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Abwasserbeseitigungskonzept für Meerbusch vorgestellt

Millionen für Kanal-Bauarbeiten : Abwassergebühren in Meerbusch sinken

In Osterath, Bösinghoven und Büderich stehen in den nächsten Jahren größere Kanal-Bauarbeiten an. Geplante Investitionen pro Jahr: drei Millionen Euro. Rat muss Abwasserbeseitigungskonzept noch beschließen.

Rund 270 Kilometer lang ist das Meerbuscher Kanalnetz. „Das ist verhältnismäßig groß“, erklärt Matthias Unzeitig, Bereichsleiter Straßen und Kanäle. Ein Grund dafür sind die verstreut liegenden Ortsteile. Entsprechend aufwendig ist es für sein Team, mindestens alle sechs Jahre ein umfangreiches Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) zu erstellen. So verlangt es das Landeswassergesetz.

Das aktuelle ABK, das bis ins Jahr 2024 reicht, ist gut anderthalb Zentimeter dick und hat 40 Anlagen. Es gibt einen Überblick über die Arbeiten, die sofort und in den nächsten Jahren erledigt werden müssen – je nach Dringlichkeit. „Wir haben in einigen Stadtteilen noch viel vor“, kündigt Matthias Unzeitig an. Schwerpunkte sind Büderich und Osterath, aber auch in Bösinghoven stehen größere Kanalbauarbeiten an. Dafür sieht das ABK pro Jahr rund drei Millionen Euro Investitionsvolumen vor. Der Bau- und Umweltausschuss hat das Konzept bereits einstimmig beschlossen, endgültig entscheidet der Rat.

Die gute Nachricht: Die Gebühren für Abwasserbeseitigung in Meerbusch sinken im Jahr 2020 dennoch leicht (minus 5,20 Euro/Jahr für Niederschlagswasser, minus 4 Euro/Jahr für Schmutzwasser). Unzeitig erklärt: „Das liegt auch daran, dass die Klärkosten relativ konstant sind.“ Rund 5 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser aus Meerbusch werden in die Düsseldorfer Kläranlage Nord geleitet. Weniger gut: Im Stadtgebiet gibt es viele marode Kanalrohre aus den 1960er Jahren, in denen sich auch Ratten extrem wohlfühlen. Unzeitig: „Damals wurde unglaublich viel gebaut. Aber die Rohre von damals haben einen geringen Durchmesser und eine schlechte Betonqualität.“ Bei Sanierungen wird auch immer gleich versucht, künftige Starkregenereignisse mit einzuplanen. „Aber Garantien kann man dafür nie geben, weil solche Ereignisse nicht vorhersehbar sind.“

In Lank-Latum und den Rheingemeinden wurden in den vergangenen Jahren bereits die meisten Kanal-Schäden behoben. „Diese Ortsteile sind quasi erledigt“, so der Fachmann.

In Bösinghoven in der Vogelsiedlung sollen demnächst straßenweise rund 1400 Meter Kanalrohre für Schmutz- und Regenwasser verlegt werden. Unzeitig: „Die jetzige Kanalisation ist alt und gar nicht öffentlich zugänglich. Wenn die neuen Rohre liegen, können wir dort auch entwässern.“

In Strümp wurde schon einiges saniert, aber auch dort gibt es noch alte Rohre aus den 1960ern, etwa an der Liegnitzer Straße.

In Osterath soll es beispielsweise in Bovert Am Mühlenbach eine Volumenerweiterung geben, damit mehr Wasser durch die Rohre fließen kann. Am Rudolf-Lensing-Ring sind in den nächsten zwei bis drei Jahren Sanierungen nötig. Geplante Baugebiete, etwa am Kamper Weg, müssen erschlossen werden.

In Büderich stehen Kanalarbeiten in einem Gebiet südlich der Poststraße und östlich der Düsseldorfer Straße an. „Wir haben dort die Kanäle mit Kameras untersucht und eine sehr schlechte Qualität sowohl an den Haupt- als auch an den Anschlussleitungen festgestellt“, sagt Matthias Unzeitig. Er gibt aber gleich Entwarnung: Nirgendwo sind komplette Straßenaufbrüche, so wie aktuell an der Büdericher Allee, nötig.

In Sachen Kanäle ist Meerbusch vorbildlich. Permanent machen Fachfirmen Kamerafahrten durch das Kanalnetz, um Schäden auszumachen und zu schauen, wo durch sogenannte Vermaschungen neue Abflusswege möglich sind. Theoretisch muss das komplette Netz in einem 15-Jahreszeitraum überprüft worden sein. „Wir haben das in zehn Jahren geschafft“, sagt Unzeitig. Positiver Nebeneffekt nach Kanalsanierungen: „Wo saniert wurde, verziehen sich auch die Ratten.“