Meerbusch: Amprion: "Wir müssen uns entschuldigen"

Meerbusch: Amprion: "Wir müssen uns entschuldigen"

Wie beurteilt Ihr Unternehmen den Zeitraum von 97 Tagen für die Beantwortung der Fragen der Stadt Meerbusch zum geplanten Konverter?

Wie beurteilt Ihr Unternehmen den Zeitraum von 97 Tagen für die Beantwortung der Fragen der Stadt Meerbusch zum geplanten Konverter?

Rappl Da muss man ganz klar sagen: Das ist von Seiten Amprions schiefgelaufen und nicht akzeptabel. Wir hätten die Fragen viel zügiger beantworten sollen und müssen uns dafür entschuldigen, wie das gelaufen ist. Aufrichtig und ohne Einschränkung.

Amprion hat sich bereits auf den Standort Osterath für den geplanten Konverter festgelegt und andere Möglichkeiten ausgeschlossen –dabei existiert noch nicht einmal der Entwurf des Gesetzes, auf dessen Grundlage der Konverter errichtet werden könnte.

Rappl Der Zeitplan der Energiewende ist extrem ambitioniert. 2017 soll die Anlage in den Probebetrieb gehen, wenn sie denn beschlossen wird. Deswegen sind wir derzeit dabei, uns einen etwas genaueren Eindruck zu verschaffen. Die geplante Stromautobahn funktioniert mit Gleichstrom, daher brauchen wir im Gebiet zwischen Krefeld und Köln einen Konverter, der den Wechselstrom umwandelt. Dabei gibt es technische und netzplanerische Rahmenbedingungen für den Standort, die erfüllt werden müssen, um den Konverter und das Netz sicher betreiben zu können. Von den untersuchten Standorten erfüllt Osterath alle Voraussetzungen. Es ist der nach derzeitigem Stand technisch und netzplanerisch sinnvollste Standort.

Warum genau?

Rappl Weil wir vor Ort schon eine bestehende industrielle Großanlage haben, die beispielsweise ausreichend in unser bestehendes Netz eingebunden ist. Sie bietet zudem genügend Kapazitäten für weitere Stromeinspeisung durch den Konverter. Das sind einige Gründe. Aber um es ganz klar zu sagen: Wenn das Projekt nicht im Bundesbedarsplan auftaucht, sind alle diese Planungen hinfällig und verschwinden im Mülleimer. Wir schaffen bis dahin keine Fakten!

Das ist wohl eher unrealistisch, weil das Atomkraftwerk Philippsburg 2019 abgeschaltet wird. Wo würde Amprion denn den Konverter in Osterath ganz genau errichten wollen – vis-à-vis des Umspannwerks?

Rappl Das wollen wir dann zusammen mit den Betroffenen diskutieren. Wir haben ein recht großes mögliches Areal ausgemacht, das reicht von der Wohnbebauung bis runter zur Kiesgrube – und auch weit bis nach Westen.

Das Gelände nahe der Kiesgrube ist Wasserschutzgebiet. Könnten Sie dort überhaupt den Konverter errichten?

Rappl Das ist vom Genehmigungsverfahren her aufwändiger, aber technisch ist es möglich.

Es kursiert das Gerücht, Sie führten Verkaufsverhandlungen über eine Fläche von 300 000 Quadratmetern.

Rappl Ich möchte eines ganz klar stellen: Wir tun nichts, was eine irgendwie präjudizierende Wirkung hätte. Ja, wir haben ein erstes Sondierungsgespräch mit einem Eigentümer geführt. Und nein, es waren keine Kaufverhandlungen. Ein Kaufvertrag würde Fakten schaffen. Das machen wir nicht.

Noch einmal zur Größe: Im Raum stehen 300 000 Quadratmeter. Trifft das zu?

Rappl Der Konverter benötigt mit allen Anlagen eine Grundfläche von 100 000 Quadratmetern. So groß muss das Gelände sein, das wir kaufen wollen. 20 000 Quadratmeter benötigen wir insgesamt für Hallen und andere Gebäude. Der Rest sieht aus wie die bestehende Umspannanlage und ist weitgehend begrünt. Da stehen Transformatoren, Leitungen, gesichert durch einen ganz normalen Zaun, ohne Flutlicht. Über die 100 000 Quadratmeter hinausgehend haben wir kein Interesse, weiteres Land zu erwerben.

