Angebote der Meerbuscher Musikschule

Bildung : „Wir kennen alle Meerbuscher Kinder“

Die Leiter der Musikschule sprechen über ihre 1200 Schüler im Alter von sechs Monaten bis 90 Jahren.

Meerbusch feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Die Musikschule ist aber noch älter als die Stadt. Wie macht sich das bemerkbar?

Anne Burbulla Das stimmt, in zwei Jahren gibt es uns seit 60 Jahren. Viele ältere Meerbuscher waren als Kinder hier. Deren Kinder waren ebenfalls Schüler, heute sind es auch die Enkel. So prägt die Musikschule in Meerbusch bereits mehrere Generationen.

Kurse zu besuchen ist ja mittlerweile praktisch kurz nach der Geburt möglich...

Burbulla Wir hatten schon lange Frühförderkurse für Babys ab 18 Monaten, das sind bei uns die Musikküken. Aber der allgemeine Trend bei allen Unterrichten geht dahin, dass die Eltern die Förderung gerne noch früher beginnen. Deshalb haben wir einen ganz frühen Kurs eingerichtet für Babys von sechs bis 18 Monaten, die heißen bei uns die Musikkäfer. Die Kurse werden sehr gut angenommen und sind meistens ausgebucht. Wir haben deshalb eine Nachrückerliste.

Wie darf man sich das Musizieren bei den Musikkäfern vorstellen?

Burbulla Es geht darum, die Wahrnehmung zu schulen. Wir machen Fingerspiele, Kniereiterspiele, nutzen Rasseln und orffsche Instrumente.

Wie reagieren Babys in dem Alter darauf?

Michael Krones Das ist verschieden und abhängig vom Entwicklungsprozess: Der eine ist aktiver, der andere schaut mehr, wobei auch beim Zuhören und Schauen ganz viel passiert.

Die Altersspanne unter Ihren Schülern ist ja groß. Sie unterrichten auch Erwachsene.

Burbulla Unsere älteste Schülerin ist 90 Jahre alt und spielt im Ensemble Rondo. In unseren Ensemble gibt es einige ältere Teilnehmer. Erwachsene Schüler haben wir etwa 50 bis 60. Denn wir sind vor allem eine Musikschule für Kinder und Jugendliche, das ist unser städtischer Auftrag.

Wie finden Kinder und Jugendliche denn zu ihrem Instrument?

Burbulla Es gibt oft eine gewisse Vorprägung, wenn zu Hause ein Klavier steht, oder die Oma oder der Opa auch schon das Instrument gespielt haben. Bei unseren Kursen wie dem Instrumentenkarussell oder bei den Schnuppertagen gehen Kinder oft ganz spontan auf die verschiedenen Instrumente zu und zeigen ganz früh eine Vorliebe.

Krones Da passiert es, dass die Eltern anregen wollen, auch andere Instrumente auszuprobieren, aber das Kind geht immer wieder zur Geige. Das hat sich dann in den Klang verliebt oder mag das Gefühl, das Instrument anzufassen. Dann passt es auch.

BURBULLA Weil viele Kinder zum Musizieren durch ihre Eltern kommen, finden wir es wichtig, auch mit nicht so bildungsaffinen Kindern zusammenzukommen. Das gelingt uns bei der Arbeit mit den Grundschulen im Projekt Singpause.
KRONES Eine Kollegin von uns hatte das Projekt in Düsseldorf kennengelernt und war ganz begeistert. Ich habe dann eine Fortbildung für die damit verbundene Ward-Methode gemacht. Damals konnten nur die Schulen im Ruhrgebiet an dem Projekt Jeki (Jedes Kind lernt ein Instrument) teilnehmen. Der Kulturausschuss sagte damals: Wir machen unser eigenes Ding und nahm die Singpause im Schulentwicklungsplan auf. Das war ein ganz wichtiger Schritt, denn Musik braucht Sicherheit. Wir sind bundesweit die einzige Stadt, die das Projekt selbst finanziert. Fünf Lehrkräfte von uns gehen mittlerweile für die Singpause in die Schulen.

Burbulla Daraus haben sich viele weitere Projekte entwickelt. Dadurch, dass wir zweimal in die Woche für 20 Minuten in die Klassen gehen, im Tandem mit einem Lehrer, sind wir im ständigen Austausch. Wir begleiten Theaterstücke, haben Auftritte beim Tag der offenen Tür und geben gemeinsam Konzerte.
KRONES Mittlerweile kennen wir alle Meerbuscher Kinder. Und die Singpause wirkt sich positiv auf die Geschwister aus. Wenn ich heute in eine Kita oder eine erste Klasse gehe, singen die Kinder ganz anders als früher, das ist bemerkenswert.

Bemerken Sie Trends bei der Wahl des Instruments?

Burbulla Klavier und Gitarre sind nach wie vor die Renner bei unserer stärksten Teilnehmergruppe zwischen zehn und 16 Jahren.

Ist in der Altersgruppe nicht auch der Bedarf groß, Pop- und Rockmusik zu machen?

Burbulla Wir haben Bands für verschiedene Musikstile und die Jugendlichen können selber Songs schreiben, in unserem Tonstudio arbeiten und ihre Musik aufnehmen. Zum ersten Mal haben wir dort eine Musikschul-CD aufgenommen als Andenken für Kinder und Familien.

Fachkräftemangel ist ein großes Thema, auch in der Musikschule?

Burbulla Ja, in der Tat. Auch in den Musikschulen wechselt die Baby-Boomer-Generation in den Ruhestand. Wir arbeiten nur mit professionell ausgebildeten Lehrkräften. Ein großer Teil des Lehrerkollegiums ist fest angestellt, das schafft Kontinuität. Zusätzlich gibt es freiberufliche Lehrkräfte. Neue qualifizierte Lehrkräfte zu finden wird allerdings schwieriger, da es nicht mehr genügend Studierende gibt, die das Fach Musikvermittlung und die Lehrtätigkeit an einer Musikschule anstreben. Gleichzeitig ist das Interesse von Eltern an außerschulischer musisch-kultureller Bildung in Meerbusch sehr groß. Wir brauchen deshalb dringend neue Lehrkräfte.

Unterrichten Sie selbst auch?

Burbulla Ja, ich spiele Querflöte und liebe es zu unterrichten. Für mich ist das ein wunderbarer Beruf, weil man sehr frei und kreativ arbeiten kann. Außerdem ist es einfach schön und macht großen Spaß, die Schülerinnen und Schüler ganz persönlich und intensiv oft über Jahre hinweg zu begleiten, wie es besonders im Einzel- oder Kleingruppenunterricht möglich ist. Junge musikbegeisterte Menschen möchte ich deshalb ermutigen, diesen beruflichen Weg einzuschlagen.