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Ostern: 2014 Neues Leben: Alte Weinschenke: Hoffen auf eine neue Chance nach Jahren des Leerstands

Ostern: 2014 Neues Leben : Alte Weinschenke: Hoffen auf eine neue Chance nach Jahren des Leerstands

Die Erben möchten, dass der Streit um die Größe von Gaststätte und Wohnungen bald beigelegt werden kann

Es gibt kein Haus in Lank, das eine größere Geschichte hat, als die Alte Weinschenke. 1845 wurde sie von den Eheleuten Elisabeth und Ferdinand-Josef van Dawen gegründet. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Lokal weit über die Grenzen des Rheinlandes hinaus bekannt. In historischen Quellen tauchen Berichte auf, dass an einem Abend bereits gegen 23 Uhr schon 700 Flaschen Wein getrunken wurden und man große Mühe hatte, für Nachschub zu sorgen.

Der Wein wurde im Keller in traditioneller Handarbeit gereift, abgefüllt, verkorkt, versiegelt und etikettiert. Legendär war das Spargelessen, das jedes Jahr im Frühjahr stattfand. Vor der Tür standen so viele Limousinen, dass ein Parkwächter eingesetzt werden musste. Sogar der spätere Bundespräsident Theodor Heuss wusste um den guten Ruf des Hauses und stattete der Weinschenke einen Besuch ab. Besonderheit des Hauses waren die vielen Säle, die für verschiedene Festivitäten angeboten wurden. Es gab den weißen, grünen und roten Saal, und eine verschwiegene, gemütliche etwas abseits gelegene Gartenterrasse, in der die Bedienung nur auf Klingelzeichen erschien.

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"Die Gaststätte ist bedeutend für Städte und Siedlungen, weil mitten im Ort gelegen - einschließlich aller Säle Zeugnis ablegt über das Freizeitverhalten der dörflichen Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert". Das Zitat stammt aus der Begründung für die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes. Weiter heißt es: "Hier wurde gefeiert, Wein getrunken und gegessen und das schöne Wetter mit einem Blick über die Gärten, Felder und Wiesen genossen, auf denen man sonst arbeiten musste."

Kleiner, aber feiner Unterschied: Statt Gärten, Feldern und Wiesen stehen dort längst Wohnhäuser. Die Anwohner möchten größtenteils ihre Ruhe haben, sind nicht unbedingt geneigt, den Lärm großer Gesellschaften zu ertragen. "Es gab schon Ärger mit den Nachbarn, obwohl nur zwei bis vier Veranstaltungen in den verbliebenen Sälen stattfanden", sagt Bärbel van Dawen.

Gemeinsam mit ihrer Cousine Marlene Dehina ist sie Sprecherin der rund zehnköpfigen Erbengemeinschaft, die seit mehreren Jahren versucht, den Gebäudekomplex zu verkaufen. Die Gebrüder van Dawen hatten keine direkten Nachfahren, so dass die Schwestern die Weinschenke erbten. Nun haben sich die Erben erstmals mit einem offenen Brief an die Presse gewandt und schildern die Ereignisse aus ihrer Sicht. Bis März 2012 war die Gaststätte an Drago Babic verpachtet. "Wir sind eine weit verzweigte Erbengemeinschaft und niemand von uns hätte gewährleisten können, die nötigen Sanierungen vorzunehmen oder zu finanzieren", schreiben die beiden Cousinen.

"Da eine Sanierung aber dringend geboten schien, haben wir uns zum Verkauf entschlossen", heißt es weiter. In der Tat wurde das Gebäude im Internet angeboten. Es war die Rede von einem Verkehrswert von 890 000 Euro und einem Objekt, in das man mindestens noch mal die gleiche Summe investieren muss. Wenig später fand sich mit dem Mönchengladbacher Bauunternehmer Peter Schotes ein Investor, der bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen. Das rechnet sich aber nur, wenn dort auch Wohnungen entstehen, die er verkaufen oder vermieten kann. In den Ausschüssen der Stadt entbrannte daraufhin eine Debatte um die zukünftige Nutzung. Denn denn Politiker war der Anteil einer neuen Gaststätte am Gesamtgebäude im Verhältnis zu der Fläche der Wohnungen zu gering. Die Erben argumentieren jetzt so: Die Anforderungen an Veranstaltungssäle haben sich verändert, für Kongresse oder Tagungen und ebenso Feste wird eine entsprechende technische Ausstattung erwartet. Die Räume verfügen nicht über eine Lüftungsanlage, die Fenster sind nicht ausreichend gedämmt - bei größeren Veranstaltungen würde es wieder zu Konflikten mit den Nachbarn kommen. Investor Schotes würde deshalb gerne die Säle zu Wohnungen umbauen und die Gastronomie verkleinern. "Nach Jahren des Leerstandes ist es höchste Zeit, dem Gebäudekomplex Weinschenke van Dawen im Herzen von Lank eine neue Chance zu geben", appellieren Bärbel van Dawen und Marlene Dehina.

Doch nun scheint doch noch Bewegung in die Sache zu kommen. In der nächsten Sitzung des Bauausschusses am 6. Mai schlägt die Stadt vor, die Genehmigung für den Bau von Wohnungen und einer Gaststätte zu erteilen. Dabei wird auf den Weißen Saal als Gastraum verzichtet. So stünden rund 595 Quadratmeter für Wohnungen und 316 Quadratmeter für Gastronomie zur Verfügung. Der Gastraum soll nach neuen Plänen des Investors um das erste Obergeschoss erweitert werden. Der rund 100 Quadratmeter große Bereich dient dann als Veranstaltungsfläche. Am Ende: Neues Leben für die Alte Weinschenke?

(RP)