Wird es bei einem einzigen Konverter bleiben?

Rappl Im derzeitigen Entwurf des Netzentwicklungsplans st kein weiterer Konverter in Osterath vorgesehen. Zu dieser Frage gibt es bei uns deshalb definitiv keinerlei Planungen und deshalb auch keinen Doppelkonverter.

Können Sie ausschließen, dass Osterath künftig auch für Stromautobahnen aus den Niederlanden genutzt wird?

Rappl Im Netzentwicklungsplan und auch in dessen Fortschreibung bis 2032 gibt es keine HGÜ-Leitung aus den Niederlanden nach Deutschland. Alles darüber hinausgehende wäre Glaskugelleserei.

Die Anwohner sorgen sich vor Öldämpfen aus der Konverterstation.

Rappl Öldämpfe entstehen weder im Konverter noch in sonstigen Anlagen.

Wann will Amprion die Meerbuscher Bürger eigentlich mal direkt informieren? Erst, wenn der Bundesbedarfsplan bereits beschlossenes Gesetz ist?

Rappl Wir haben unsere Planungen gestern in einer öffentlichen Ratssitzung vorgestellt und sind gerne bereit, weitere Fragen zu beantworten. Über den weiteren Prozess wollen wir transparent informieren.

Wird es eine Infoveranstaltung von Amprion in Meerbusch noch vor der Abstimmung im Bundestag über den Netzausbauplan geben?

Rappl Falls die Meerbuscher Bevölkerung dies wünscht, sind wir gern bereit, unsere Planung nochmals vorzustellen.

Noch mal zu Ihrer Planung. Die Rede war immer davon, dass die Halle 20 Meter hoch wird...

Rappl Das ist die Maximalhöhe. Wir wollen ungern einen Wert nennen und uns nachher nach oben korrigieren müssen. Es kann sein, dass die Halle auch weniger hoch als 20 Meter wird. Das Informationsbedürfnis der Menschen vor Ort können wir nachvollziehen. Die Menschen fragen völlig zu recht: Was ist das, wie sieht das konkret aus? Diese Informationen wollen wir den Menschen in Meerbusch transparent geben.

Das ist bisher anders angekommen.

Rappl Wir können natürlich immer nur das sagen, was wir zum jetzigen Planungsstand schon wissen. Das haben wir beispielsweise jetzt in der Ratssitzung öffentlich getan. Ganz wichtig ist uns, dass wir hier im Idealfall nichts gegen die Bevölkerung machen, sondern mit ihr. Deshalb wollen wir wenn das Projekt startet sollte, im Dialog mit allen Teilen der Bürgergesellschaft vor Ort gemeinsam Gestaltungsspielräume ausloten und zu Ergebnissen kommen, die akzeptabel sind. So gehen wir eben gerade nicht von einem festem Standort des Konverters aus, sondern sagen ganz bewusst: "Wir haben einen größeren Raum, den Konverter zu errichten." Natürlich wird es für die Betroffenen vor Ort einen Standort der Konverterhalle geben, den diese eher akzeptieren können als wenn man ihnen das 200 Meter vor die Terrasse setzen würde.

Sie haben im Stadtrat erklärt, es soll einen Architektenwettbewerb für die Gestaltung der Konverterhalle geben – wenn sie denn kommt.

Rappl Durch die Optik und Gestaltung der Halle können wir den störenden Charakter eines so großen Gebäudes abmildern. Das kann etwa im Rahmen eines Architekturwettbewerbes geschehen. Auch durch Bepflanzung und Modellierung der Landschaft. Die landschaftsgärtnerische Gestaltung soll Thema des Dialogprozesses sein. Es gibt natürlich technische Rahmenbedingungen, was Höhe und Breite der Halle angeht. Aber ob die Anwohner lieber Eichen oder Pappeln davor sehen wollen, das wollen wir mit ihnen gemeinsam entscheiden.

Martin Röse führte das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Treffen der "Initiative gegen den Doppelkonverter

(RP/ila)
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