Meerbusch: Amprion erneut in der Kritik

Meerbusch: Amprion erneut in der Kritik

Die "Initiative gegen den Doppel-Konverter Osterath" wirft Amprion bei der Suche nach einem Konverterstandort Intransparenz und Verzögerung vor — und hat die Konzerngeschäftsführung um ein Gespräch gebeten.

Das Vorgehen des Netzbetreibers Amprion bei der Suche nach einem geeigneten Standort für den größten Stromkonverter Europas sorgt bei der "Initiative gegen den Doppelkonverter Osterath" für Unverständnis. "Die Begriffe Offenheit und Transparenz, die Amprion zugesagt hat, erscheinen jetzt in einem neuen Licht", sagt Norma Köser-Voitz, Sprecherin der Initiative.

Vor gut einem Jahr hatte der Bundestag beschlossen, dass der Stromkonverter ans Umspannwerk Osterath angeschlossen werden muss. Der Konverter muss nicht in Osterath gebaut werden, er kann auch mit einer Stichleitung ans Umspannwerk angebunden werden. Im Interview mit unserer Zeitung hatte Amprion bestätigt, dass die gemeinsam mit den Städten und Gemeinden der Region erarbeiteten Abwägungskriterien erst gewichtet werden sollen, wenn mögliche Standortbereiche feststehen. "Damit hält Amprion sich alles offen. Alles ist möglich und denkbar", kritisiert Kirsten Danes von der Initiative.

Auch die Bundesnetzagentur hatte Amprion aufgefordert, die Gewichtung der Kriterien vor Beginn der Suche festzulegen. Dem war Amprion nicht gefolgt. "Der Punkt ist, dass der Übertragungsnetzbetreiber die Kommunen auf freiwilliger Basis eingebunden hat", erklärt Armari Soetarto, Sprecherin der Aufsichtsbehörde. "Es steht dem Unternehmen frei, ob sie unsere Anregung aufnehmen." Die Bundesnetzagentur habe keine Rechtsgrundlage, Amprion in diesem Verfahrensstadium dazu zu zwingen, die Gewichtung der Kriterien festzulegen. "Sobald die Bundesfachplanung anläuft, werden wir das aber prüfen.

Zwei weitere Punkte bei Amprions Vorgehen kritisiert die Initiative: "Uns hat überrascht, dass Amprion nun plant, im Sommer nur großräumige Standortflächen zu benennen. Hierdurch verlängert sich das gesamte Prozedere wahrscheinlich um 18 Monate, da erst im Planfeststellungsverfahren der konkrete Standort festgezurrt werden soll", sagt Danes.

"Nicht nachvollziehbar" nennt sie, dass Amprion einen "freiwilligen" Mindestabstand des Konverters zur Wohnbebauung von 200 Metern in die Diskussion gebracht hat. Die Städte und Gemeinden im Suchraum hatten sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Amprion bei der Standortsuche die Zahl der betroffenen Menschen berücksichtigen soll. Das lehnt Amprion ab. Argument: "Damit unterstellt man ja, dass wenige Menschen im Umfeld einer solchen Anlage weniger wichtig sind als viele." Norma Köser-Voitz: "Wir haben uns deshalb nun direkt an die Geschäftsführung von Amprion gewandt und um einen Gesprächstermin gebeten.

(RP)
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