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Meerbusch: Amprion-Kritiker: Kaarst nur Ablenkungsmanöver

Meerbusch : Amprion-Kritiker: Kaarst nur Ablenkungsmanöver

Die für den Stromkonverterbau favorisierte "Dreiecksfläche" im Kaarster Norden ist von Wasser umgeben. Ein technisches Problem?

Ein Blick auf den Kaarster Norden bei Google Maps reicht aus, um zu erkennen: Alles ist blau. Der vom Stromnetzbetreiber Amprion favorisierte Standortbereich für den Bau eines Stromkonverters - die so genannte "Dreiecksfläche" auf Kaarster Stadtgebiet an der Grenze zu Meerbusch, zwischen A57, Bahnlinie und der L 30 - ist umgeben von Wasser. Seit rund 80 Jahren wird dort Erde ausgebaggert.

Der Eigentümer des Grundstücks und Amprion-Kritiker Heinrich Müllers aus Kaarst hält die Pläne des Stromnetzbetreibers für ein Ablenkungsmanöver. "Schließlich muss der Strom über Masten zur Dreiecksfläche hin- und wieder weggeführt werden", sagt er. "Wie soll das gehen, wenn ringsum nur Wasser ist?"

Rein technisch gesehen, betonte gestern ein Amprion-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung, sei die Inanspruchnahme der "Dreiecksfläche" kein unüberwindbares Problem. Aus nord-westlicher Richtung könne eine Stichleitung zwischen zwei Seen hindurchgeführt werden. Dort bestehe ein schmaler, trockener Korridor. Bis November will der Netzbetreiber eine Entscheidung treffen. Auch die "Initiative gegen den Doppel-Konverter Osterath" kann sich keine Gründe vorstellen, warum eine Stichleitung technisch nicht machbar sein sollte, "zumal die Stromtrasse auch im weiteren Verlauf bis nach Philippsburg über den Rhein und Autobahnen geführt wird", sagt die Sprecherin der Initiative, Kirsten Danes.

Sorge bereitet ihr indes die Umwidmung der Fläche. "Von allen von Amprion bereits geprüften und zurzeit favorisierten Standorten scheint die Dreiecksfläche die bestgeeignete zu sein, was den Abstand zur Wohnbebauung angeht", sagt sie. Aber: Im aktuell gültigen Regionalplan ist die Fläche für Kiesabbau vorgesehen; der entsprechende Antrag wurde vom Kaarster Kiesunternehmen "Cemex Kies & Splitt" schon vor vielen Monaten gestellt. Der Vorsitzende des Regionalrats, Hans-Jürgen Petrauschke (CDU), nannte das Vorhaben, die Fläche umzuwidmen, deshalb "sehr ambitioniert". Allerdings: In einer Anlage zum Regionalplan sind entsprechende Reserveflächen für Kiesabbau bereits konkret benannt.

Problematischer dürfte eher der eng gesteckte Zeitrahmen sein: Spätestens 2017 soll das Atomkraftwerk Philippsburg vom Netz gehen, bis dahin muss die Gleichstromleitung nach Baden-Württemberg stehen - und auch der Konverter, der den Strom aus konventionellen Kraftwerken in Gleichstrom wandelt. Im November will Amprion deshalb den bestgeeigneten Standort benennen - und auch deutlich machen, welche Alternativen in Frage kommen. "Sollte der Standort auf der Dreiecksfläche nicht möglich sein, so ist zu befürchten, dass der Konverter an einem der anderen Standorte gebaut wird", sagt Danes. "Osterath, Kaarst-Bauernbahn, Gohr und auch Rommerskirchen bleiben dann immer noch Favoriten." Zwar hat Amprion die Kriterien bereits bekannt gegeben, die bei der Standortsuche eine Rolle spielen, nicht aber deren Gewichtung. Danes: "Ein transparentes Verfahren sieht anders aus."

(RP)