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Meerbusch: Alte Rezeptbücher gesucht

Meerbusch : Alte Rezeptbücher gesucht

Die Osterather Künstlerin Barbara Baumeister sucht alte Rezeptbücher, um sie zu Kunstwerken zu verarbeiten. Diese möchte sie in Meerbusch ausstellen. Solche "Kunstrezepte" hat sie bereits in Kevelaer gezeigt.

Am Anfang stand das in grünes Leinen gebundene Kochbuch der Urgroßmutter im DIN-A-5-Format. "Das habe ich vor etwa sechs Jahren in Österreich im Haus der alten Dame gefunden", berichtet die Ostherater Künstlerin Barbara Baumeister (56). Sie war ganz begeistert von der gestochen scharfen Handschrift: Sütterlin, fein säuberlich geschrieben mit schwarzer Tinte. "Ich habe gleich ein Sieb davon anfertigen lassen, damit ich die Rezepte beliebig oft drucken kann", beschreibt Baumeister das Heranreifen der künstlerischen Idee.

"Ich verbinde gern alte Wurzeln mit zeitgenössischen Techniken und auch gern Fläche mit Text", so die Künstlerin. Als sie dann die Ausschreibung des Niederrheinischen Museums für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer gelesen hat, nahmen die Ideen weiter Gestalt an. Sie entwickelte neue Kollagen unterschiedlicher Technik, kombinierte Farben mit Rezepten. Der Grießbrei etwa ruft gleich die sinnliche Assoziation eines echten Breis hervor, wie sie die leicht gelbliche Färbung des Bildes transportiert. Rote Tupfer lassen Raum, an Kirschen, Erd- oder Johannisbeeren zu denken. "Lecker, diese Kunst", denkt der Betrachter.

Himmel und Erd

Dem Konzept des Kevelaerer Museums kam dies entgegen. "Die Erwartung war, dass auch Kinder in der Abteilung Museumspädagogik mit diesen Arbeiten etwas anfangen können. Und Rezepte sind handfest und nicht zu abstrakt", so Baumeister. Sechs Bilder hat sie zu diesem Thema ausgestellt. "Eins habe ich nach München verkauft", sagt die Künstlerin. "Himmel und Erd" ein klassisch-rheinisches Rezept scheint auch in der Alpenrepublik Fans zu haben.

Jetzt sucht Barbara Baumeister Rezeptbücher aus Meerbusch und Region, um mit diesem Konzept eine neue Ausstellung zu organisieren – "etwa in der Teloy-Mühle oder auch in einem großen Restaurant", so die Künstlerin. "Ich gebe die Rezeptbücher garantiert unbeschädigt zurück", sagt die 56-Jährige, die mit Kopien der Originale arbeitet. Sie hofft auf einen Glücksfall, wie er ihr in Kevelaer begegnet ist. "Dort habe ich per Zufall etwas über die Köchin von Schloss Wissen erfahren." Zwei Kladden mit Speisefolgen für herrschaftliche Diner hat sie so bekommen und zu eienr Installation verarbeitet, die jetzt in der eigenen Küche hängt. "Das ist schon toll. Da stehen Rezepte und Folgen für bis zu 120 Personen drin." Jetzt hofft sie auf Zuspruch der Meerbuscher. "Ich hole die Bücher auch ab", sagt sie.

(RP)