Meerbusch: 800 Gäste beim Wirtschaftsforum

Meerbusch: 800 Gäste beim Wirtschaftsforum

Das deutsch-niederländische Wirtschaftsforum soll den grenzüberschreitenden Austausch befeuern und helfen, neue Märkte zu erschließen. Oft sind es kleine Probleme, die hindern.

So nah und doch so weit weg voneinander seien Niederländer und Deutsche, wundert sich Erik Joosten von der niederländischen Handelskammer. Privat wechsle man problemlos von einer Seite der Grenze auf die andere, geschäftlich orientierten sich viele nur innerhalb des eigenen Landes. Auch wenn der deutsche Nachbar am Niederrhein für Unternehmen der Provinz Limburg viel näher sei als Amsterdam. Dagegen muss man was tun. Das finden offensichtlich viele und deshalb brummt das deutsch-niederländische Wirtschaftsforum. Rund 800 Teilnehmer sind jetzt im Borussiapark zusammengekommen, um Kontakte zu knüpfen.

"Diese Veranstaltung ist die größte Netzwerkveranstaltung entlang der Grenze", sagt Wolfram Lasseur von der IHK Mittlerer Niederrhein, der das Ganze organisiert. Das Wirtschaftsforum bietet Workshops zu Themen wie Social-Media-Kampagnen oder Fördermöglichkeiten für deutsche Unternehmen in der Provinz Limburg. Es gibt die Möglichkeit, Experten zu Problemfeldern wie Zahlungsausfällen oder Arbeitnehmerüberlassung zu befragen. Und es gibt das Matching, bei dem Firmen, die Partner suchen, miteinander ins Gespräch gebracht werden. Wie bei einer Heiratsvermittlung sozusagen. 200 Unternehmen suchen so den Partner vielleicht nicht fürs Leben, aber für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Die Niederlande sind der wichtigste Wirtschaftspartner Nordrhein-Westfalens. "Die Wirtschaftsbeziehungen sind schon spitze", betont Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Allein im ersten Halbjahr 2017 betrug der Wert des Warenaustauschs 28 Milliarden Euro. Und trotzdem können sie noch besser werden. Die Sprachbarriere ist nicht hoch. "Wenn einer Deutsch spricht und der andere Niederländisch, versteht man sich meist", erklärt Wolfram Lasseur. "Und wenn nicht, weicht man auf Englisch aus." Mehr Schwierigkeiten können da manchmal die kleinen, aber wichtigen kulturellen Unterschiede machen. Die IHK hat deshalb extra einen Praxisratgeber zum Thema Marktkommunikation erstellen lassen, damit Fettnäpfchen und Stolperfallen in der Zusammenarbeit mit den Nachbarn vermieden werden können.

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Die Niederländer, so der Ratgeber, haben weniger Scheu vor Neuem, nutzen Onlinemedien stärker, finden deutsche Werbung oft langweilig und lieben eine buntere und wildere Gestaltung bei Flyern oder Anzeigen. Auch im Umgang mit der jeweils anderen Sprache warten Überraschungen: Das Papiermonster entpuppt sich als Muster, der Dealer ist dann doch nur ein Autohändler und auf das Verb "müssen" reagieren Niederländer häufig allergisch. Ein wichtiger Teil der niederländischen Wirtschaftskultur sei das Netzwerken, erläutert der Ratgeber. Und das erklärt den anhaltenden Erfolg des Wirtschaftsforums, das schon zum achten Mal stattfindet und auf stetig steigende Anmeldezahlen verweisen kann.

"Wir sollten von den Unterschieden Gebrauch machen", meint Erik Joosten und zitiert seine deutsche Lieblingsredensart "Wenn schon, denn schon". "Wenn Deutsche das sagen, dann machen sie auch was", sagt er und lacht.

(RP)