Antikgeschäft in Meerbusch schließt

Büdericher Geschäftswelt : Antik und Edel schließt seine Tore

Angelika Müller-Nieswandt gibt ihr Antik-Geschäft in Büderich auf und verabschiedet sich in den Ruhestand. Ihre Stammkunden trauern dem Laden schon jetzt hinterher. Aber: Sie bleibt übers Internet erreichbar.

„Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe – 30 Prozent auf alles“ steht in großen orangefarbenen Buchstaben am großen Schaufenster des Antikladens „Antik & Edel“ von Angelika Müller-Nieswandt. Seit vier Jahren ist sie nun in diesen Räumlichkeiten an der Düsseldorfer Straße. Ende Januar 2020 geht Müller-Nieswandt in den Ruhestand. Damit schließt der einzige Antikladen in der näheren Umgebung. Für viele Stammkunden ist diese nahende Schließung ein regelrechter Trauerfall. „Eine Frau meinte, dass sie fast einen Herzanfall bekommen habe, als sie davon erfahren habe“, so die 59-Jährige Ladeninhaberin.

In vielen persönlichen Gesprächen sowie am Telefon wird sie immer wieder darauf angesprochen. So auch an diesem Mittag. „Ja, genau da haben Sie richtig gehört“, sagt Müller-Nieswandt am Telefon, „ja genau, zum 31. Januar... Ich bin ja nicht aus der Welt, ich ziehe mich nur aus dem Laden zurück... Ja, ich bin dann telefonisch auch weiterhin erreichbar“ – die 59-Jährige muss die Anruferin regelrecht beschwichtigen.

Es liegt wohl auch an der besonderen Auswahl der Stücke, die im „Antik & Edel“ zu finden sind, warum viele Kunden immer wieder in den Laden kommen. Eine Frau will gerade hinaus gehen, als sie in einer Vitrine ein französisches Glasschiff entdeckt. „Das hab ich doch schon jahrelang gesucht und nie bei Ihnen gefunden“, ruft sie begeistert.

Gleichzeitg versuchen viele auch, etwas im Landen abzugeben. Eine ältere Kundin will an diesem Mittag Muttertagsteller anbieten. Müller-Nieswandt wimmelt sie schon an der Tür ab: „Das wird nicht mehr gekauft“, erklärt sie kopfschüttelnd. Das sei einfach nicht mehr ‚in’. Nach mehr als 30 Jahren im Geschäft habe man einen Sinn dafür, was verkauft werden kann und was nicht.

Schon als junges Mädchen sei Müller-Nieswandt gerne auf Trödelmärkte gegangen. „Es hat mir immer Spaß gemacht, mit Sachen zu handeln, die schon mal ein Leben hatten“, erklärt die 59-Jährige ihre Leidenschaft. Ihr Hobby machte sie später zum Beruf. Gebürtig aus Düsseldorf-Bilk, hatte sie ihren ersten Laden zunächst an der Brunnenstraße. Als dort jedoch nach und nach ein Geschäft nach dem anderen geschlossen wurde, zog sie mit ihrem Geschäft nach Büderich um. „Interessanterweise hatte ich auch in Düsseldorf schon immer viele Kunden aus Meerbusch“, sagt sie.

Seit 14 Jahren ist sie nun Teil der Meerbuscher Einzelhandels-Szene. Langweilig ist ihr das Antikhandel-Geschäft nie geworden: „Man hat die Teile immer nur einmal, und jedes Teil hat seine Geschichte, das macht es so spannend“. Im Laufe der Jahre hat sich Müller-Nieswandt vermehrt auf Schmuck fokussiert. Zwar gibt es in ihrem Laden noch immer Porzellan, Glas, Bilderrahmen, Uhren und Spiegel, doch in vielen Vitrinen befinden sich ausschließlich Ketten, Armreife und Ohrringe. „Schmuck ist etwas, das immer gekauft wird.“ Auch die Kundin, die gerade den Laden betritt, sucht nach Schmuck, konkret nach Klipp-Ohrringen, am liebsten aus echtem Silber. Dass sie eine der vielen Stammkunden ist, wird dadurch deutlich, dass Müller-Nieswandt sie, wie die meisten, direkt beim Eintreten mit Namen begrüßt. Die Ladeninhaberin holt eine Auswahl an Klipps hervor und macht der Frau einige Vorschläge. Mitten im Auswahlprozess erkundigt sich auch diese Kundin nach dem Schließungsgrund von „Antik & Edel“: „Wo gehen Sie denn jetzt hin?“, „Ich geh’ nach Hause“, antwortet Müller-Nieswandt und lacht. Ein Hoffnungsschimmer für die Stammkunden: Online bleibt die Antik-Expertin weiter präsent und erreichbar.

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