Meerbusch: Amprion droht ein "heißer Herbst"

Meerbusch: Amprion droht ein "heißer Herbst"

Der Widerstand gegen den geplanten Großkonverter in Osterath eint Parteien und Anwohner.

Stromnetzbetreiber Amprion soll im Herbst und Winter praktisch täglich mit dem Meerbuscher Widerstand gegen den geplanten Osterather Großkonverter konfrontiert werden. Das ist das Ziel der Konverter-Gegner, die dabei gerne das Bild des "kleinen gallischen Dorfs" ins Gedächtnis rufen. Letzteres geht in den beliebten Asterix-Comics den mächtigen Römern bekanntlich ständig auf die Nerven – und bleibt am Ende siegreich.

Nachdem sich die Meerbuscher Parteien am 25. Oktober im Rat einstimmig gegen das 390-Millionen-Euro-Projekt ausgesprochen hatten (RP berichtete im Liveticker), war es zunächst ruhiger geworden. Doch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen eines "heißen Herbstes für Amprion" auf Hochtouren. Bei einem Treffen des Meerbuscher BUND gaben Vertreter der Bürgerinitiative und Grünen-Geschäftsführer Joachim Quass jetzt einen Einblick, was alles in der Diskussion ist.

Die Ideen reichen von klassischen Demonstrationen, Diskussionen, Lichterketten rund um den Acker, Facebook-Aktionen und Auftritten im Lokalfernsehen bis zum Aufruf, massenhaft den Stromanbieter zu wechseln.

Die Grünen denken über eine größere Veranstaltung mit den örtlichen Bundestagsabgeordneten aller Parteien nach. "Jetzt sind kreative Ideen gefragt", sagte Quass. Die Konverter-Gegner wollen naturgemäß nicht alle Pläne zuvor öffentlich machen. Einige Aktionen sollen den Netzbetreiber mit Sitz in Dortmund schließlich auch überraschen. Klar ist, dass sie es auf eine langfristige Strategie anlegen, die Amprion immer wieder den öffentlichen Protest der Meerbuscher spüren lassen soll.

Das soll auf mehreren Ebenen passieren: Die Bürgerinitiative hat eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet, die nun auch von der Stadt beauftragt wird. Der Rat hatte Bürgermeister Dieter Spindler dazu ermächtigt. Im Internet agiert eine inzwischen 2300 Mitglieder starke Facebook-Gruppe gegen den Konverter. Sie könnte Aufrufe zu Aktionen einem riesigen Publikum bekannt machen.

Die Facebook-Gruppe ist dabei nicht identisch mit der Bürgerinitiative. Bei der Bundesnetzagentur sind bis zum Ende der Einspruchsfrist (2. November) offenbar mehrere hundert Meerbuscher Einwendungen gegen den Konverter eingegangen. Die genaue Zahl wird noch bekannt gegeben. Daneben wollen Mitglieder der Bürgerinitiative wohl auch den Petionsausschuss des Bundestages einschalten.

Im Hintergrund sind die Meerbuscher Parteien in stetem Kontakt mit ihren Abgeordneten in Landesparlament und Bundestag. Die Landtagsabgeordneten Lutz Lienenkämper (CDU) und Oliver Keymis (Grüne) haben sich bereits vor Ort informiert. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling hat Amprion für sein Vorgehen scharf kritisiert.

Die Kritik der Konverter-Gegner richtet sich gegen die Nähe der geplanten 100 x 200 Meter großen Halle zu den Wohngebieten im Osterather Süden. Die Anlage wäre etwa 350 Meter von den Häusern entfernt. "Andere Konverterstandorte liegen im Industriegebiet. Ein Standort neben einem Wohngebiet widerspricht dem Trennungsgrundsatz im Planungsrecht", so Joachim Quass. Die Meerbuscher hoffen auf einen alternativen Standort, zum Beispiel am Kraftwerk Frimmersdorf. Amprion hatte fünf Standorte auf ihre Eignung getestet.

Neben Osterath, das alle Punkte einer Amprion-Checkliste erfüllt, war auch Rommerskirchen in die engere Wahl gekommen. Doch dort fehlen nach Angaben von Amprion Reserveflächen für Erweiterungen. Diese Argumentation überrascht die Meerbuscher, denn in der Ratssitzung hatten Amprion-Vertreter versichert, der geplante Konverter solle auch langfristig nicht erweitert werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Treffen der "Initiative gegen den Doppelkonverter

(RP/rl/top)