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Aktionstag Landwirtschaft in Meerbuscher Kita Mullewapp

Landwirtschaft in Meerbusch : Kleine Kinder, große Trecker

45 Kinder aus dem Nierster Kindergarten Mullewapp machten beim Thementag „Landwirtschaft früher und heute“ mit. Auch die neu gegründete Landjugendbewegung Meerbusch war mit einigen Fahrzeugen dabei.

Der vierjährige Toni Bongartz sitzt stolz wie Oskar auf dem grünen Traktor und macht mit seinen Kumpanen aus dem Kindergarten Mullewapp eine Spritztour über die Felder rund um Nierst – das zumindest dürfte sich in der Phantasie der wilden Bande abgespielt haben, die nun auf dem Platz vor der Alten Schule an der Stratumer Straße einen Ausflug in die Welt der Landwirtschaft machen konnte.

Die 45 Kinder zwischen drei und vier Jahren kommen aus den Rheingemeinden und beschäftigen sich schon länger mit dem Thema „Landwirtschaft früher und heute“. Sie machen etwa Hofbesuche bei örtlichen Bauern und lernen Haustiere und Feldfrüchte kennen, die „vor der Haustür wachsen“.

Da traf es sich, dass Silke Bongartz für einen Aktionstag den Besuch des Familientreckers, ein Deutz von 1954, versprochen hatte. Auch eine Melkkuh aus Holz und verschiedenes Infomaterial steuerte die engagierte Mutter bei. Gegen die vier Traktoren kam die kleine Milchkuh allerdings nicht an. Schon als die Kindergartenkinder zur Begrüßung das Lied von Old McDonalds Farm zum Besten gaben, wanderten glänzende Augen immer wieder zu dem leuchtend grünen Ackergerät.

Denn als die vor wenigen Monaten neu gegründete Landjugend Wind von dem Programm bekommen hatte, rückten auch die jungen Leute mit drei modernen Traktoren und angehängtem Ackergeräten zum Thementag an. Neben den großen, grünen Maschinen wirkte der Urahn von 1954 allerdings wie ein Zwerg. Natürlich übten die riesigen Räder, Treppen und Fahrergehäuse mit dem fantastischen Überblick ihre ganz eigene Magie auf die Kinder aus. „Ihr könnt überall hin, alles ausprobieren, es kann nichts passieren“, versprach Landjugend-Chef Marlon Link. Die Schlüssel hatten er und Miriam Paasch vorsorglich in der Tasche und schon vorher dafür gesorgt, dass alles System abgeschaltet waren.

Die beiden haben die Landjugendbewegung Meerbusch am 1. Mai aus der Taufe gehoben und wurden mittlerweile zu deren Vorsitzenden gewählt. Denn die jungen Leute, die selbst aus der Landwirtschaft oder dem Garten- und Landschaftsbau kommen, wollen sich noch mehr engagieren. Die aktive Truppe hat die Nierster erst kürzlich dabei unterstützt, das Rheinufer aufzuräumen und am Ortseingang einen Traktor aus Strohballen aufgebaut, der jetzt die Ankommenden aus Richtung Lank begrüßt.

Auch zum KuBuS in Lank, dem Dachverband der Lanker Vereine (Kultur, Brauchtum und Sport), besteht bereits Kontakt. Demnächst strebt die Landjugend die Gemeinnützigkeit an und möchte mit weiteren Aktionen den Menschen nicht nur die Faszination, sondern auch etwas mehr Verständnis für die Landwirtschaft vermitteln. Da kamen der angehenden Agraringenieurin Miriam Paasch aus Stratum, das ja früher zum Amt Lank gehörte, und dem landwirtschaftlichen Angestellten Marlon Link aus Bösinghoven der Aktionstag im Kindergarten gerade recht.

Dessen Leiterin Christel Gebhard-Radek freut sich, dass die Kinder so viel Spaß an dem Thema haben, das sie auf jeden Fall noch bis St. Martin begleiten wird. Dann nämlich wird es wegen Corona zwar nur eine kleine Feier mit Mini-Umzug auf dem eigenen Gelände geben, aber die Fackeln sollen ganz klassisch aus Zuckerrüben geschnitzt werden - so wie es früher einmal üblich war.

Früher gab es übrigens schon einmal eine Landjugendbewegung im Amt Lank, die aber vor mehr als 60 Jahren wieder „eingeschlafen“ ist. Damals waren die sogenannten modernen Berufe in Industrie und Wirtschaft verlockender als das harte Tagewerk bei den Bauern. „Mittlerweile hat sich vieles gewandelt“, erklärt Link, der sich darüber ärgert, dass es sogar Eltern gibt, die ihren Kindern die Nase zuhalten, wenn ein Traktorgespann vorüber fährt. Um dem entgegen zu wirken, wollen er und seine Freunde von der Landjugend nun selbst auf die Kinder zugehen und bieten auch anderen Kindergärten und Schulen an, einmal mit schweren Gerät vorbei zu kommen und Rede und Antwort zu stehen über einen Berufszweig, der nicht nur für sie einfach der schönste im ganzen Land ist.