Meerbusch: Ansichten einer Villa

Meerbusch : Ansichten einer Villa

Haus Rosenau im Meererbusch zählt zu den ältesten Immobilien, des ehemals als Gartenstadt geplanten Viertels. Es ist knapp hundert Jahre alt. Für Ludwig Huberti (70) beherbergt die Villa ein Stück Familiengeschichte.

Der Bauantrag für das Haus an der Lindenstraße — seit 1925 Hindenburgstraße — in Meererbusch wird von der Gemeinde Büderich 1910 genehmigt. Ein Industrieller hat das Haus in Auftrag gegeben. Bauherr ist W. Oberdörffer, die Pläne hat der Neusser Architekt Heinrich Ingerfeld entworfen. Doch der Besitzer wird während des Ersten Weltkriegs zahlungsunfähig, und Louis Heinrich Franz Gottfried Huberti ersteigert im Jahr 1916/17 die Immobilie nebst 5000 Quadratmeter Grundbesitz.

100 Jahre hat Haus Rosenau an der Hindenburgstraße 7 fast auf dem Buckel. Das Innere ist kernsaniert und beherbergt heute neben dem Büro der Handelsagentur Huberti auch die Privaträume von Gerhard Huberti. Denkmalgeschützt ist das Gebäude nicht, ebenso wenig wie das gesamte Viertel, das vor mehr als 100 Jahren von Friedrich Freiherr von der Leyen und dem Architekten Fritz August Breuhaus de Groot als Villenkolonie für das Großbürgertum des Kaiserreichs geplant war. Doch zwei Weltkriege machten das Unterfangen "Gartenstadt Meererbusch" zunichte. Heute beherbergen die riesigen Grundstücke meist mehr als ein Gebäude.

Auch das Areal der Familie Huberti ist geteilt. Ludwig Huberti (70) wohnt im Haus Nummer 13a — am Ende des Grundstücks, das er Ende der 80er Jahre gebaut hat. "Ich habe viele alte Möbelstücke aus der Villa gerettet", sagt der 70-Jährige: Eichentische, Stühle, ein schwerer Schreibtisch und der Kamin stammen aus der Villa, die seine Großeltern bewohnt haben. "Ich bin anfangs in Oberkassel aufgewachsen", erinnert sich Huberti. Erst in den Fünfziger Jahren ist er nach Büderich gekommen. In der Zeit nach dem Krieg, als Fässer mit Seifenlauge auf dem Grundstück lagerten, stellte seine Großmutter Seifenstücke her. Die waren in dieser Zeit sehr knapp.

Auch an die Evakuierung der Häuser nach dem Zweiten Weltkrieg kann sich Ludwig Huberti erinnern. "Die Amerikaner besetzten die Häuser. Und unsere ganze Familie musste vorübergehend in den Gasthof Peters umziehen." Etwas später kamen die Kriegsflüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien und wurden in den Villen untergebracht. — 1953 starb Ludwig Hubertis Großvater. Der Streit ums Erbe unter den beiden Söhnen entbrannte. In der Zeit von 1956 bis 1993 stand Haus Rosenau leer. Möbelstücke verschwanden aus dem Gebäude, das schon bald einen verfallenen Eindruck machte. "Ich habe mich oft auf die Lauer gelegt. Einmal habe ich zwei Diebe erwischt", berichtet Huberti. Mit einer Tränengaspistole bewaffnet war er von seinem Haus zur Villa geschlichen und stellte die Täter, versprühte Tränengas. Pech nur, dass der Wind ungünstig stand.

Erst mit dem Tod von Hubertis Vater (Gerhard Ludwig Huberti) im Jahr 1990 war eine Einigung möglich. Nachdem die Erbstreitigkeiten geklärt waren, ließ Ludwig Huberti die Villa 1993 entkernen und sanierte das Innenleben. Die Front blieb erhalten. "Jetzt arbeite ich daran, dass die Rosen wieder wachsen", sagt Huberti. "Das Haus soll seinem Namen Ehre machen."

43 Jahre lang hat Huberti als Handelsvertreter gearbeitet. Mit 60 hat er aufgehört. Jetzt führt sein Sohn Bernd das Familienunternehmen in der vierten Generation.

"Es gibt heute nur noch vier Handelsvertretungen", sagt Ludwig Huberti. 1959 seien es noch 50 gewesen.

(RP)