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"Zitronen, Zitronen, Zitronen" hatte im Jungen Theater Leverkusen Premiere.

"Zitronen, Zitronen, Zitronen" im Jungen Theater Leverkusen : Von der Macht der Sprache in der Zweisamkeit

Das Ensemble des Jungen Theaters Leverkusen meldet sich mit mit dem Zwei-Personen-Stück „Zitronen, Zitronen, Zitronen“ aus der Corona-Pause zurück.

Mit „37“ betritt sie die Wohnung nach Feierabend. Worauf er beispielsweise mit „84“ antwortet. Die Zahlen variieren täglich. Eine seltsame Begrüßung. Die Zuschauer im Kulturausbesserungswerk (KAW) wundert es nicht, denn sie haben mitbekommen, dass in dieser fiktiven Welt die Mehrheit der Bevölkerung für eine gesetzliche Limitierung der gesprochenen Worte gestimmt hat. Nun gilt für alle: 140 Worte pro Tag und Person. Das ist nicht viel, zumal ein Teil im Berufsleben verbraucht wird, da bleibt nicht viel für private Zweisamkeit.

Mit dem Zwei-Personen-Stück „Zitronen, Zitronen, Zitronen“ von Sam Steiner meldet sich das Ensemble des Jungen Theaters Leverkusen aus der schauspielerischen Corona-Limitierung zurück. Die Zeit der totalen Lockdowns und vorsichtigen Lockerungen mit erheblichen Einschränkungen hat uns immerhin gelehrt, dass vorher undenkbare Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte in einer demokratischen Gesellschaft durchaus möglich sind und keineswegs Science Fiction.

Vielleicht rührt das Sujet des Stückes auch deswegen unmittelbar an. Zwar durften die (in der Zahl limitierten und getesteten) Besucher im KAW an diesem Wochenende die Masken am numerierten Platz abnehmen (das kann bei weiter steigender Inzidenz schnell anders sein), doch galt für Vega Fenske und Niklas Didschun auf der Bühne striktes Berührungsverbot.

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Das mag irritieren bei einem Beziehungsstück, aber die Zuschauer wundert ja nach eineinhalb Jahren Pandemie kaum noch etwas. Als die Limitierung der gesprochenen Worte in Kraft trat, hatte sich in der Zweisamkeit von Bernadette und Oliver schon eine gewisse Sprachlosigkeit eingestellt. Probleme wurden auf später oder morgen verschoben und plötzlich erschwerte die Verordnung eine offene Kommunikation. Oder ist es sogar ein Vorteil, wenn man Worte sehr bewusst wählen muss, weil sie so kostbar sind?

Die klare und bewusst schlichte Inszenierung von Petra Clemens unterstreicht, worum es in diesem Stück geht: die Macht der Sprache. Konsequent wurde auf Kostüme verzichtet, beide erscheinen im hautengen schwarzen Trikot. Und Hinweise auf besondere Kleidung, wie etwa die pinken Glitzer-High-Heels, die Bernadette zum ersten richtigen Date trägt, sind nicht wirklich sichtbar, sondern nur Beschreibung auf einem Schild. Diverse graue Holzwürfel schieben und stapeln die Protagonisten selbst Szenenweise nach Bedarf. Der Titel des Stücks „Zitronen, Zitronen, Zitronen“ sind die Worte, die Bernadette schließlich völlig sinnlos vergeudet, weil ihr Kontingent für eine echte Aussprache ohnehin nicht reicht.

Die Vorstellung wird am 17. und 18. August (jeweils 19 Uhr) im KAW wiederholt, dann allerdings mit den Ensemble-Mitgliedern Asena Lappas und Finn Faust.