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Meerbusch: Alte Kirchengrundrisse — in Lank jetzt erlebbar

Meerbusch : Alte Kirchengrundrisse — in Lank jetzt erlebbar

Das größte Projekt des Heimatkreises Lank ist vollendet: Er hat die Vorgängerkirchen von St. Stephanus an die Oberfläche geholt. Und stieß bei den Grabungen auf einen spannenden Fund

Heute in einem Monat soll der neue Kirchenvorplatz von St. Stephanus bei einem Festakt gesegnet werden. Noch fehlen Hinweistafeln, was da genau zu sehen ist - aber das größte Projekt des Heimatkreises Lank ist fertig: Für 180 000 Euro holten die Heimatfreunde gleich mehrere Bodendenkmäler, bildlich gesprochen, aus der Versenkung: In hellen Sandsteinen sind die Umrisse einer Saalkirche aus der karolingischen Zeit erkennbar, davon abgesetzt in dunkleren Basaltsteinen der Grundriss einer romanischen Basilika - beides Vorgängerbauten der heutigen Pfarrkirche St. Stephanus.

 Die Baustelle mit den freigelegten Grundmauern im Februar.
Die Baustelle mit den freigelegten Grundmauern im Februar. Foto: Theo Haefs

Die echten Grundmauern freilich lagern weiterhin unter der Erde, sind nicht zugänglich. Der Heimatkreis hatte sich dagegen entschieden, sie durch eine Glasplatte sichtbar zu machen.

 Der goldene Ring wurde in der Nähe von Pastor Jacobs' Grab entdeckt.
Der goldene Ring wurde in der Nähe von Pastor Jacobs' Grab entdeckt. Foto: Theo Haefs

Bei Grabungen vor vier Jahren waren die alten Grundmauern entdeckt worden; dass an dieser Stelle bereits in der karolingischen Zeit ein Kirchbau stand, war in Meerbuschs Stadtgeschichte bis dahin nicht bekannt. Gefunden wurden bei den Grabungen auch die Grundmauern der romanischen Basilika. Der Kirchturm des spätromanischen Gotteshauses aus dem 12. Jahrhundert steht noch heute, verschmilzt mit der im Jahr 1844 fertiggestellten klassizistischen Backstein-Basilika zur heutigen Pfarrkirche St. Stephanus.

 Die Mariensäule wurde von zwei auf vier Meter erhöht.
Die Mariensäule wurde von zwei auf vier Meter erhöht. Foto: Theo Haefs
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Im vergangenen Jahr hatten nach einem Architektenwettbewerb die Bodenarbeiten für die Sichtbarmachung des Bodendenkmals begonnen. Dabei legten die Bauarbeiter auch die Priestergräber von Franz-Wilhelm Mettman (1721-1754) und Pastor Wilhelm Jacobs (1720-1798) frei. Und der nach Intervention von Heimatkreis-Beiratsmitglied Mike Kunze an den Ausgrabungen beteiligte Archäologe Hans-Peter Schletter stieß im März auf einen interessanten Fund: In der Nähe des Jacobs-Grabs legte er einen goldenen Siegelring mit christlichem Kreuzsymbol frei. "Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem Ring um den Ring von Pastor Jacobs handelt", sagt Heimatkreis-Geschäftsführer Franz-Josef Jürgens. "In der damaligen Zeit trugen nur Geistliche und Adlige Ringe, nicht aber Leute des einfachen Volkes", erklärt er. Hinzu komme die christliche Symbolik auf dem Ring. "Wir haben aber noch keine wissenschaftliche Sicherheit", betonte Jürgens. Die will der Heimatkreis in naher Zukunft erlangen - und dann den Ring auch öffentlich ausstellen, möglicherweise im Museum in Krefeld-Linn. "Vorher müssen wir allerdings noch klären, ob das wirklich der Ring von Pastor Jacobs ist, und wir müssen juristisch klären lassen, wem er eigentlich gehört." Zurzeit befindet sich das goldene Fundstück in der Obhut des Archäologen.

Und noch etwas hat sich auf dem Vorplatz geändert: Die Madonnen-Figur von Willy Albermann, vor 75 Jahren auf einem vier Meter hohen Sockel aufgestellt, ist im Zuge der Neugestaltung auf diese Höhe zurückgekehrt. "Vor rund zehn Jahren ist der Sockel um zwei Meter gekürzt worden. Die Idee: Die Madonna sollte besser zu sehen sein", berichtet Jürgens. Aus seiner Sicht ein Kunstfrevel. Marienfiguren seien stets deutlich erhöht. Im Zuge der Neugestaltung wurde der Sockel neu aufgemauert, nun schwebt die "Mutter des Friedens" wieder in vier Metern Höhe über den Lankern.

(RP)