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Am Donnerstag hat für Schüler der Abschlussklassen der Unterricht begonnen.

Schulstart in Meerbusch : Abiturienten kehren ans Mataré-Gymnasium zurück

Am Donnerstagmorgen füllte sich der Schulhof des Büdericher Mataré-Gymnasiums nur allmählich. Ganz wohl war es den Schülern der Abiturklassen bei ihrer Rückkehr an die Schule nicht. Große Kritik üben sie an der Politik.

Noch ist der Schulhof des Mataré-Gymnasiums verlassen. Einzig Oberstufenleiter Tobias Schliebitz und Schulleiter Christian Gutjahr-Dölls stehen bereit, um die Schüler der Abiturklassen, die an diesem Morgen freiwillig kommen, zu empfangen und in die neuen Regeln einzuweisen: Die Schultüren sind nach Ein- und Ausgängen getrennt und bleiben geöffnet. Im Haus gibt es festgelegte Laufwege. Kontakte zu Lehrern und Mitschülern sollen gering gehalten werden. Mindestabstand und Hygiene verstehen sich von selbst.

Langsam kommen immer mehr Schüler auf den Schulhof. Statt in Grüppchen zusammenzustehen, bilden sie einen großen Kreis mit viel Abstand. Mundschutz tragen nur einige, der ist in der Schule aber auch nicht Pflicht. „Das Ganze wirkt ein bisschen wie in einem Film. So eine Extremsituation haben wir noch nie erlebt“, fasst Abiturient Ben die Atmosphäre zusammen. Dem ersten Schultag nach der Corona-Pause stehen die Schüler mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Einerseits hilft es uns. Andererseits habe ich Bedenken. Es ist doch kein gutes Signal, wenn ganz Deutschland zuhause bleiben soll, und wir sollen zur Schule gehen. Prüfungen stehen bei der Regierung anscheinend über der Gesundheit“, sagt Ben. Auch Victor kritisiert die Politik. „Schulministerin Gebauer hat gesagt, dass alle Schüler durch die Öffnung die gleichen Chancen haben sollen. Das funktioniert aber nicht. Bei uns gibt es Mitschüler, die können nicht zur Schule kommen, weil sie Risikopatienten in der Familie haben, die sie nicht anstecken möchten. Die sind benachteiligt. Mir wäre ein Abitur aus den Durchschnittsnoten lieber gewesen“, sagt er.

Schulleiter Gutjahr-Dölls bestätigt, dass viele Schüler zu Hause bleiben. „Rund 50 Prozent haben sich angemeldet, heute kommt nur ein Drittel der Q2.“ Welche Gründe die Schüler genau haben, wisse er nicht. Aber ein wenig überrascht über die geringe Resonanz sei er schon. „Ich würde die Chance nutzen“, meint er. Der Schulleiter sagt aber auch, dass einige Kollegen lieber den Online-Unterricht weiterführen und so nicht alle Kurse am Mataré stattfinden.

Ben und Victor wollten es sich nicht nehmen lassen, zu kommen. Sie möchten nicht benachteiligt sein und hätten auch ein schlechtes Gewissen, wenn sie zu Hause blieben. Einige Lehrer hätten das Homeschooling aber auch nicht gut gemeistert. „Da gab es bei Fragen noch nicht mal eine Rückmeldung“, erzählt Ben. „Ich brauche nochmal eine Motivationsauffrischung“, sagt Victor. Die Zeit bis zu den Prüfungen sei jetzt einfach zu lang gewesen. Beide hoffen, sich nicht in der Schule anzustecken. „Man weiß ja nie, wo die anderen waren oder ob sie sich an die Regeln gehalten haben“, meint Victor. Zum Schutz anderer tragen beide Masken.

Vertrauen darauf, dass das Gymnasium die Verhaltensregeln durchsetzen kann, haben beide nicht. „Das ist alles zu schwammig formuliert“, findet Victor. Gutjahr-Dölls ist noch zuversichtlich: „Mit so wenigen Schülern bekommen wir das gut hin. Mir ist aber noch nicht klar, was am 4. Mai passiert, wenn der Kreis der Schüler wächst. Schon jetzt hatten wir einen großen Aufwand mit den Vorbereitungen.“