Agentur in Meerbusch vermittelt Familienpersonal Kinder, Eltern, Nanny: „Glücklich über Jahre“

Meerbusch · Mit ihrer Agentur für Familienpersonal in Bovert vermittelt Nicole Cabalzar Nannys und Haushälterinnen. Die Kunden leben nicht nur in Meerbusch, auch in Düsseldorf, Köln, München und sogar London. In den knapp zehn Jahren der Agentur hat sie rund 600 Stellen vermittelt. Im Moment ist die Nachfrage größer als das Angebot.

 Viele Eltern, die beruflich stark eingespannt sind, lassen ihre kleinen Kinder von einer Nanny betreuen. In Meerbusch gibt es eine entsprechende Agentur.

Viele Eltern, die beruflich stark eingespannt sind, lassen ihre kleinen Kinder von einer Nanny betreuen. In Meerbusch gibt es eine entsprechende Agentur.

Foto: dpa-tmn/Mascha Brichta

Wenn Alicja Klej von „ihren“ Kindern erzählt, gerät sie ins Schwärmen. Sooo süß und so nett seien sie, so richtig lieb hat sie ihre Schützlinge. Dabei sind es keine eigenen Kinder, über die die 38-Jährige so begeistert berichtet: Es sind Kinder aus den Familien, in denen sie als Nanny arbeitet. Das macht die Niederrheinerin jetzt schon fast zehn Jahre. Dabei verlässt sie die Familien nach einiger Zeit aber auch wieder, wenn die Kleinen etwa in die Kita kommen und nicht mehr den ganzen Tag über betreut werden müssen. Aber in Kontakt bleibt sie trotzdem mit den Familien. Manchmal in Teilzeit für zwei Nachmittage die Woche, manchmal nur zu Besuch. „Ich werde ja auch später zu den Geburtstagen noch eingeladen. “Die Nanny weiß genau: Wenn sie beim ersten Kontaktgespräch sicher ist, dass sie und die neue Familie zusammenpassen, dann „ist man auf beiden Seiten glücklich über viele Jahre“. Alicja Klej, die zuerst Modejournalismus studiert hat, wird über Nicole Cabalzar (50) vermittelt. Die Wahl-Meerbuscherin, selbst Mutter von zwei Söhnen, mit Wohn- und Firmensitz in Bovert, betreibt eine Familienpersonal-Agentur. Sie vermittelt vor allem Nannys für die Kinder, aber auch Haushälterinnen. „Die wiederum müssen sich nicht um Kinder kümmern, sollten aber kinderlieb sein“, so die Agentur-Chefin.

 Nicole Cabalzar vermittelt erfolgreich Familienpersonal.

Nicole Cabalzar vermittelt erfolgreich Familienpersonal.

Foto: RP/Anke Kronemeyer

Die meisten Anfragen von Privathaushalten bekommt sie zu Nannys, Haushälterinnen stehen an zweiter Stelle. Die Situation im Moment geht zu Lasten der Anfragen: „Es gibt viel mehr Nachfragen als ich erfüllen kann“, berichtet Cabalzar. „Ich hätte gerade echt tolle Stellen für Frauen, die meinen Kunden helfen könnten.“ Bei diesen Kunden handelt es sich zum Beispiel um Anwälte, Ärzte oder selbstständige Unternehmer – auf jeden Fall um Eltern, die beide im Beruf stark eingespannt sind, Kinder und Haushalt gut versorgt wissen wollen und dafür das Gehalt von mindestens einer Kraft investieren. Eine Vollzeit-Nanny verdient ungefähr 2800 bis 3000, maximal 4000 Euro im Monat. Und sie hat einen tollen Job in einem gepflegten Ambiente, listet Cabalzar auf: „Die Frauen sind fest angestellt, bekommen einen ordentlichen Arbeitsvertrag, haben Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und einen sicheren Job.“

Nicole Cabalzar hat die Agentur gegründet, nachdem sie, damals noch in einer Düsseldorfer Werbeagentur beschäftigt, mit der Geburt ihres ersten Sohnes in Elternzeit gegangen war. Anschließend arbeitete sie zunächst für eine ähnliche Agentur aus München, die große Firmen in Nordrhein-Westfalen betreute. 2012 gründete sie dann ihre eigene „Agentur für Familienpersonal“. Sie arbeitet vom heimischen Schreibtisch aus – in Bovert, mit weitem Blick ins Grün. Hier führt sie vor allem Telefonate, aber auch Beratungsgespräche mit Bewerberinnen. Sie kennt all ihre Kunden persönlich und überlegt genau, wer zu wem passen könnte. Dabei geht es ihr nicht um die schnelle Vermittlung, sondern darum, dass beide Seiten langfristig miteinander zurechtkommen. Um mit den Nannys in Kontakt zu bleiben, unternimmt sie Spaziergänge mit ihnen, trifft sich in Videokonferenzen, macht bald wieder – wie vor Corona – Nanny-Stammtische, damit sich die Frauen auch untereinander austauschen können. Sie können aber auch an Workshops teilnehmen, die sie zum Beispiel mit dem Familieninstitut von Heike vom Heede in Düsseldorf anbietet: Säuglingspflege, Tipps für Kinder-Tagesprogramme oder Ernährung stehen dann auf dem Programm.

 Alicja Klej arbeitet schon seit vielen Jahren als Nanny.

Alicja Klej arbeitet schon seit vielen Jahren als Nanny.

Foto: RP/Klej

Welche Voraussetzungen muss nun eine Nanny mitbringen? Da hat Nicole Cabalzar eine klare Liste: Sie muss zwar keine ausgebildete Erzieherin sein, sollte aber Referenzen mitbringen, dass sie schon mal mit Kindern gearbeitet hat. Sie sollte gute Umgangsformen haben, ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen, vor allem kinderlieb sein, flexibel, belastbar und zuverlässig sowieso, sollte der deutschen Sprache mächtig sein und eine Dienstleistungsmentalität haben.

Alicja Klej hat seit zwei Monaten eine neue Familie und kümmert sich an drei Tagen die Woche um das sieben Monate alte Baby. Ihr Arbeitstag beginnt um 9 Uhr mit waschen, wickeln und anziehen, dann liest sie vor, nach einem kleinen Mittagessen geht es an die frische Luft oder zum Einkaufen für den nächsten Babybrei. Zwischendurch macht die Nanny immer mal wieder ein Foto für die Eltern oder dreht ein Video. Kann ja sein, dass ein Kind plötzlich laufen kann und Mama und Papa sind nicht dabei? Kann alles sein, lacht Alicja. Sie habe sich mal lange um einen kleinen, süßen Jungen gekümmert und ihm immer gesagt: „Ich habe dich sehr lieb.“ Irgendwann habe der Junge, der bis dahin noch kein Wort gesprochen hatte, sie umarmt und gesagt: „Hab dich lieb.“ Für Alicja steht nicht erst seitdem fest: „Man gibt und bekommt viel Liebe in diesem Job.“

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