Adri und Greetje Groenendyk führen eine Meerbuscher Ballettschule

Eine Leben für den Tanz : Beim Ballett die Gefühle ausdrücken

Adri und Greetje Groenendyk tanzten einst gemeinsam in der Kompagnie des Balletts am Rhein. Seit 1976 führen sie ihre Ballettschule in Meerbusch, die heute in Osterath heimisch ist. Der frühere Solotänzer managt dort die Geschäfte.

Als Tänzer sollte man spüren, wann es besser sei, die Karriere als Solist zu beenden, sagt Adri Groenendyk. „Du musst rechtzeitig die Weichen stellen und von deinem Egotrip ein Stück runterkommen. Dann kann es wunderbar weitergehen.“ In Meerbusch hat Adri Groenendyk mit seiner früheren Frau Greetje viele Spuren hinterlassen. Beide sind Inhaber der Ballettschule Groenendyk in Osterath. „Die dritte Schule, die ich gebaut habe“, erzählt er.

Begonnen haben sie 1976 in Strümp. Ab 1978 ging es in einer ehemaligen evangelischen Kirche in Lank weiter. Eine lange, fruchtbare Zeit. Bis zur Kündigung, die ein Schock war und den Groenendyks eine mühselige Suche nach einer neuen Bleibe aufzwang. „Unsere Existenz war gefährdet“, sagt er, „es wurde richtig dramatisch und brachte mich körperlich und mental an meine Grenzen. Die Rettung kam nach einem halben Jahr, in allerletzter Sekunde.“

Das im August 2017 eröffnete Studio in Osterath musste zuvor komplett umgebaut werden. Die enorme Arbeitsleistung, die dafür nötig war, erbrachte Adri Groenendyk mit eigenen Händen und zahlreichen freiwilligen Helfern, die ihn tatkräftig unterstützten. „Mir war es immer wichtig, unsere Schulen so zu gestalten, dass sie die Schönheit und Ästhetik des Balletts widerspiegeln“, sagt er.

Auch in Düsseldorf baute er mit dem Ballettstudio Niederkassel „la danse“ etwas Eigenes auf. Er betreibt es mit seiner jetzigen Frau Julia, einer ehemaligen Schülerin und Tanzpädagogin und gibt dort auch Unterricht. „Meine Erfahrung und Technik weiter zu reichen, ist etwas sehr Wertvolles. Es braucht Intelligenz, die Mechanismen des Balletts zu verstehen.“ Beim Sport ginge es um Wettkampf und Gewinnen, beim Tanz um den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen.

„Ein Lehrer versucht bei seinen Schülern einige Fenster mehr aufzustoßen. Wenn das gelingt, kann es unheimlich schön sein, für beide.“ Das Training mit kleineren Kindern habe er früher weitgehend Greetje überlassen: „Sie kann das viel besser. Mit mir machten die immer Männeken.“

In Osterath unterrichtet er inzwischen nicht mehr, dort wirkt er als Organisator eher hinter den Kulissen. „Das funktioniert gut, jeder bringt seine Stärken ein“, sagt er. Ein eingespieltes Team. Das Paar lernte sich sehr jung in Rotterdam kennen, tanzte später gemeinsam im Ballett der Rheinoper und bekam zwei Söhne. Trotz Trennung und neuer Partner blieben die Groenendyks einander freundschaftlich verbunden.

Adri Groenendyk, der seit jeher viel Sport getrieben hatte und nach der Schule ein Jahr um die Welt reiste, fand erst mit knapp 20 Jahren zum Ballett, aus einer Laune heraus. „Ich saß mit zwei Freunden in der Kneipe, einer hatte ein Buch über den Tanzstar Nijinsky dabei. Da beschlossen wir alle drei, Tänzer zu werden. Und wer ging dann hin?“ fragt er und lacht. „Ich allein.“ Die Ballettschule wollte ihn nicht nehmen, doch er blieb hartnäckig und handelte ein dreiwöchiges Probetraining aus.

Er könne eventuell Pädagoge werden, empfahl man ihm zu seinem Verdruss: „Ich wollte doch viel lieber selber tanzen.“ Er rackerte sich ab und trainierte wie besessen. Bis er mit seinem Können auffiel und engagiert wurde, in Trier, in Wuppertal, in Hagen. Adri Groenendyk bewarb sich um ein Stipendium für die Solisten-Ausbildung, tanzte in Amsterdam, in London beim Royal Ballet und beim Scottish Theatre Ballet. Danach kam er als Solist in die Düsseldorfer Kompagnie, die damals von Erich Walter geleitet wurde.

1976, im Alter von 36 Jahren, beendete er dann seine Bühnenlaufbahn. Ohne Groll. „Auch ein Fußballer muss schließlich irgendwann aufhören. Und ich durfte ja erleben, wie gut sich alles weiterentwickelt hat.“