein, eine Liste mit allerlei Getier zu erstellen. Hund, Katze, Maus, Karpfen, Reh und Waschbär lassen sich gewiss schnell finden. Doch wie und wo spürt man seltene Exemplare wie Braunbrustigel, Ringelnatter, die Gemeine Feuerwanze oder den Großen Leuchtkäfer auf? Hier halfen Nicolas von Lettow-Vorbeck die Erinnerungen an seine Jugend-Exkursionen weiter.

Das reichte natürlich nicht. Er befragte Experten, bekam viele Tipps und konnte daraus ein Netzwerk knüpfen. Doch selbst das klingt leichter, als es war. Begegnungen mit Exoten wie dem Goldglänzenden Rosenkäfer und der Blaugrünen Mosaikjungfer erforderten viel Mühe und vor allem eine Engelsgeduld. Welche Tierchen überraschten ihn am meisten? "Das waren viele, aber sicher gehörten die Zebraspringspinne mit ihrer unglaublich starken Sprungleistung und der bedrohlich wirkende Wasserskorpion dazu", antwortet er.

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Der hübsch bebilderte Band ist weit mehr als ein Tierlexikon der etwas anderen Art. Nicolas von Lettow-Vorbeck nimmt seine Leser mit auf eine spannende Safari. Anschaulich berichtet er über jedes einzelne Exemplar und versieht es mit einem charakteristischen Etikett. Der Steinmarder wird zum "Autosaboteur im Blutrausch", der Turmfalke zum "Mäuseschreck mit Helikoptergenen", die Spanische Wegschnecke zum "Schleimer mit Raspelzunge".

Sehr unterhaltsam lesen sich auch die beigefügten Anekdoten: von betrunkenen Waschbären, Wanderratten als Drogenschnüfflern und einem Krefelder Bürger, der als Teichfrosch-Mörder Schlagzeilen machte. Auf die "Gattung Mensch" wollte der Ex-Büdericher in seiner Sammlung nicht ganz verzichten. Es sollte aber keiner aus Fleisch und Blut sein. Da fiel ihm die fast schon zugewachsene Badewanne in Strümp ein, aus der dieser lustige Mann mit Schnäuzer klettert, eine Beton-Skulptur von Bärbel Kolberg. "Die kenne ich schon ewig" sagt er, "ich habe mich gefreut, dass sie noch immer da ist."

Das im Mai erschienene Buch hat seine Passion für die Natur nicht gestillt, sondern noch mehr angeregt: "Bei mir ruft sie ein Glücksgefühl hervor. Besonders jetzt im Frühjahr, wenn alles so herrlich duftet."

(RP)
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