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Agentur Zeichenverkehr aus Meerbusch gestaltet Sonderbriefmarke

Design aus Meerbusch : Büdericher Agentur entwirft Briefmarke

Design-Professor Wilfried Korfmacher hat für das Bundesfinanzministerium mit seiner Agentur Zeichenverkehr in Büderich eine Sonderbriefmarke gestaltet. Sie erscheint zum 50. Jahrestag des Kniefalls von Willy Brandt.

Als die Deutsche Nationalbibliothek im Jahr 2012 ihre Gründung vor 100 Jahren feierte, gab das Bundesministerium für Finanzen ein Sonderpostwertzeichen heraus. Die Gestaltung der Briefmarke hatte damals Wilfried Korfmacher übernommen und sie mit Daniel Stoffels - damals Mitarbeiter der Agentur Zeichenverkehr in Büderich – ausgeführt. Jetzt, 50 Jahre nach dem historischen Kniefall von Willy Brandt in Warschau, trat das Finanzministerium wieder an den Professor heran, der Lehrbeauftragter des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf ist.

Korfmacher erzählt in wenigen Worten, wie das Ganze ablief: „Ich wurde zu einem Wettbewerb eingeladen, habe drei Entwürfe eingereicht, bekam den Zuschlag und letztendlich den Auftrag, die Gestaltung dieser Briefmarke zu übernehmen.“

Den Entwurf entwickelte der Diplom-Designer und Diplom-Psychologe gemeinsam mit seinem Assistenten Stefan Völker. „Manche der vorgegebenen Themen können offensiv und frei angegangen werden. Aber hierbei war uns klar, dass keine große künstlerische Veränderung der ursprünglichen Fotografie vorgenommen werden durfte“, erklärt Korfmacher.

Die Darstellung auf der jetzt erschienenen Sonderbriefmarke (110 Cent) wird in einer traditionellen Größe gezeigt. Korfmacher erklärt: „Es kam darauf an, die Geste beziehungsweise Pose herauszustellen. Deshalb haben wir auf Farbe selbst bei der Nationalflagge verzichtet und die eigentliche Ansicht sowie den dazugehörigen Text minimal inszeniert. Gerade wegen der sehr detaillierten Darstellung steckt viel Arbeit drin.“ Dieser künstlerisch umgesetzte Minimalismus wurde von der Jury – bestehend aus Mitarbeitern des Ministeriums, Philatelisten und Kollegen vom Fach – sehr geschätzt.

Das eigentliche Thema, der Kniefall, ist geschichtsträchtig. Als der damalige Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Denkmal für den Warschauer Ghetto-Aufstand von 1943 auf die Knie fiel, ging dieses Bild ging um die Welt. Es wurde zu einer fotografischen Ikone. Noch heute zählt diese Szene zu einem der bewegendsten historischen Momente in der Geschichte der Bundesrepublik. 1970 allerdings war diese unerwartete Demutsgeste in der deutschen Öffentlichkeit sehr umstritten. Heute ist der „Kniefall von Warschau“ herausragendes Symbol für die Verständigung und Versöhnung der Deutschen mit den östlichen Nachbarn.

Wilfried Korfmacher ist glücklich darüber, dieses Postwertzeichen gestaltet zu haben. Was er allerdings bedauert: „Leider fiel die Pressekonferenz in Berlin auf Einladung des Bundesfinanzministers Olaf Scholz sowie der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung wegen Corona aus. Dort sollte ursprünglich die Briefmarke vorgestellt werden.“