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Leverkusen: Wolfgang Orth: Goldschmied mit Jazz-Faible

Leverkusen : Wolfgang Orth: Goldschmied mit Jazz-Faible

Zum zehnten Mal findet in diesem Jahr die Leverkusener Kunstnacht statt. Wir stellen in loser Reihenfolge Teilnehmer vor.

Am Freitag, 24. Oktober, wird zwischen 18 und 24 Uhr an 45 verschiedenen Orten Kunst präsentiert, oft verbunden mit Musik, Literatur und Unterhaltung. Wie in den Vorjahren können Besucher kostenlos die vier Shuttlebus-Linien nutzen. Das "Topos" ist von Anfang an als Kunstort dabei. Im Jubeljahr stellt dort Inhaber und Veranstalter Wolfgang Orth selbst seine neuen Arbeiten aus.

"Eigentlich sollte ich Musiker werden, so wie mein Bruder", erzählt Wolfgang Orth. Als Siebenjähriger kauften ihm die Eltern eine Dreiviertelgeige. Aber seine "Karriere" nahm ein abruptes Ende nach seinem ersten Vorspiel im Weihnachtskonzert des CD-Gymnasiums. "Das war scheußlich", versichert Orth, der aus Wut und Frust zu Hause auf den Geigenkasten sprang.

Das Instrument hat es nicht überlebt und Orth kassierte seine einzigen Prügel. Dass seine Fähigkeiten auf einem anderen künstlerischen Gebiet liegen, zeigte sich bald danach, als er in Köln seinen Onkel Hanns Rheindorf, der restaurierte unter anderem den Drei-Königs-Schrein, besuchte. Der kleine Wolfgang stellte sich geschickt im Umgang mit Silber an und arbeitete dort sein erstes Schmuckstück: ein Armband für seine Mutter.

Orth ist ausgebildeter Goldschmied und hat neben seiner Tätigkeit als Wirt und Jazz-Veranstalter immer künstlerisch gearbeitet. Seine letzte große Ausstellung ist schon Jahre her, damals existierte die Galerie am Werk gegenüber seinem Lokal noch. Zur 10. Leverkusener Kunstnacht zeigt er allerdings nur neue Arbeiten, die sich deutlich von den früheren unterscheiden. "Stilistisch bin ich nicht festgelegt", erklärt Orth, und "Ich bin Ästhet, ich spiele mit Materialien und mit der Freude am Leben."

Sichtbar wird das beispielsweise in einer Serie von Mobiles, die eindeutig von seinem großen Vorbild Alexander Calder inspiriert sind. Als 16-Jähriger habe er sich in diese bewegte Kunst verliebt und baue sie heute noch mit Begeisterung. Seine "Musen" und die abstrakten neuen Materialbilder, für die er Teile von Orangenkisten aussägte, übereinander arrangierte und teils übermalte, zeugen von der intensiven Beschäftigung mit anderen großen Künstlern des 20. Jahrhunderts: Klee, Matisse und Picasso.

Dennoch hat Wolfgang Orth seine eigene künstlerische Formsprache gefunden, die fast immer etwas mit Musik zu tun hat. Neben Farbe, Rhythmus, Dynamik und Bewegung sind manchmal ganz klar Instrumentenformen erkennbar, auch Teile einer Geige (ein Hinweis auf das Kindheitserlebnis?) oder eines Kontrabasses. Passend zu seinen Materialbildern hat er Miniaturen aus Silber mit gefassten Steinen, Holz- oder Schiefereinlagen geschaffen, die sich sowohl als Brosche oder Kettenanhänger tragen lassen. Unten neben der Topos-Theke läuft eine Präsentation mit seinen neueren Werken über den Bildschirm, oben sind die Arbeiten im Original zu sehen.

(mkl)