A 57 zwischen Autobahnkreuz Meerbusch und Oppum wird ausgebaut.

Zwischen AK Meerbusch und Oppum : A57-Ausbau: Umleitung durch Bösinghoven

Ende April könnte der Spatenstich für den Abschnitt zwischen Kreuz Meerbusch und Krefeld Oppum sein. Während der Arbeiten wird der Verkehr teilweise durch Bösinghoven umgeleitet. Kritik gibt es am Design der Lärmschutzwände.

„Das ist doch wirklich eine einzige Katastrophe.“ Hans Werner Schoen­auer deutet auf die S-Kurve und sagt: „Da kommt doch kein Trecker mit Anhänger durch. Der bleibt entweder stecken oder fährt gleich die ganze Häuser-Ecke ab.“ CDU-Ratsmitglied Schoenauer lebt seit rund 35 Jahren an der Bösinghovener Straße. Mit seiner Meinung stehe er nicht alleine da. „Alle Nachbarn machen sich große Sorgen wegen des Ausbaus“, sagt er.

Gemeint ist der Ausbau der A 57 zwischen dem Autobahnkreuz Meerbusch und der Anschlussstelle Krefeld Oppum. Athanasios Mpasios, Projektleiter von Straßen NRW, hat die aktuellen Ausbaupläne im Rat vorgestellt. Schoenauer appelliert nun an den Fachmann: „Schauen Sie sich die Situation vor Ort an. So geht es auf jeden Fall nicht.“

Das sind die Pläne: Ende April oder Anfang Mai soll der Spatenstich für den Abschnitt erfolgen. Mpasios: „Wir stehen in den Startlöchern. Die Haushaltsmittel sind vom Bund genehmigt, das Schreiben kann stündlich bei uns ankommen.“ Nun wolle man keine Zeit verlieren. Noch in diesem Jahr sollen die beiden Versickerungsbecken gebaut werden, dann nacheinander die Lärmschutzwände in Oppum (rund 800 Meter) und in Bösinghoven (rund 1000 Meter). Die gesamte Bauzeit wird rund drei Jahre dauern. „In Kaarst beispielsweise hat es weit über sechs Jahre gedauert“, sagt Mpasios. „In diesem Abschnitt wollen wir aber schnell durchkommen.“ Speziell im Bereich Bösinghoven, so kündigte er im Rat an, „soll es 2020 richtig zur Sache gehen“.

Heißt: Die Brücke Am Weilerhof wird abgerissen. Eine Behelfsbrücke wird zwar gebaut, aber nur für Fußgänger und Radfahrer. Mpasios: „Nicht für den öffentlichen Autoverkehr.“ Der werde sich andere Wege suchen, sagt er. „Ein bis zwei Jahre lang werden auch Autos durch den Ort fahren.“ Weitläufige Umfahrungen seien geplant, die müssten aber noch genehmigt werden. „Und das erfolgt meist erst unmittelbar vor Baubeginn“, erklärt Mpasios. „Unsere Grundsatzidee ist, dass wir eine Umfahrung durch Bösinghoven planen und eine weitläufige um den Ort herum für den Schwerlastverkehr.“

Schoenauers Kritik nimmt der Fachmann auf jeden Fall ernst. „Es ist eng, das gebe ich zu. Die Umleitung über die Bösinghovener Straße ist nicht angenehm, wir müssen auch noch mit den Ortsansässigen sprechen.“ Er betont jedoch: „Die Umleitung durch den Ort ist auch auf keinen Fall für die großen Fahrzeuge gedacht.“

Neben den Umleitungen ist es aber auch das Thema Lärmschutz, das die Abwohner beschäftigt. „Drei Jahre ohne Lärmschutz – was mutet man den rund 2500 Anwohnern da zu?“, fragt Schoenauer. Diese Kritik lässt Mpasios jedoch nicht gelten: „Drei Jahre sind es sicherlich nicht, die Wände werden ja nacheinander gebaut.“ Er geht von „voraussichtlich“ einem Jahr ohne Lärmschutz aus.

In Bösinghoven hat es auch schon Fällungen für den Bau der Wand gegeben, was einige Meerbuscher verunsichert hat. Mpasios erklärt: „In Bösinghoven haben wir eine sogenannte Wall-Wand-Kombination. Da ist schon gerodet worden, allerdings nur zur Autobahnseite hin, nicht an der Straßenseite.“ Die Böschung werde später wieder bepflanzt, jedoch nicht so dicht wie zuvor. Und: In den ersten zehn Jahren müsse man damit rechnen, dass die Wand noch sichtbar sei.

Wie die neun Meter hohe Lärmschutzwand aussehen soll, das erklärte Mpasios’ Kollege Michael Kaufmann: „Wir wollten mal etwas ganz anderes haben als braunen Beton. Deshalb haben wir uns für den Entwurf des Architekturbüros Orange Edge aus Hamburg entschieden.“ Diese Modelle werden aus Aluminiumkassetten gebaut, drinnen ist Dämm-Material, und in Sachen Design setzt man auf Streifen: Stadtseitig sieht man vertikale Linien, zur Autobahn hin sind es horizontale.

Die Reaktionen der Ratsmitglieder auf den Entwurf waren unterschiedlich. Einige bemängelten, dass vertikale Linien die sowieso schon hohe Wand noch höher erscheinen ließen. Andere bezweifelten, dass Metall für Schallschutz überhaupt geeignet sei. Und wieder andere kritisierten: „Graue Wände mit Streifen – das ist für ein Ergebnis eines Wettbewerbs ganz schön mager.“ Kaufmann ergänzte, dass eventuell noch Reflektionsstreifen auf die Wand geklebt oder sogar LED-Leuchtsreifen installiert würden. „Es ist schwierig, mit allen Bürgern Einklang zu finden. Aber wir hoffen, dass es sehr ansprechend aussehen wird.“

Übrigens: Wer sich ein Bild von der Bauweise der geplanten Lärmschutzwand machen möchte, der kann zur Tank-und-Rastanlage Nievenheim-Ost fahren. Dort steht das Aluminiumkassetten-Modell, allerdings im anderen Design.

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