A57 zwischen Meerbusch und Krefeld wird ausgebaut - Anwohner befürchten Stau

Zwischen Meerbusch und Krefeld : A57 wird ausgebaut – Anwohner befürchten Verkehrschaos

Die rund vier Kilometer lange Strecke zwischen dem Autobahnkreuz Meerbusch und Krefeld-Oppum soll auf sechs Spuren erweitert werden. Geplante Bauzeit: drei Jahre. Die Anwohner haben Angst vor noch mehr Lärm und Verkehr.

Der erste Spatenstich zum sechsspurigen Ausbau der A57 zwischen dem Autobahnkreuz Meerbusch und Krefeld-Oppum ist gemacht. Das 4,1 Kilometer lange Teilstück wird für rund 62 Millionen Euro erweitert. Vier von insgesamt zwölf Baubschnitten auf der Autobahn zwischen Köln und Kamp-Lintfort sind bereits auf sechs Spuren ausgebaut. Für die Strecke zwischen Meerbusch und Krefeld-Oppum sind drei Jahre Bauzeit geplant; die Verantwortlichen rechnen sogar damit, dass das Stück bereits im Dezember 2021 für den Verkehr freigegeben wird.

Um 13.21 Uhr am Montagmittag griffen NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, und Straßen-NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek gemeinsam mit Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Rhein-Kreises Neuss, und Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage zu den Spaten und schaufelten los. Dabei beob­achtet wurden sie von zahlreichen Kommunalpolitikern, Bürgern und Medienvertretern.

Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (v.l.), NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, Elfriede Sauerwein-Braksiek (Direktorin Straßen.NRW), Parlamentarischer Staatssekretär Enak Ferlemann und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke beim gemeinsamen Spatenstich zum sechsspurigen Ausbau der A 57 zwischen Meerbusch und Krefeld-Oppum. Foto: Verena Bretz

„Die A57 ist die Hauptschlagader des linksrheinischen Verkehrs“, sagte Ferlemann. „Und leider hat sie traurige Berühmtheit, weil sie besonders staugeplagt ist.“ Bis zu 120.000 Fahrzeuge sind dort täglich unterwegs, die Belastungsgrenze liegt bei rund 72.000 Fahrzeugen. „Die vier Spuren auf dieser neuralgischen Strecke sind meistens dicht“, sagte Ferlemann. „Deshalb ist der Ausbau zwingend nötig.“

Natürlich könnten so umfangreiche Bauarbeiten nicht ohne Belastungen für die Anwohner ablaufen, betonten Ferlemann und Wüst. „Da wird es Konflikte und Störungen geben“, kündigte auch Elfriede Sauerwein-Braksiek an. Und der NRW-Verkehrsminister ergänzte: „Dreck, Lärm und die Verengung von Fahrstreifen lassen sich nicht wegdigitalisieren. Aber wir versprechen, dass wir die Belastungen für die Bürger so gering wie möglich halten werden.“

Hans Strucker, Anwohner aus Bösinghoven, ging sogar mit einer Visitenkarte des NRW-Verkehrsministers in der Tasche nach Hause. „Herr Wüst hat zugesagt, dass ich mich bei ihm melden soll, wenn die Lärmbelastungen entgegen der Berechnungen am Ende doch zu hoch sind. Dann wird das Stück zugemacht, hat er versprochen.“ Das Stück – damit meint Strucker die rund 180 Meter große Lücke entlang der Autobahn, wo es keine Lärmschutzwand geben soll. „Wir Bösinghovener befürchten, dass der Lärm deshalb unerträglich wird.“ Der Ausbau sei wichtig, gibt er zu. „Aber wir Bürger sollten nicht darunter leiden müssen.“ Nach dem Gespräch mit den Politikern war er überrascht von deren Offenheit. „Ich hätte nie gedacht, dass die unsere Sorgen tatsächlich ernst nehmen.“

Auch Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage lobte „die bürgerfreundlichen Versprechen“ von Wüst und Ferlemann. „Ich finde es toll, dass bei den Verantwortlichen die Bereitschaft da ist, flexible Lösungen im Sinne der Bürger zu finden.“ Der Autobahn-Ausbau sei langfristig eine Entlastung, „aber er darf nicht auf Kosten der Bürger realisiert werden“. Peter Kuske etwa, amtierender Schützenkönig in Bösinghoven, sorgt sich wegen des Umleitungsverkehrs. „Die Fahrzeuge werden durch unseren Ortsteil geleitet, das gibt ein Verkehrschaos.“

Auch in Lank-Latum sorgen sich die Menschen vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen im Zuge der Bauarbeiten. „Wir haben ohnehin schon viel Lkw-Verkehr hier“, berichtete Anwohner Theo Blickmann. Gemeint sind damit die Transporter, die trotz eines Verbots auf dem Weg zum Krefelder Hafen durch die kleine Ortschaft abkürzen. Da die Verkehrslage auf der A57 während der Bauarbeiten noch angespannter sein wird, befürchten er und seine Frau Anna, dass die Zahl an Lastwagen nun weiter zunehme, obwohl es ein Verbot gibt. „Wir wünschen uns, dass die Polizei stärker kontrolliert.“

Eine ähnliche Situation herrscht in Nierst. Deshalb war auch Ulrich Fink vom Bürgerverein zusammen mit einigen Mitstreitern zu dem offiziellen Termin gekommen. Auch dort rollen viele Transporter durch die Ortschaft, zudem sei das Pkw-Aufkommen zu Stoßzeiten ebenfalls größer geworden. „Wir sehen hier viele Autos mit Krefelder Kennzeichen“, so Fink. Den Spatenstich wollten die Anwohner nutzen, um den NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst auf die Problematik aufmerksam zu machen. Ihr Wunsch ist eine Beschilderung, die die richtige Abfahrt von der Autobahn zum Krefelder Hafen anzeigt. Nach dem Spatenstich kam es zu einem kurzen Austausch zwischen den Nierster Bürgern und dem Minister. „Es war ein gutes Gespräch, das uns hoffen lässt“, resümierte Ulrich Fink. Zwar habe Wüst keine konkreten Versprechungen machen können, aber zugesichert, dass er den Sachverhalt prüfen lasse.

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