60 Meerbuscher Sportler des OTV testen Rollstuhlbasketball

Rollstuhlsport beim OTV : Basketball aus neuer Perspektive

Frederic Jäntsch und Björn Pesch, Rollstuhlbasketballer der Kölner 99ers, gaben rund 60 Kindern und Jugendlichen des Osterather TV Einblicke in ihre Sportart.

Nach der 90-minütigen Einheit entdeckt Christopher mehrere Blasen an seinen Händen. Jammern tut er darüber aber nicht. „Das gehört dazu. Es hat trotzdem viel Spaß gemacht“, sagt der 14-Jährige, der gerade zum ersten Mal im Rollstuhl sitzend Basketball gespielt hat.

Gemeinsam mit 60 weiteren Kindern und Jugendlichen der Basketballabteilung des Osterather TV darf Christopher am Sonntagnachmittag Erfahrungen im Rollstuhlbasketball sammeln. Die Disziplin der Paralympics ist mit ihrem Regelwerk an den klassischen Basketball angelehnt und nur durch die Anforderungen des Rollstuhls erweitert.

Unter fachkundiger Anleitung von Coach Frederic Jäntsch und seinem Assistenten Björn Pesch werden in der Sporthalle der Realschule Osterath drei Trainingseinheiten à 90 Minuten absolviert. Eingeteilt nach Altersklassen starten 20 Mädchen, gefolgt von 20 Jungen, jeweils im Alter von 11 bis 15 Jahren, bevor in der letzten Trainingseinheit eine Mischung der U18-Teams und der Damen den Abschluss bilden.

Mit einem Fangspiel und Slalom-Parcours können sich alle Teilnehmer zunächst an den Rollstuhl und dessen Beweglichkeit gewöhnen. Geradeaus und rückwärts fahren, sich drehen, stoppen. Dann kommt erstmals der Ball ins Spiel. Elemente wie Dribbeln, Korbleger, einen Ball aufheben oder ein einfacher Wurf bekommen mit dem Rollstuhl plötzlich eine ganz neue Perspektive. „Da die Kraft aus den Beinen wegfällt, muss man viel mehr Energie aufwenden, um den Ball Richtung Korb zu befördern“, sagt Christopher.

Alle Jungen und Mädchen finden sich jedoch erstaunlich schnell zurecht. Mit zunehmender Spieldauer finden immer mehr Bälle den Weg in den Korb, auch wenn nach wie vor der eine oder andere Pass daneben geht. „Den Rollstuhl bewegen, dazu die Geschwindigkeit des Balls einschätzen und dann noch fangen – daran muss man sich erst einmal gewöhnen“, sagt Jäntsch.

Zwar will das von der Telekom ins Leben gerufene Projekt „Neue Sporterfahrung“ auch die sportliche Bewegung, koordinative Fähigkeiten und Kreativität fördern. Das Hauptziel ist aber, dass Kinder und Jugendliche auf diese spielerische Art erfahren, wie sich ein Mensch mit Behinderung in bestimmten Lebenssituationen fühlt – zum Beispiel beim Sport.

Das soll es ihnen ermöglichen, deren Position nachzuvollziehen und so gegenseitiges Verständnis fördern. „Es geht darum, Berührungsängste abzubauen und Inklusion zu erleben. Denn im Rollstuhl sind alle gleich“, sagt Jäntsch.

Er selbst hat kein Handicap, betreibt die Sportart aber bei den Köln 99ers auf höchstem Niveau. „Ich bin über die Uni zufällig zum Rollstuhlbasketball gekommen und dabei geblieben. In der Regel spielt pro Mannschaft ein Akteur ohne Behinderung mit“, erklärt Jäntsch. Ob auch einer der 60 Teilnehmer des OTV einen ähnlichen Weg einschlagen wird, bleibt abzuwarten. Jedoch sind sich alle einig, dass es eine tolle Erfahrung war. „Das Feedback war so positiv, dass wir das Ganze sicherlich im kommenden Jahr noch einmal wiederholen werden“, sagt Ini­tiatorin und U18-Trainerin Claudia Siemers.

Mehr von RP ONLINE