Leverkusen: „Wir müssen uns nicht verstecken“

Leverkusen: „Wir müssen uns nicht verstecken“

Bayer-Hochhaus Axel Fischer steht ganz oben. In der Hierarchie des Unternehmens Bayer Gastronomie. Und an diesem windig-wolkigen Augustmorgen auf dem Dach der ehemaligen Konzernzentrale von Bayer. „Aufregend hier oben, gefühlte 149 Meter“, sagt Fischer und nimmt auf dem Sofa Platz. „Aber nicht schwindelerregend.“ Höhenangst kenne er nicht.

Der Geschäftsführer im blauen Anzug mit modischer Krawatte behält gern den Überblick über seine Firma. Und den hat er hier oben im wahren Wortsinn. Von hier aus kann der 62-Jährige den größten Teil seines Reiches sehen: Die Betriebsrestaurants im Chempark, der EVL und der Sparkasse, im Westen die Hallen der KölnMesse, im Norden den Rhein entlang erahnt man am Horizont den Chempark in Dormagen, irgendwo dahinter liegt der in Krefeld. Im Nord-Osten zeichnen sich die Hügel des Bergischen ab, in die sich die Häuser der Anlage Große Ledder schmiegen – Tagungsort, Restaurant, und Ausflugsort zugleich.

Der Vorstand hat eigene Köche

Axel Fischer, seit 13 Jahren im Konzern, hat aus den nüchternen Wirtschaftsbetrieben der Bayer AG – Fischer: „Dieser Name klang so fürchterlich nach Autohof“ – die ausgegliederte Bayer Gastronomie gemacht, ein Unternehmen, das mit 65 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2007 weit mehr ist als die Betreiberin von Werkskantinen. Aber auch die zählen zum Tagesgeschäft, auch wenn sie jetzt Betriebsrestaurants heißen. „16 000 Essen gehen in unseren Betriebsrestaurants am Tag raus“, hat Fischer Zahlen parat. Er plaudert unbefangen: „Ob der Bayer-Vorstand einen Koch hat? Mehrere“, sagt er lächelnd. „Für Vorstand und Gäste. Da wird gerne gut bürgerlich gegessen, aber auch Salate, viel gebratener Fisch“, verrät Axel Fischer. „700 feste Mitarbeiter, in diesem Jahr 124 Auszubildende in sieben Berufen. Seit Mai vergangenen Jahres haben wir ja auch die Bewirtschaftung des Erholungshauses übernommen – inklusive der Technik. Zum ersten Mal haben wir jetzt einen Azubi zum Veranstaltungstechniker.“ Je nach Auslastung, etwa wenn Messebetrieb in Köln ist, kommen zum regulären Team noch 800 Aushilfen hinzu.

Neben der Bewirtung von Messegästen, Restaurantbesuchern in Große Ledder, im Calcio oder im Erholungshaus, Hotelgästen, Firmenmitarbeitern und Bayer-04-VIP-Gästen, bietet Fischer unter anderem einen Konferenzservice an – auf Wunsch mit eigenen Räumlichkeiten. „Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass wir im Kasino unser ,Rheinisches Parlament’ eingerichtet haben“, sagt Fischer. Dessen bestechendstes Merkmal, ein voluminöser runder Tisch im Stile von König Artus’ Tafelrunde, darf von jedem, der eine Konferenz abhalten möchte, in Anspruch genommen werden. Ebenso das Eventcatering-Angebot – gleich, ob für ein Firmenereignis mit 10500 Gästen oder „ob Sie daheim ein Catering für zwei Personenn haben wollen“, lässt der 62-Jährige alle Spielräume offen. „Natürlich ist der Umsatz wichtig, entscheidend ist für uns aber, dass wir Qualität abliefern, dass sich unsere öffentlichen Restaurants nicht vor anderen verstecken müssen.“

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2009 auch noch Bayer-Schering

Apropos Räume. Fischers Lieblingsräume liegen im Keller. Im Weinkeller von Bayer. Den hat Axel Fischer vom „Lagerschuppen zu einer „excellenten“ Weinkellerei umgewandelt, aus 350 Sorten sind über 1000 Sorten geworden. „Der Weinkeller war damals fast nicht mehr verantwortbar, weil Bayer jede Flasche subventionieren musste. Als ich zu Bayer kam, schlug ich eine Offensivstrategie vor, um den Weinkeller zu retten“, erinnert er sich.

„Das heißt: Wir mussten Geld anpacken, um- und ausbauen, weiteres qualifiziertes Personal einstellen. Der Verkauf wirft gute, keine großen Gewinne ab. Aber heute kommt ein Teil der guten Reputation aus diesem Bereich.“

Der Ruf der Bayer Gastronomie hat sich rumgesprochen: Heute entwickelt und verkauft die Firma auch Gastro-Konzepte für und an andere Unternehmen. Und: Der Ruf schallt 2009 bis nach Berlin. Dort soll die Bayer-Gastronomie die Versorgung der Bayer-Schering-Mitarbeiter übernehmen. Bis dahin reicht der Blick vom Bayer-Hochhaus dann leider nicht mehr.

(RP)
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