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Meerbusch: Alles dreht sich ums Holz

Meerbusch : Alles dreht sich ums Holz

Der Osterather Drechslermeister Klaus Reef hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt: Der 50-Jährige fertigte schon einmal Schachfiguren fürs Museum Schloss Moyland. Ferner engagiert er sich in der Verbandsarbeit.

Dass in seiner Werkstatt eine Menge Staub aufgewirbelt wird, stört Klaus Reef nicht. "Die Drechsler werden alle sehr alt", erklärt er lachend und betont, dass er komplett ohne Absauganlage arbeitet. Der Staub ist ebenso ein Nebenprodukt wie die Holzspäne, die sich überall breit machen. Sie entstehen, wenn der Drechslermeister zum Spanabhub mit der Schruppröhre arbeitet, den Drehmeißel bedient oder die Formröhre zum Langholzdrechseln einsetzt.

Reef, der seit 1989 selbstständig ist und seitdem am Meyersweg 2 in Osterath arbeitet, kann für das Tischler- und Drechslerhandwerk einen Meisterbrief vorweisen: "Den habe ich mir nach alter Sitte mit Lehre und Gesellenzeit erworben." Heute ist das in vielen Handwerksberufen nicht mehr nötig. "Man muss das nicht mehr von der Pike auf erlernen", bemängelt der 50-Jährige.

Er hat sich auf Dreharbeiten spezialisiert, mag dieses kreative Handwerk sehr und sagt: "Ich habe nie bereut, diesen Beruf erlernt zu haben." Wenn Klaus Reef über eine 35 bis 40 Kilo schwere Kugel streicht strahlen seine Augen: "Es gibt nichts Schöneres als eine Holzkugel." Das Prachtexemplar hat er aus einem Birkenstamm nahe der Wurzel gedrechselt. Mit anderen Bäumen wurde die Birke am Bahndamm in Osterath "kurz und klein gemacht". Reef hat einzelne Rindenteile stehen lassen, die Ansätze für zwei Stämme herausgearbeitet und findet: "Das hat was." Obsthölzer verarbeitet er besonders gern: "Die Farbe ist klasse." Und obwohl sich die Eibe schwer drehen lässt, liebt er sie auch: "Wegen der Farbe des Holzes".

Von Massenartikeln hält der Drechslermeister nichts. Er empfindet es als Herausforderung, für den Besitzer einer Finca ein Bett im katalanischen Stil anzufertigen oder Schachfiguren zu drechseln, die der Osterather Künstler Holger Runge vor einigen Jahren im Museum Schloss Moyland gezeigt hat. Stolz ist Reef auch auf eine 60 Zentimeter lange Welle für einen Fleischwolf, die er als Modell zum Gießen angefertigt hat.

Er bedauert, dass es immer weniger Drechslerbetriebe gibt und hat sich deshalb stark für die Ausrichtung des 132. Bundesverbandstags des Deutschen Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerks im Juli in Kevelaer engagiert.

Dreizack und Körnerspitze

Reef, der das rohe Holz zum Profilieren erst einmal zwischen Dreizack und Körnerspitze einspannt, arbeitet aktuell an einem Krafttrainings-Gerät für einen Büdericher Kunden.

Aber in erster Linie sieht sich der Handwerksmeister als Zulieferer für die Industrie und bemängelt, dass dem Handwerk so wenig Beachtung geschenkt wird. "Was wäre die Industrie ohne uns?", gibt er zu bedenken.

(RP)