Anlaufstelle für alle Meerbuscher: der Ilvericher Treff

Serie: Menschen in den Ortsteilen : Gesellige Stunden im „Ilvericher Treff“

Vor knapp fünf Jahren hat Herbert Linnartz das Bistro übernommen. Es ist Anlaufpunkt für alle Altersgruppen.

Für den Radler, der an diesem Nachmittag aus Lank-Latum kommt und auf seiner Tour eine Pause im „Ilve­richer Treff“ macht, ist es ein Unding, diesen Ort nicht zu kennen: „Ich lebe seit 75 Jahren in Meerbusch und habe viele Erinnerungen, auch an die Anfangszeiten. Das war mal eine Trinkhalle mit Kiosk, es gab Zeitungen und Brötchen. Vom Sport aus ging’s direkt nach Ilverich. Dort haben wir uns schnell gewaschen und in der verschwitzten Sportkleidung unser Bier getrunken.“

In der Zwischenzeit hat sich der „Ilvericher Treff“ auch als Bistro bewährt, hat unterschiedliche Pächter gesehen und trotzdem seinen Ruf als beliebter Treffpunkt für gesellige Stunden immer bewahrt. Und das über die Grenzen der Meerbuscher Rheingemeinde hinaus. „Die Sonnenuntergänge auf unserer Terrasse sind legendär. Die Leute kommen mit dem Rad auch aus Büderich oder Kaiserswerth, um das zu fotografieren“, erzählt Herbert Lin­nartz. Er hat hier seit fast fünf Jahren das Sagen, ist im Februar von Monheim nach Strümp gezogen und sagt: „Hier treffen sich alle Altersgruppen – es ist wie in einer großen Familie.“

Seit einigen Monaten steht ihm Yvonne Zeich als Angestellte zur Seite. Sie hat 18 Jahre in der Gaststätte „Kastanienhof“ in Langst-Kierst gearbeitet, die inzwischen geschlossen ist. Sie weiß, was die Gäste wünschen: „Sie möchten das Gefühl haben, zu Freunden zu gehen und nicht in eine Kneipe.“

Dieses Wohlgefühl schätzen ebenso die sich täglich einfindenden Skatbrüder und die Stammtisch-Gäste, die Jäger und Brauchtumspfleger, die sich hier treffen, und die Radfahrer, die auf ihrer Tour Richtung Fähre oder Rheinauen Station im „Ilvericher Treff“ machen. Sie alle erwartet in dem kioskartigen Treffpunkt mit einladendem Außenbereich neben kühlen Getränken – freitags gibt es Schumacher Alt vom Fass – unter anderem Schnitzel, Rumpsteaks, Frikadellen, Curry-Wurst mit selbstgemachten Soßen, Pommes Frites: „Ein gutes Mittagessen.“ Herbert Linnartz kocht leidenschaftlich gern – aber hobbymäßig: „Den Gästen schmeckts.“

Eigentlich ist er Diplom-Sportlehrer, konnte aber nach einem schweren Skiunfall im sportlichen Bereich nicht Fuß fassen, hat unter anderem zwei Jahre in einem Restaurant in Kanada und als Schüler bei McDonalds gearbeitet: „So habe ich Gastronomie-Erfahrung gesammelt und weiß, was die Gäste wünschen.“ Um den „Ilvericher Treff“ weiter als Anlaufstelle für Jedermann weiter zu führen, hat er bei der Übernahme rund 12.000 Euro in die Hand genommen, ein neues Dach draufgesetzt, die Küche neu ausgestattet und das Mobiliar ausgetauscht: „Vieles in Eigenarbeit, gemeinsam mit meinem Bruder, der Schreiner ist. Wir sind noch nicht ganz fertig, aber das wird bald so weit sein.“

Geöffnet hat er täglich zwischen 11 und 22 Uhr. Sonntags kommen die Kenner zum Frühschoppen. Und wenn es nach Yvonne Zeich und Herbert Linnartz geht, sollen sie bis zum Nachmittag bleiben: „Wir arbeiten daran, bald wieder frisch gebackenen Kuchen anzubieten.“ Das hatte bis zum vergangenen Jahr Linnartz’ Mutter übernommen: „Sie ist mit 87 Jahren verstorben.“ Jetzt versucht er sich an deren Rezepten. Bis er so weit ist, können die Gäste Waffeln, heiße Kirschen und Eis genießen. Pläne gibt es reichlich. Neben Aktionen wie einem spanischen Abend mit Paella und Haxen zur Oktoberfestzeit schwärmt Linnartz von einer Strandparty, „mit Sand, Planschbecken, Urlaubs-Feeling“.

Als guter Ort zum Feiern bei familiären Anlässen hat sich der „Ilvericher Treff“ bereits bewährt: „Hier kann die Musik so laut aufgedreht werden, wie gewünscht“, erzählt Linnartz. Am 3. August feiert der Wirt übrigens selbst – dann ist er fünf Jahre in Ilverich. Und der Stammgast aus Lank, der nicht genannt werden möchte, sagt: „Hier habe ich mich immer wohlgefühlt und tue es auch heute noch.“

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