Leverkusen Wirte fürchten Kneipenkollaps

Leverkusen · Das im Landtag zurzeit diskutierte absolute Rauchverbot stößt in Leverkusen auf großen Widerstand. Den Wirten drohen 20 Prozent weniger Umsatz – für einige Kneipen würde das neue Gesetz das Aus bedeuten.

Rauchstopp: Wie schnell sich der Körper erholt
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Foto: DAK/Hanuschke+Schneider, gms

Das im Landtag zurzeit diskutierte absolute Rauchverbot stößt in Leverkusen auf großen Widerstand. Den Wirten drohen 20 Prozent weniger Umsatz — für einige Kneipen würde das neue Gesetz das Aus bedeuten.

Andrea Schäfer zieht die Mundwinkel nach unten und rümpft die Nase. Auf das geplante Rauchverbot in den Kneipen NRWs reagiert sie ein wenig wie ein Nichtraucher, wenn er im Dunst von Zigarettenqualm das Atmen wagt. Die Botschaft ist klar: "Ich bin dagegen", sagt die Inhaberin vom "Alten Rathaus". "Bierhaus"-Chef Ljapco Dzagaduroski schüttelt nur mit dem Kopf. Er sieht im absoluten Rauchverbot den Tod der Branche. "Wenn das Gesetz kommt, haben die rustikalen Kneipen keine Chance — dann muss ich zu machen."

Die rot-grüne Landesregierung plant einen umfassenden Nichtraucherschutz, der noch Mitte 2012 wirksam werden soll. Im Gaststättenbereich soll dann ein "uneingeschränktes Rauchverbot" gelten — ohne Ausnahmen. Selbst die Einrichtung von Raucherräumen sei dann "nicht mehr möglich", heißt es im Gesetzentwurf der Regierung von Hannelore Kraft (SPD).

20 Prozent weniger Umsatz

Nun schlagen die Gegner Alarm: "Dieser Entwurf setzt die Kneipenlandschaft in Leverkusen und damit ein Stück Kultur aufs Spiel", sagt Ernst Busch, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Leverkusen. Thorsten Hellwig, Pressesprecher der Nordrheingruppe des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, teilt die Sorge von Wirt Dzagaduroski. "Für viele Wirte geht es bei ohnehin nicht hohen Umsätzen um die Existenz", sagt er.

Hellwig verweist dabei auf eine Berechnung des Gastgewerbe-Beratungs-Service Neuss, in der der Umsatzrückgang in Kneipen ohne und mit Rauchverbot geschätzt wird (siehe Grafik). Laut den Errechnungen bliebe den Wirten durchschnittlich statt 1633 Euro nur noch ein Monatseinkommen von 1133 Euro — und das vor Steuern und Sozialversicherung. "Die Wirte verlieren 20 Prozent", sagt Hellwig.

Dabei stört Andrea Schäfer vor allem die Philosophie hinter den Plänen: "Dass Nichtraucher geschützt werden, ist ja in Ordnung und richtig — bei den neuen Plänen aber werden die Menschen bevormundet." Hellwig nennt die Pläne Auswüchse einer "Verbotskultur". Ein Verbot ohne Not, schließlich habe Leverkusen auch ein breites Angebot für Nichtraucher, sagt Busch.

Wenn das Verbot kommt, werden die Raucher bei Wirtin Schäfer verstärkt auf die Terrasse ausweichen müssen. Ansonsten baut Schäfer auf ihre Erfahrungen im Ausland. "Die Menschen werden sich dran gewöhnen — wie in Spanien, wo ich lange gelebt habe", sagt Schäfer. Dzagaduroski glaubt da nicht dran: "Ich habe 95 Prozent Raucher. Wenn die nicht mehr kommen, wird es schwer. Sehr schwer."

(RP/rl/anch)
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