Meerbusch: 2012: Das Jahr des Bürgerprotests

Meerbusch: 2012: Das Jahr des Bürgerprotests

Rückblick: Von Schulschließung bis Konverter – Noch nie gab es in Meerbusch so einen geballten Bürgerprotest wie in diesem Jahr.

Rückblick: Von Schulschließung bis Konverter — Noch nie gab es in Meerbusch so einen geballten Bürgerprotest wie in diesem Jahr.

Die Konvertergegner füllten Anfang Dezember den Osterather Kirchplatz mit Demonstranten. Foto: Ulli Dackweiler

Barbara-Gerretz-Schule Zwei Protestwellen sind in diesem Jahr durch Osterath geschwappt, die es dort so noch nie gegeben hat. Die erste wurde ausgelöst, als die Rheinische Post im Januar berichtete, dass der Plan zur Schließung der städtisch-katholischen Barbara-Gerretz-Schule auf der Tagesordnung des nichtöffentlichen Arbeitskreises Schule stehe. Grund: sinkende Schülerzahlen. Eltern fürchteten eine "Hinterzimmer-Entscheidung" der Politik und organisierten umgehend Protest und Gegenmaßnahmen. Das war zu erwarten, überraschend war allerdings die Kampagnenfähigkeit der Elterninitiative. Die ließ sich im Juni nicht von der breiten Ratsmehrheit aus CDU, Grünen, SPD und FDP für das Auslaufenlassen der Schule entmutigen, sondern kämpfte weiter — unterstützt von Abweichlern aus der CDU sowie von UWG und Zentrum. Beim von ihnen eingeleiteten Bürgerbegehren sammelten die Eltern 5500 Unterschriften für den Schulerhalt und erzwangen so Meerbuschs ersten Bürgerentscheid. Vom 6. bis 12. Januar sind nun alle Meerbuscher aufgerufen, an den Wahlurnen der drei Bürgerbüros über das Schicksal der Barbara-Gerretz-Schule zu entscheiden. Die Briefwahl ist bereits angelaufen — ebenso wie ein heftiger Wahlkampf mit Flugblättern und reichlich Streit.

Gegen ein Logistikzentrum und eine Anbindung des Krefelder Hafens über Meerbuscher Gebiet erhob sich im November Bürgerprotest. Foto: UD

Konverter Rund 390 Millionen Euro könnte er kosten: Der 200 x 100 Meter große, 20 Meter hohe Stromkonverter, den Netzbetreiber Amprion am Ingerweg im Süden Osteraths plant — etwa 300 Meter von Wohnbebauung entfernt. Es wäre Meerbuschs mit Abstand größtes Gebäude. Unerwartet ist der Stadtteil so im Herbst zu einem der wichtigsten Orte der Energiewende in ganz Deutschland geworden. Die Station soll Bindeglied zwischen der Stromleitung von der Nordsee mit der Trasse nach Philippsburg sein und dazu dienen, Braunkohlestrom in die neuen, hocheffizienten Gleichstrom-Leitungen einzuspeisen. Amprion machte seine Pläne erst vor wenigen Wochen öffentlich und ließ detaillierte Fragen der Stadt lange unbeantwortet. Nun stemmen sich eine Bürgerinitiative und Meerbuschs Rat und Verwaltung gemeinsam gegen den Standort des Riesenprojekts. Teilerfolg: Laut Bundesbedarfsplan Strom, muss der Konverter nicht in Osterath entstehen. Er könnte auch an einem anderen geeigneten Standort im Umland gebaut werden.

Logistikzentrum Der Hafen in Krefeld-Uerdingen sucht nach neuen Flächen. "Es gibt in der Region fast keine für Logistik geeigneten Flächen mehr, die an Häfen angedockt sind", sagte IHK-Hauptgeschäftsführers Dieter Porschen im November im Planungsausschuss. In Meerbusch/Krefeld ergebe sich die Chance, Verkehr von der Straße aufs Wasser zu holen. "Neue Logistik-Ansiedlungen schaffen 500 bis 1000 Arbeitsplätze pro Fall", sagte Porschen. Die Krefelder liebäugelten mit der Idee, das Logistikcenter über die Kreisstraße K1 auf Meerbuscher Gebiet an die A57 anzubinden. Rund 150 Gegner des Logistikzentrums hatten sich bereits eine halbe Stunde vor der Sitzung am Bürgerhaus Lank eingefunden. Das Bürgerinteresse war so groß, dass die Redebeiträge ins Foyer übertragen wurden. Die Politik lehnte den Plan einstimmig ab.

(RP/ac)
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