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Leverkusen: Zivilcourage im Alltag zeigen - wie geht das eigentlich?

Leverkusen : Zivilcourage im Alltag zeigen - wie geht das eigentlich?

Wie sieht es mit Zivilcourage aus? Gibt es sie überhaupt noch? Oder hat ein neues gesellschaftliches Klima dazu geführt, dass man sich nicht mehr einmischt? Mit diesen Fragen haben sich die Schüler der Courage-AG des Landrat-Lucas-Gymnasiums intensiv beschäftigt. Höhepunkt war nun ein der Besuch von zwei Schauspielern, die genau zu diesem Thema ein Stück entwickelten.

Beatrix Veenstra, die durch den Caritas-Verband den Kontakt herstellte, schmiss bunte Papierschnipsel im Klassenraum von Britta Hackstein, die die AG betreut. Doch diese Schnipsel wurden im Theaterstück zu fiktiven Zigarettenstummel, die "Herr Schröder" alias Jürgen Albrecht mit dem Kehrbesen lautstark beseitigte. Schuld seien doch die neuen Ausländer, die gerade in die Nachbarschaft gezogen seien. Schnell übertrieb er, verallgemeinerte und erstellte Horrorszenarien: "Erst schmeißen sie mit Zigarettenstummel, dann zünden sie unsere Häuser an" oder "Wer sich jetzt schon so danebenbenimmt, macht am Ende alles noch schlimmer" waren dabei die harmlosesten Aussagen.

"Frau Mutig" alias Karin Kettling versuchte zu beruhigen, die Vorwürfe zu entkräften und konkrete Lösungen vorzuschlagen. Am Ende gingen beide auseinander, ohne das Problem wirklich gelöst zu haben. Nach dem Stück wurde mit den Schülern gemeinsam erarbeitet, wie sie selbst mit solchen Situationen umgehen. Personen, die gerne Stammtischparolen abgeben würden, wirkten meist cholerisch, emotional, abwertend, übertrieben und verallgemeinernd, stellten sie fest. Mit ihrem schnellen, lauten und aggressiven Auftreten würde alles immer sehr negativ klingen. Das mache unsympathisch und oftmals hätten die Schüler dann auch ein Schamgefühl entwickelt. "Ich schäme mich dann richtig für diese Person", erklärt einer der Schüler.

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Zum Abschluss schlüpften sechs Oberstufen-Schüler in die Rollen von Herrn Schröder und Frau Mutig und stellten fest, wie einfach es ist, solche Stammtischparolen von sich zu geben. "Wir haben uns einfach in Rage geredet, ohne groß darüber nachzudenken, ob das Sinn ergibt", erzählt einer der Herr Schröder-Protagonisten. Hingegen hatte die andere Seite das Gefühl, dass ihr Argumente fehlen: "Das war schon irgendwie erniedrigend. Ich hatte gar keine Chance zu argumentieren", erinnerte sich eine Schülerin im Anschlussgespräch. "Völlig normal", erklärte Karin Kettling, die darauf aufmerksam machte, dass sie eigentlich genau richtig reagiert hatten. Sich nachdenklich geben, der Gegenpartei zuhören, logisch und ruhig argumentieren und nicht kneifen, zählen zu den wichtigen Punkten, um Menschen mit Stammtischparolen selbstbewusst zu begegnen.

(hawk)