Meerbusch: 50 Jahre Christuskirche

Meerbusch : 50 Jahre Christuskirche

Die Christuskirche in Büderich ist ein moderner Sakralbau. Am zweiten Adventssonntag feiert das Gotteshaus 50-jähriges Bestehen und damit auch architektonische Einzigartigkeit — die Kirche stellt die schützende Höhle Gottes dar

Wird das ein Bunker oder gar ein Atomreaktor? Nein, das eine wäre wohl kaum oberirdisch, gegen das andere hätte man sicher protestiert. So spekulierte Anfang der 1960er Jahre die Bevölkerung, was für ein seltsamer Betonbau auf der Karl-Arnold-Straße in Büderich entstehen sollte. 1964 am zweiten Advent hatte das Rätseln ein Ende: Die Christuskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich wurde eingeweiht. An diesem Mittwoch beginnen die Jubiläums-Festtage. Es ist ein moderner Kirchenbau, die Fassade und das Innere sind schnörkellos, aber alles andere als langweilig. "Warum soll eine Kirche alltäglich aussehen, wenn man sonntags hineingeht?", fragten die Architektenbrüder Wolf und Reimar Kirchhoff, als sie die Christuskirche entwarfen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Hochphase des modernen Kirchenbaus. "Die Architektur hat Blüten und Unblüten in der Zeit betrieben", sagt Wilfried Pahlke, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich. Der Kirchenbau in Büderich wurde wegen der steigenden Zahl der evangelischen Einwohner nötig. Zunächst sorgten Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien, später geburtenstarke Jahrgänge für Zulauf. April 1965 wurde die zweite evangelische Kirche in Büderich, die Bethlehemkirche, eingeweiht. Es war sogar kurzzeitig eine dritte im Gespräch. Das Baumaterial der Christuskirche ist Beton, das in einem sogenannten Gleitschalverfahren vier Tage und vier Nächte gegossen werden musste. Doch der Beton hatte nicht die gleiche Qualität wie heute. Vor zwölf Jahren rutschte der Waschbeton am Dach herunter. Für rund eine Millionen DM wurde ein Kupferdach draufgesetzt. Spenden machten es möglich.

Erinnert an die "Raumpatrouille Orion": die Schalttafel in der Christuskirche fürs die Beleuchtung. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Schon von der Ferne ist die Kirche ein Blickfang, mit ihrer riesigen ovalen Kuppel und dem 27 Meter hohen Turm, dessen Form an einen Leitpfosten auf der Autobahn erinnert. Oder wie ein "Zeigefinger, der zur Gemeinschaft der Christen mahnt", sagt Pfarrer Pahlke. Im Turm läuten drei Glocken. Rechts grenzt das Gemeindezentrum an. Nähert man sich dem Gotteshaus, so erhält man den Eindruck von "Chaos" - und das ist gewollt. Die schwere dunkle Eingangstür aus Bronze ist deformiert, die Ausbuchtungen wirken irgendwie beunruhigend. In der Mauer links hat jeder Stein eine andere Größe. Die Steine sind unregelmäßig angeordnet, einige lugen aus der Mauer hervor. Die Architektenbrüder Kirchhoff haben die Christuskirche als Schutzhöhle Gottes entworfen und der Weg dort rein führt durch eine Tür, die das Chaos der Welt symbolisiert: "Mit der Geburt geht der Mensch aus der Urhöhle in den ersten Schock des Lebens. Er sucht Schutz, Liebe und Geborgenheit", erklärt Pfarrer Pahlke. Die Christuskirche ist mittlerweile als modernes Baudenkmal eingestuft, die Architekten erhielten zahlreiche Preise.

Blick in die "Schutzhöhle Gottes": Die gigantische Kuppel der Christuskirche neigt sich bis auf den Boden. So entsteht beim Besucher ein Gefühl der Geborgenheit. Die Schalltrichter an der Decke werden illuminiert - ein spektakulärer Anblick. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Die Christuskirche ist ein lutherischer Bau, die Wortpredigt steht im Zentrum. Die Raumelemente sind auf den Steinaltar ausgerichtet, hinter dem Altar steht ein Kruzifix, links das Taufbecken, rechts die Kanzel. Auf dem Altar zieren vier Kerzen für die vier Evangelien den Tisch, eine Bibel liegt dort aufgeschlagen. Die Holzbänke sind wie Fischgräten angeordnet. Der Saal bietet Platz für rund 350 Personen, dieser wird für das Jubiläum durch zusätzliche Stühle auf 600 aufgestockt.

An der Decke sind Schalltrichter mit Lichtkomponenten versetzt angeordnet. "Dank der guten Akustik kann man jedes Geflüster der Konfirmanden auf den Bänken hören", verrät Pfarrer Pahlke. Die Seitenwände sind durch schwarze Lamellen strukturiert, das Glas milchig und teils grün gefärbt. Eine Steintreppe führt hinauf zur Empore. Dort steht die Von-Beckerath-Orgel, die 1965 eingeweiht und diesen Herbst für 80 000 Euro restauriert wurde.

Architektonisch ist die Kirche nicht "alltäglich". Dennoch herrscht in dem modernen Sakralbau eine typische Kirchenatmosphäre von Reinheit und Ordnung, trotz der Raumhöhe ein Gefühl von Geborgenheit. Wenn man eintritt, die "Chaostür" ins Schloss fällt, kann man die Ruhe und Stille des Gebäudes aufnehmen. Man lässt die Welt hinter sich, die nicht immer einfach zu verstehen ist. Kraft tanken und Schutz suchen unter dem Dach Gottes - das ist die Aussage der Christuskirche und erklärt die Spitznamen, die im Volksmund kursieren: "Schlumpfkirche", "Eierkirche" und "St. Schildkröt".

(RP)