Leverkusen: Wintermärchen trifft Nomadenfamilie

Leverkusen: Wintermärchen trifft Nomadenfamilie

Eine Schau in der Galerie FlowFineArt vereint ab Sonntag Malerei, Fotografie und Bildhauerei. Winterlandschaften treffen auf kräftige Pinselstriche, auf Steinplastiken und auf schwarzweiße Momentaufnahmen von Menschen in Asien.

Während draußen vereinzelt Schneeflocken fallen und die Natur am frostigen Rheinufer noch im Winterschlaf verharrt, vermitteln die winterlichen Landschaften von Bettina Hartmann im Inneren der Galerie FlowFineArt die Charakteristik dieser Jahreszeit. Als Phase der Ruhe und Einkehr, der Besinnung und Rekreation ist der Winter Voraussetzung für ein Erwachen der Natur, Blüte- und Reifezeit.

Insofern steckt auch ein metaphorischer Gedanke hinter diesen auf Graunuancen reduzierten Bildern, die seltsamerweise erstaunlich farbig wirken, hat sich das Auge einmal auf die Stille eingelassen, die doch Philosophie dieses Hauses ist. Die Malerin vom Niederrhein, die schon zwei Mal mit weniger sanften und poetischen Werken in dem historischen Gebäude am Hitdorfer Rheinufer zu Gast war, arbeitet mit mehrschichtigen Farbaufträgen und klaren Linien, die sie als entschiedene Kratzungen in die Fläche setzt und damit - je nach Anordnung - aus abstrakten Bildern Landschaften entstehen lässt.

Wie zufällige assoziieren Verästelungen den Blick in eine Baumkrone, wenn sie vertikal ausgerichtet sind; liegen sie quer, so bilden sie eine Landschaft mit Höhen und Tiefen. Eine Reihung einzelner Striche auf der Horizontlinie erinnert an Gräser, eine entsprechend andere Anordnung lässt einen Weg erkennen, der tief in das Zentrum des Bildes hineinführt.

Die Striche sind mit Kraft in den Farbauftrag gekratzt, manchmal so kräftig, dass die Leinwandfäden wie bei Lucio Fontana zerschnitten wurden und sich das Bild in die dritte Dimension öffnet.

Die zweite Malerin, deren Bilder ab Sonntag in der Galerie FlowFineArt zu sehen sind, setzt einen echten Kontrapunkt zu diesen stillen Leinwänden. Sybille Hassinger benutzt starke Farbflächen und klare Formelemente. Dabei verbinden sich in diesen Bildern stets zwei Ebenen. Im ersten Arbeitsgang schafft sie sich in der Regel klare Strukturen, so wie sich jemand Linien auf dem Papier zieht, um später beim Beschreiben Orientierung zu haben. Sybille Hassinger nimmt sich im zweiten Arbeitsteil mehr gestische Freiheit und lässt schwungvolle Motive entstehen. Nicht mit ganz geplanter Pinselführung, sondern durch Farbschüttungen, die ein gewisses Maß an Freiheit und Zufall zulassen.

Der Steinbildhauer Johannes Dröge war mit seinen organisch geformten Marmorskulpturen schon mehrfach zu Gast. Dieses Mal stellt er mit drei ausgewählten Kolleginnen aus, die durchaus alle ihre eigene Handschrift haben, zwischen denen aber durchaus eine Verbindung festzustellen ist. Erstmals ist die Fotografin Claudia Kroth zu Gast, die sich auf Porträts spezialisiert hat. Ganz alleine hat sie sich Tibet, China und die Mongolei "erwandert". Immer auf der Suche nach Menschen, die sie in schwarzweißer Analogfotografie festhalten wollte. Den Bildern von Mönchen, Nomadenfamilien oder einem ganz einfachen Kaufmann im ländlichen China ist anzusehen, dass dies keine Schnappschüsse sind, sondern Aufnahmen, denen eine persönliche Begegnung - allen Sprachbarrieren zum Trotz - vorausging.

Sie sind Ausdruck von Geschichten, die Claudia Kroth in kurzen Texten beschreibt und von denen sie bei einem Fotoabend während der Laufzeit noch mehr erzählen möchte.

(mkl)