Rheindorf: Zeitzeuge beeindruckte Käthe-Kollwitz-Schüler

Rheindorf: Zeitzeuge beeindruckte Käthe-Kollwitz-Schüler

Etwas besorgt schaute Michail Trejster vor seinem Vortrag in die Runde von Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule. Nicht sicher, ob ihm die Schüler der 10. Klasse Aufmerksamkeit schenken würden, berichtete der jüdische Weißrusse gestern von seinem Leiden im Minsker Ghetto und der Zeit als Partisan.

Im neunten Jahr in Folge lud die Gesamtschule einen Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs ein. Vermittelt durch das Maximilian-Kolbe-Werk entstand der Kontakt zu Michail Trejster, dessen Tochter in Leverkusen wohnt. "Ein Gespräch ist vielleicht die einzige Möglichkeit, die Jugendlichen zum Nachdenken anzuregen, denn die Zeit des Kriegs scheint ihnen sonst weit weg", sagte Trejster, stets aus dem Russischen übersetzt.

Doch entgegen seiner anfänglichen Sorge, fand er in den Jugendlichen aufmerksame Zuhörer. Erst 14 Jahre alt war Trejster im Jahr des Kriegsausbruchs, doch er hatte Verantwortung zu tragen, wie ein Erwachsener. Als die Nazis ihn mit Mutter und Schwester 1941 im Minsker Ghetto inhaftierten, behauptete er, zwei Jahre älter zu sein, um arbeiten zu können. Zwei Jahre lang wurde er jeden Tag mit dem Tod konfrontiert. "Nur ein oder zwei Prozent überlebten die Ghettos. Vor euch steht ein solches Prozent", sagte Trejster. 1943 gelang es ihm, aus dem Ghetto zu fliehen. Ein Jahr lang kämpfte er als einer von 340 000 Partisanen im Land für den Widerstand und überlebte die Zeit größtenteils in den weiß-russischen Wäldern.

Die Verantwortung der Jugend

Nur selten fiel gestern der Begriff "Deutsche". "Es war nie das deutsche Volk schlecht, sondern allein die Nationalsozialisten", sagte Trejster. Ebenfalls rational betrachtet er die Situation heute: "Die junge Generation trägt keine Verantwortung für die Vergangenheit, jedoch die für die Gegenwart und die Zukunft", sagte er und stellte sich dann offen den Fragen der Schüler.

(RP)