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Meerbusch: Animierte Bücher im Klassenzimmer

Meerbusch : Animierte Bücher im Klassenzimmer

Für das Projekt "Kreatives Schreiben" setzt die St.-Mauritius-Schule auf Neue Medien: Das Internetportal onilo.de bietet digitalisierte Kinderbücher zum gemeinsamen Lesen an

Neugierig und wie gebannt schauen die Kinder auf die Leinwand. Der Beamer projiziert eine Geschichte der "Olchis" – es ist ein Buch, ein animiertes Kinderbuch, das die Jungen und Mädchen der 3a von der St.-Mauritius-Grunschule in Büderich so fesselt. Das kommende Schuljahr wird die Klasse im Rahmen des Projektes "Kreatives Schreiben" jeweils eine Doppelstunde in der Woche sich mit den Büchern als bewegte Bilder beschäftigen.

Die sogenannten Boardstories laufen über die Internetplattform onilo.de. Die Idee dazu hatte Albert Hoffmann, ehemaliger Grund- und Hauptschullehrer aus Bayern: "Der Mehrwert von onilo.de liegt vor allem daran, die Kinder fürs Lesen zu gewinnen," erklärt der 65-Jährige. 2008 startete der Aufbau der Internetseite – das Angebot an animierten Kinderbüchern umfasst mittlerweile mehr als 143. "Dazu gehören Sachbücher und mehrheitlich Bücher aus dem Bereich Belletristik mit großem Bildanteil."

Aufmerksam gemacht wurde die Schule auf onilo.de von der freien Autorin Renate Kaiser: "Es eignet sich hervorragend, um kreatives Schreiben zu üben," erklärt Kaiser. Die Animation könne auch ohne Text laufen, sie lasse sich jederzeit anhalten oder mittendrin unterbrechen: "Dann müssen die Kinder die Geschichte beenden." Kaiser hatte im Rahmen des Landesprogramms "Kultur und Schule" das Projekt "Kreatives Schreiben" angeregt. Die Ein-Jahres-Lizenz für onilo.de finanziert der Rhein-Kreis-Neuss. Zum Einstieg bringt Hoffmann für die dritte Klasse der St.-Mauritius-Schule das Buch "Die Olchies – Ein Drachenfest für Feuerstuhl" mit. Die Seiten aus dem gedruckten Buch laufen nun als Bewegtbilder auf der Leinwand. Der Text wird eingeblendet, die Grundschüler lesen einzeln oder zusammen vor: "Es geht bei onilo.de vor allem auch um das kollektive Lesen und Erleben", sagt Hoffmann. Zwischendrin stellt der 65-jährige Fragen oder macht auf die Reimspiele von "Olchi"-Papa aufmerksam. "Solche zusätzlichen Unterrichtsinhalte werden zu jedem Buch auf der Internetseite zur Verfügung gestellt." Die interaktive Lesestunde begeistert: Die Arme und Hände schnellen nach oben – die Kinder scheinen sich mit ihren Meldungen und Leseleistungen überbieten zu wollen. "Am besten gefiel mir , dass sich die ,Olchis' bewegten und die Schrift so groß war", sagt die achtjährige Clara. Benke (8) stimmt seiner Klassenkameradin zu: "Es war gut." Gut? - "Es war sehr sehr gut." So gut, dass er sich vorstellen könnte, nur noch von der Leinwand statt aus dem Buch zu lesen. Gut, dass das seine Lehrerin, Gabriele Zaum, nicht hört: "Das Projekt ist eine Ergänzung zum Deutschunterricht – kein Ersatz," sagt Zaum, die auch Leiterin der Grundschule ist. "Die Boardstories sind als Schreibanlass gedacht." Als Renate Kaiser ihr das Programm Onilo vorschlug, kannte die Schulleiterin bereits das Internetportal antolin.de, das ebenfalls von Hoffmann entwickelt wurde. Dort können Kinder nach der Lektüre eines Buches Fragen dazu beantworten. Zaum sagt: "Genau wie bei den Boardstories sollte eine Person dabei sein, die das Lesen und die Bearbeitung der Aufgaben begleitet." So wie das Renate Kaiser die kommenden Monate bei Zaums Klasse tut.

(RP)