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Meerbusch: Archäologische Rätsel unter Haus Meer

Meerbusch : Archäologische Rätsel unter Haus Meer

Am Ort des geplanten Haus-Meer-Luxushotels könnten historisch bedeutsame Funde im Erdreich liegen. Neue wissenschaftliche Methoden sollen Aufschluss geben. Der Förderverein holt sich am Dienstag Rat bei einem Fachmann

Wie sah das heutige Haus-Meer-Areal im Mittelalter aus? Bekannt ist, dass dort 1166 ein Prämonstratenserinnen-Kloster entstand. Doch was war vorher? Existierte ein verfallenes römisches Gutshaus oder gar eine Befestigungsanlage, das "Castrum Mare"? Archäologische Objekte, die diese Fragen beantworten, dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit im Boden des denkmalgeschützen Areals liegen.

Der geplante Bau eines Luxushotels auf dem Grundriss des 1959 gesprengten Schlosses bedeutet für die Historiker nun Chance und Risiko zugleich. Der Förderverein Haus Meer hat für morgen den Landesarchäologen Martin Vollmer-König eingeladen, um über mögliche archäologische Grabungen — und deren Kosten — zu reden (20 Uhr, Börker Brauhaus). Die Mitglieder um den Vorsitzenden Herbert Jacobs erhoffen sich Aufschluss darüber, ob vor Beginn der Bauarbeiten eine so genannte Notgrabung erfolgen muss. Eine solche Maßnahme hatte in den 60er Jahren zur Freilegung von Resten der Meerer Motte geführt, einer Holzburg in der benachbarten Altrheinschlinge.

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Alternative zur Notgrabung wäre, dass die Archäologen erst tätig werden, wenn die Bagger der Bauarbeiter im Boden auf historische Relikte stoßen — und dies den Behörden umgehend gemeldet wird. Dieses Vorgehen hätte den Nachteil, dass empfindliche Objekte beim Ausschachten unbeabsichtigt zerstört werden könnten. Die Arbeiten müssten beim Auftauchen von Funden sofort auf unbestimmte Zeit gestoppt werden.

Vollmer-König wird in seinem Vortrag aber auch von neuen Methoden berichten, die zunächst ganz ohne Grabungen auskommen. Durch Luftbildscans und elektromagnetische Messungen ließe sich möglicherweise bereits klären, ob unter den Schlossfundamenten noch Reste des "Castrum Mare" oder einer Römer-Villa liegen. Die Archäologen könnten also schon am Computer abschätzen, ob eine Grabung überhaupt lohnen würde.

Dass es auf dem weitläufigen Gelände an der einstigen Römerstraße bereits vor Gründung des Klosters Gebäude gegeben hat, darauf deutet (unter anderem) die Zusammensetzung der Immunitätsmauer hin, die den einstigen Klosterbezirk umgibt. In der Mauer finden sich viele Steine, die wiederverwendet worden sind und ursprünglich zu älteren Bauwerken gehört haben, deren Lage nicht mehr bekannt ist.

Interessant wird die Frage, wer archäologische Maßnahmen finanzieren soll. Nach einem erst wenige Wochen alten Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster ist die bislang gängige Praxis nämlich nicht mehr haltbar. Diese sah vor, dass der Grundstücks-Eigentümer (in diesem Fall der Kölner Unternehmer Roland Agne) Grabungskosten bezahlen musste.

Bei der Fördervereins-Versammlung steht noch ein weiterer Vortrag auf der Tagesordnung: Mitja Horlemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bonn, berichtet von seiner Magisterarbeit "Neue Erkenntnisse zur Motte Meer", aus der nun eine Doktorarbeit werden soll.

(RP/ila)