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Meerbusch: Ärger um schnelles DSL

Meerbusch : Ärger um schnelles DSL

2000 Bürger in den Rheingemeinden und Bösinghoven bekommen schnelle Internetverbindungen. Die Telekom verlegt Leitungen und wirbt offensiv um Vertragsabschlüsse, auch bei Kunden der Konkurrenz. Das sorgt für Unmut.

2000 Meerbuscher in den Rheingemeinden und Teilen von Bösinghoven konnten von schnellem Internet bislang nur träumen. Das soll sich in Kürze durch zehn Kilometer neue Glasfaserleitung ändern, die die Telekom gerade im Auftrag der Stadt verlegt hat. Bei Kunden von Telekom-Konkurrenten herrscht allerdings Unsicherheit, ob sie auch ans schnelle Netz angeschlossen werden können. Die Bundesnetzagentur sichert dies zu. Doch einige offensiv auftretende Werber vermitteln offenbar einen anderen Eindruck, versuchen Kunden für Telekom-Tarife zu gewinnen und Zusatzangebote zu verkaufen. Nun hagelt es Beschwerden.

Edo Hodes aus Bösinghoven hat einen kombinierten Telefon- und DSL-Anschluss von 1&1. Die Leistung schwankt zwischen 2000 und 4000 Megabit pro Sekunde. Genug zum Surfen. Aber bei Internet-Videos und gleichzeitigen Telefonaten kommen die Bilder bereits ins Ruckeln. Nun hofft Hodes, dass 1&1 bald auf die neuen Telekom-Leitungen (bis zu 16 000 Mbit/s) zugreifen kann, was ihm — theoretisch — eine vier bis achtfach schnellere Verbindung bringen sollte.

Werber klingelten mehrfach

Kaum lagen die neuen Leitungen, klingelten mehrfach Werber bei Hodes und versuchten, ihm DSL-Tarife der Telekom zu verkaufen: "Ich will aber bei 1&1 bleiben, weil ich über den Anschluss günstig mit meiner Tochter in Spanien telefonieren kann". Darauf habe ihm einer der Vertreter erklärt, dann müsse er "eben noch zwei Jahre auf den schnellen Anschluss warten". Hodes, früher selbst als Einkaufsleiter in der Branche tätig, unterschrieb nicht und beschwerte sich bei Stadt und Bundesnetzagentur.

Die Stadt antwortete, dass die Telekom verpflichtet sei, auch anderen Anbietern "diskriminierungsfrei einen Zugang zum neuen Breitband-Netz einzuräumen". Der Stadt seien mehrere ähnliche Fälle bekannt. Die Bundesnetzagentur, weist allerdings darauf hin, dass die Telekom die Leitungen "natürlich nur bereitstellen muss, wenn ein Wettbewerber sie damit beauftragt". Hodes Ansprechpartner sei also 1&1. Doch sein Versuch, über 1&1 auf die neue Leitung zuzugreifen, scheiterte ebenso: Der Telekom-Konkurrent teilte Hodes mit, dass man in der entsprechenden Datenbank keinen Hinweis auf die Existenz der Glasfaserkabel nach Bösinghoven finden und daher auch keinen Antrag auf Mitnutzung der DSL-Leitung stellen könne.

Telekom-Sprecher André Hofmann unterstrich auf RP-Anfrage, dass keine Rede davon sein könne, dass der Konzern Kunden von Wettbewerbern nicht zum Zuge kommen lasse. Neue Glasfaserleitungen müssten zunächst ins Netz der Telekom eingepflegt werden. Dann könnten auch Mitbewerber die Nutzung beantragen.

Edo Hodes wartet derweil auf einen für Anfang Januar avisierten Rückruf eines Telekom-Experten.

(RP)