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Meerbusch: Anwohner fordern Poller

Meerbusch : Anwohner fordern Poller

Vier Bürgeranträge zu Verkehrsthemen standen auf der Tagesordnung des Bauausschusses. Keiner fand eine Mehrheit. Besonders heftig wurde über Poller für die Straße Strümper Berg diskutiert.

Die Sitzung des Bauausschusses war gut besucht wie selten. Vier Bürgeranträge lagen vor — unterstützt von bis zu 120 Anwohnern. Die Zufriedenheit der Antragsteller hielt sich anschließend in Grenzen: Ein Antrag (Aufhebung der Spielstraße an der Blumenstraße) wurde abgelehnt. Bei den drei anderen soll die Verwaltung weiter prüfen und Vorschläge machen.

Am intensivsten war die gut einstündige Debatte um die Forderung nach Abpollerung der Straße Strümper Berg. Die Antragsteller wollen damit verhindern, dass die Straße als Abkürzung zwischen Rheingemeinden und Strümp genutzt wird. Die Polizei hat dort vier Monate lang Zahl und Tempo der Autos in der 30er-Zone gemessen und Daten aus 13 Tagen veröffentlicht. Ergebnis: Es kommt dort zu 1100 Fahrzeugbewegungen pro Tag. Die meisten halten sich an die Tempo-30-Regelung, es gibt aber auch reichlich Verstöße.

Anwohner Henning Ohlsson (Geschäftsführer von Epson) hat die Daten mit der Bußgeldordnung gegengerechnet und kommt zu einem anderen Ergebnis: "Jeder zweite war schneller als 30 km/h. In den 13 Tagen wären 26 330 Euro Bußgeld fällig geworden — hochgerechnet auf die ganzen vier Monate wären das 245 000 Euro". Unterstützung bekam er von Grünen-Ratsherr Heinz Ruyter: "Anlieger-frei-Schilder würden dort nichts bringen. Ich bin für die Abpollerung". Denkbar wäre auch ein Abklemmen auf der Hälfte der Straße. UWG und SPD-Ratsfrau Heidemarie Niegeloh regten eine "Abpollerung auf Probe" an. Thomas Gabernig (FDP) wies darauf hin, dass ein Zuviel an Pollern zum Problem werden könnte, was man in Osterath sehe.

Streit um Präzedenzfall

CDU-Ratsherr Andreas Rennertz zweifelte an, dass die Straße als Abkürzung genutzt wird: "Man spart keine Zeit". Eine Abpollerung wäre ein Präzedenzfall: "Solche Bürgeranträge werden dann zum Volkssport". 21 Autos pro Stunde seien keine starke Belastung. Das sieht auch die Verwaltung so. Für CDU-Ratsherr Mike Kunze sind die Anwohner Teil des Problems: "Der überwiegende Teil des Verkehrs dort ist Ziel- und Quellverkehr". Und gerade Anwohner würden sich dort nicht an die 30er-Zone halten, beschrieb er eigene Erfahrungen. Ihm sei durchaus der Gedanke gekommen, "dass Leute, die da hinziehen sich anschließend mit so einem Antrag ein ruhiges Umfeld schaffen wollen".

Wenn man 120 Anwohner entlaste, komme auf die fünffache Zahl in anderen Straßen eine stärkere Belastung zu. Die Straße sollte beruhigt werden — "aber bitte ohne Poller". Kunzes Beiträge riefen bei einigen Zuschauern Protest hervor, kurzzeitig drohte die Debatte emotional zu werden. Die Parteien gaben letztlich der Verwaltung den Auftrag zu prüfen, wie sich das Tempo am Strümper Berg vermindern lässt.

(RP)