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Zeitkapsel in der Christuskirche in Leverkusen mit Gruß in die Zukunft

Christuskirche : Goldene Kugel mit Gruß in die Zukunft

Im letzten von vier Bauabschnitten wird derzeit der Turm der Wiesdorfer Christuskirche saniert.

„Hallo, ihr Menschen in der Zukunft“ grüßen rund 100 Gemeindemitglieder der evangelischen Christuskirchengemeinde in einem Brief. Adressaten sind Unbekannte, die irgendwann die goldene Kugel unter dem Kreuz auf der Spitze des Christuskirchen-Turms öffnen. Vielleicht, wenn in 50 oder 100 Jahren die nächste Sanierung des Dachstuhls anstehen sollte.

Pfarrer Detlef Prößdorf packte am Mittwoch noch zwei aktuelle Tageszeitungen dazu, ein Feature von Radio Leverkusen (in gedruckter Form und auf USB-Stick) sowie zwei Gemeindebriefe aus diesem Jahr. Dann wurde der Blei-Zylinder zugelötet und samt den zwei vergoldeten Kugel-Teilen in luftige Höhen gebracht. Dachdecker Ralf Krings, der spezialisiert ist auf die Sanierung von denkmalgeschützen Kirchendächern wie diesem aus dem Jahr 1904, hatte dabei Begleitung. Nicht nur von den Mitarbeitern, die sich auf die Bearbeitung von Schiefer verstehen, die immer noch genauso in Handarbeit erfolgt wie vor einem Jahrhundert, und Architektin Annetraut Papke, sondern auch von Pfarrer, Baukirchmeister Renke Mottweiler und eingeladenen Journalisten.

Das erste Stück bis zur Höhe des Kirchendaches war noch eine leichte Übung, denn es ging per Bauaufzug, der am Gerüst links der Kirchentür installiert ist. Auf dieser Ebene hat man bereits eine eindrucksvolle Rund-um-Sicht über die ganze Stadt bis ins Bergische auf der Ostseite, zum Siebengebirge im Süden und den Kraftwerken der Rheinischen Braunkohle im Westen. Vom Kölner Dom sind die beiden hohen Spitzen zu sehen, der Blick auf die ganze Kathedrale ist erst nach einem mühevolleren Aufstieg über einige schmale Leitern frei.

Aber die Mühe lohnte sich, fanden nicht nur die Fotografen, die diese Gelegenheit nutzten. Nicht nur, um den Augenblick festzuhalten, als Ralf Krings die beiden Kugelteile mit der Urkunden-Kapsel in ihrer Mitte zusammenschraubte. Bei noch bestem Wetter hatten sie perfekte Sicht und die Handwerker konnten noch komfortabel die letzten Schieferschindeln bearbeiten und befestigen, bevor in den nächsten Tagen bereits mit dem Rückbau der obersten Gerüstteile beginnen.

Vorher werden noch zwei neue Nistkästen für gefiederte Kirchenbewohner aufgehängt. Einer soll Turmfalken, der andere Mauerseglern als Brutstätte für ihre Jungen dienen. Die Sanierung der Klinker am Turm wird noch bis Herbst dauern. Alle Zwischenräume müssen gesäubert, Steine teils erneuert und schließlich alles neu verfugt werden. Zum 1. Advent sollen die letzten Spuren der Sanierung beseitigt sein. Noch geht Detlef Prößdorf davon aus, dass sowohl der angepeilte Zeitrahmen als auch die Kostenschätzung eingehalten werden. Das Presbyterium geht von 1,7 Millionen Euro für die gesamte Maßnahme aus. Unterstützung haben die Stiftung Denkmalschutz und der Landschaftsverband Rheinland zugesagt, doch die Hauptlast wird die Evangelische Kirchengemeinde Leverkusen-Mitte tragen müssen.