Leverkusen: Yukon - wo Büffel am Highway grasen

Leverkusen : Yukon - wo Büffel am Highway grasen

Die Polizisten Julia Becker und Hans-Dieter Husfeldt berichten von ihrem Lebenstraum: einmal durch Amerika auf dem Motorrad (3).

Yukon — larger than life. So lautet der Slogan, mit dem der nördlichste Staat Kanadas wirbt. Größer als das Leben — das stimmt! Egal, von welcher Seite man es betrachtet. Der namensgebende Fluss ist riesig breit, hat eine enorme Fließgeschwindigkeit, der Staat selbst ist flächenmäßig riesig, und die Entfernungen, die zwischen den Siedlungen liegen, sind weit.

So kommt es auch, dass ich täglich um die 500 Kilometer fahre. Eine Tagesetappe in Europa würden für mich 200 bis 250 Kilometer bedeuten. Aber es ist nicht nur die Dimension dieses Landes, es sind die Landschaft, die Tiere und das Gefühl, dass man hier vom "Goodwill" der Natur abhängig ist. Ich achte besonders darauf, dass ich immer ausreichend Benzin im Tank und im Zusatzkanister habe und dass ich ausreichend Wasser mitführe. Obwohl letzteres sicher kein Problem werden wird, da es unzählige Flüsse und Seen gibt und ich vorsichtshalber ein Mittel dabei habe, mit dem ich Flusswasser für meinen verweichlichten Magen genießbar machen kann.

Mein Weg führt mich von Dawson City aus gen Süden. Ich fahre über Whitehorse Richtung Watson Lake. Schilder warnen: "Vorsicht Bisons!" Nach wenigen Kilometern sehe ich große Tiere, die langsam am Highwayrand trotten. Aber die sind weiß, gefleckt braun und schwarz. Büffel sind doch immer dunkelbraun? Als ich näher komme, laufen acht Pferde brav hintereinander auf dem Standstreifen. Wieder etwas weiter läuft ein Seeotter über den Highway. Ich sehe Schwarzbären am Rand und traue mich nicht, anzuhalten, um ein Foto zu machen.

Wieder ein paar Kilometer weiter sehe ich ihn: einen riesigen Bison in einem Sandloch. Was für ein imposantes Tier! Ich traue mich, halte circa 100 Meter weiter in einer Anhaltebucht an, steige ab und gehe mit Kamera und Teleobjektiv auf ihn zu. Dabei spreche ich mit ihm, damit er nicht erschrickt. Als er aufsteht, den Kopf herunternimmt und mit den Hufen scharrt, weiß ich, es ist Zeit zu gehen. Etwa 300 Kilometer weiter stehe ich in einer ganzen Herde Bisons. Tolle Tiere!

Irgendwann ist selbst das Yukon-Territorium zu Ende, und ich fahre nach British Columbia ein. In Fort Nelson campiere ich, zum ersten Mal mit ausgiebigen Regenfällen. Dennoch sind die Mücken da! Und so kommt es, dass ich am Morgen mein Zelt nass zusammenpacken muss. Während des Einpackens werde ich von mehreren Mücken gestochen und mache einen schwerwiegenden Fehler. Ich drehe die Schrauben, mit denen mein rechter Koffer am Motorrad befestigt ist, nur mit der Hand fest und vergesse, sie noch mal mit dem Inbus nachzuziehen — menschliches Versagen. Leider merke ich das zunächst nicht. Der Regen wird immer stärker, und mir ist so kalt, dass ich zu bibbern beginne. Die Sicht ist auch nicht gerade überragend. Jeder Truck, der mir entgegenkommt, bringt zusätzlich einen Schwall Wasser mit.

Nach circa 400 Kilometern, 30 Kilometer vor Dawson Creek, überhole ich auf einer zweispurigen, ansteigenden Highwaystrecke einen langsamfahrenden Lkw. Als ich wieder nach rechts einschere, gibt es einen Schlag, das Motorrad fängt an zu schlingern, und ich habe große Mühe, nicht zu stürzen. Der rechte Koffer hat sich während der Fahrt losgeruckelt und ist weggeflogen.

Die plötzliche Gewichtsveränderung hätte mich fast stürzen lassen. Ich kann das Motorrad geradeziehen und am rechten Fahrbahnrand anhalten. Mit zitternden Knien steige ich ab und gehe in Richtung Truck, der auch angehalten hat. Meinen Koffer sehe ich nicht mehr — der liegt wohl unter dem Lkw, denke ich. Doch der Beifahrer ruft mir zu, sie würden den Koffer bringen! Er hatte gestoppt und meinen Koffer aufgeladen. Als sie bei mir ankommen, schlagen die beiden Fahrer vor, dass sie mir den Koffer nach Dawson Creek fahren und dort am Subway abladen. Gesagt, getan.

In Dawson Creek frage ich die beiden, ob ich sie zum Essen einladen darf. "Nein — wir müssen weiter!" Dann frage ich, ob ich ihnen Geld geben darf. "Na hör' mal! Wenn du das nächste Mal jemanden auf der Straße siehst, der Hilfe braucht, dann hilfst du dem — dann sind wir quitt!" Ein breites Lächeln in einem sonnengegärbten Gesicht, und weg sind die beiden. Ich könnte heulen.

Vom Jasper-Nationalpark fahre ich durch den Süden Kanadas, der wiederum anders, aber auch schön ist. Hier werden vorwiegend Gemüse und Früchte angebaut. Alles ist etwas europäischer hier. Vorbei an dem Olympiaort Whistler geht es in Richtung Vancouver. Dort hat sich ganz kurzfristig mein Freund zu einem Besuch angekündigt. Gemeinsam wollen wir die Stadt kennenlernen. Was für eine tolle Abwechslung! Endlich wieder vereint und dann der Gegensatz zu der Einsamkeit im Norden Kanadas.

Vancouver polarisiert, eine tolle, sehenswerte Stadt. Sie hat es geschafft, alte Gebäude, Häuser aus den 70ern und neue, verspiegelte Hochhäuser so miteinander zu verbinden, dass es einfach nur klasse aussieht.

(wird fortgesetzt)

(RP)
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