Amprion zeigt im Rat der Stadt Meerbusch Bilder vom Konverter

Aus dem Rat : Widerstand gegen Konverter in Osterath bröckelt

Im Rat am Dienstagabend stellten Vertreter des Netzbetreibers Amprion erste Bilder der geplanten Anlage mit ihren 18 Meter hohen Hallen vor. 

Die Mehrheit der Meerbuscher Politiker hat sich anscheinend mit dem Bau des Konverters in Osterath abgefunden. Diesen Eindruck bekam, wer am Dienstagabend in der Ratssitzung war. Dort stellten Vertreter des Netzbetreibers Amprion erstmals konkrete Baupläne für die Anlage vor. Auch drei Leitungsmasten mit einer Höhe von 60 Metern sind demnach geplant. „Das Industriemonster kommt wohl in einen Bereich, der bisher der Freizeit diente“, sagte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage.

Foto: Amprion

Die Stadt Meerbusch wolle zwar „weiterhin alle juristischen Mittel ausschöpfen, um den Konverter an diesem Standort zu verhindern“, und die Bürgermeisterin betonte extra: „Am Geld wird es sicherlich nicht scheitern.“ Die Chancen stehen aber wohl nicht so gut, denn die Ratsmitglieder diskutierten bereits im Detail mögliche Folgen des Konverter-Baus auf einer Fläche zwischen Ingerweg, Am Greit, Siep und Alte Landwehr. Hintergrund: Für den Fall einer Genehmigung durch den Rhein-Kreis Neuss will die Stadt mit Amprion im Gespräch bleiben und sich bestmögliche Einflussmöglichkeiten und Vorteile sichern. Hinzu kommt, dass die Juristen von Amprion davon ausgehen, dass die Klagen keinen Erfolg haben werden und der Konverter im vereinfachten Verfahren genehmigt wird.

Etwa 30 Bürger wollten sich im Foyer des Meerbusch-Gymnasiums über den geplanten Konverter-Bau informieren. Foto: ena

Auch das Interesse der Bürger war in der Vergangenheit schon deutlich größer. Diesmal kamen nur etwa 30 Anwohner – ohne Plakate und ohne lautstarke Proteste –, um sich im Foyer des Meerbusch-Gymnasiums die ersten computeranimierten Bilder des Konverters anzuschauen und ihre Fragen zu stellen. Während einige Zuschauer wissen wollten, welche Chancen eine Klage hätte – egal ob von Privatpersonen, Umweltverbänden oder von der Stadt selbst – sprachen andere die Themen Strahlenbelastung, Lärm und Baustellenverkehr an. Gefragt wurde auch, welche finanziellen Vorteile die Stadt Meerbusch durch den Konverter hätte. Antwort: Laut Amprion würde die Stadt Meerbusch 500.000 Euro jährliche Gewerbesteuer erhalten. Es meldete sich auch ein Bürger zu Wort, der nach eigenen Worten zu den „Protestlern der ersten Stunde“ gehört. Er erzählte: „Viele Osterather haben die Schnauze voll und sagen: Jetzt hört doch auf, das Ding zu boykottieren und baut es endlich! Es kommt sowieso nichts Neues mehr dabei herum. Osterath hat mittlerweile andere Probleme.“

Probleme hat auch der Netzbetreiber Amprion, wie deren Vertreter Oliver Cronau und Thorsten Mikschaitis in ihrem Vortrag erneut deutlich machten: Dem Unternehmen rennt die Zeit davon. Im nächsten Jahr muss die Genehmigung für den Konverter-Bau vorliegen, damit Ultranet wie geplant im Jahr 2023 ans Netz gehen kann. Der Kreis als Genehmigungsbehörde hat nun zwar die Unterlagen geprüft, aber dabei festgestellt, dass noch Papiere fehlen. „Die neue Frist läuft bis zum 31. Dezember, aber wir denken, dass wir im November durch sind“, so Cronau. „Und wir sind auch optimistisch, dass wir trotz der Klagen erfolgreich sein werden.“

Am meisten Sorge bereitet den Politikern die enorme Größe des Gebäudes (18 Meter hoch), das in dieser Form in Deutschland noch nie gebaut wurde. „Wir versuchen, die Hallen so gut es geht in alle Richtungen mit dicht gepflanzten Bäumen und Sträuchern zu verstecken“, versprach technischer Projektleiter Thorsten Mikschaitis. Der Ingerweg solle sogar eine Art „Alleecharakter“ bekommen, die Pflanzen würden bereits zu Beginn der Bauarbeiten gesetzt, damit sie groß genug sind, wenn der Konverter steht. Für Spaziergänger, die nicht am Konverter vorbeigehen wollen, würden neue Wege geschaffen. „Natürlich bleiben alle bestehenden Wege weiterhin frei zugänglich.“ Die Bürgermeisterin kündigte bereits an, dass die Stadt einen eigenen Landschaftsarchitekten mit einbeziehen wird. Und aus dem Rat hieß es: „Sparen Sie bitte nicht an Bäumen!“

Auch der Verkehr während der dreijährigen Bauzeit war Thema der Diskussion. So sollen die Baufahrzeuge – im ersten Jahr etwa 50 bis 100 Lastwagen täglich, danach etwa zehn bis 20 pro Tag – über die Wirtschaftswege kommen „Wir müssen noch prüfen, ob die den Schwerlastverkehr aushalten und werden die Wege am Ende natürlich wieder herstellen“, versprach Mikschaitis. Die 13 großen Transformator-Einheiten sollen über das Gleis angeliefert werden. „Das ist als einmalige Lieferung geplant.“ Auf mögliche Emissionen angesprochen sagte der Fachmann, dass alle Grenzwerte eingehalten und sogar unterschritten würden. Und zum Thema Sicherheit: Die Anlage wird durch eine Standard-Objektschutzanlage mit Infrarotkameras geschützt. „Anschläge kann man nicht verhindern.“

Amprion ist auch Besitzer der Dreiecksfläche in Kaarst, die lange als Top-Standort galt, letztlich aber wegen ihrer Kiesausweisung wegfiel. „Wir werden ganz klar keinen Schwenk mehr Richtung Dreiecksfläche machen“, so Cronau. Er kündigte an, dass Amprion die 24-Hektar-Fläche wieder verkaufen will, wenn der Konverter steht. „Denn es ist nicht unser Ziel, Kies abzubauen.“

Nach dem ausführlichen Vortrag der Amprion-Vertreter bedankte sich die Bürgermeisterin mit den Worten: „Wir werden weiter im Gespräch bleiben.“