Willi Ostermanns Familie stammt aus Leverkusen

Familiengeschichte eines Karnevalisten : Willi Ostermann – der halbe Leverkusener

Mutter Gertrud Paas kam aus Steinbüchel, Vater Peter Ostermann gebürtig aus dem Sauerland. Geheiratet wurde in Schlebusch.

Was wäre der kölsche Karneval ohne Leverkusen? Provokant gesagt: ein ganzes Stück ärmer. Frontmann der Höhner ist Henning Krautmacher – Leverkusener, bei den Bläck Fööss singt Pit Hupperten – aus Leverkusen. Und auch Keyboarder Andreas Wegener kommt aus Leverkusen. Das Funkemariechen des Kölner Traditionskorps  Altstädter Carina Stelzmann und ihr Tanzpartner Philipp Bertram –  aus der Chemiestadt auf der Schäl Sick.

Und noch ein ganz Großer des kölschen Karnevals- und Heimatliedgutes ist zur Hälfte Leverkusener: Willi Ostermann. Seine Mutter nämlich, Gertrud Ostermann, war eine geborene Paas aus Wüstenhof bei Steinbüchel. Willis Vater Peter Heinrich Ostermann kommt gebürtig sogar daher, wo man angeblich zum Lachen in den Keller geht. Ja, genau. Aus Westfalen. Konkret aus Eiringhausen, heute ein Ortsteil von Plettenberg, Märkischer Kreis, Sauerland. Wenn Peter Heinrich nun auch noch verwandt gewesen sein sollte mit Heinrich Ostermann, 1687 in Bochum geboren, der in Russland unter Zar Peter dem Großen eine Diplomatenkarriere als Andrej Iwanowitsch Ostermann hinlegte und später gestürzt wurde – also dann wäre Willi Ostermann auch noch mit dem russischen Adel verwandt. Denn Andrej, der ungekrönte Kaiser Russlands, verheiratete seine Söhne in derlei Familien.

Alte Pfarrkriche Steinbüchel. Foto: Stadtarchiv Leverkusen

Es könnte aber auch sein, dass Peter Heinrich Ostermann einfach ein Sauerländer war, den es nach Köln-Mülheim verschlug, der irgendwo zwischen Rhein und den ersten Höhen des Bergischen Landes seine Gertrud kennen und lieben lernte und ihr am 17. November 1870 in Schlebusch das Ja-Wort gab. Im Leverkusener Stadtarchiv liegt die entsprechende zweiseitige Urkunde. Vermählt wurden die beiden von Heinrich Herkenrath, „delegierter Beamter des Personenstandes der Bürgermeisterei Schlebusch“. Ostermann war 32 Jahre alt, seine Gertrud 22. „Dieselben haben mich ersucht, die zwischen ihnen verabredete Heirath abzuschließen...“ heißt es in der Heiratsurkunde. Es folgt die lange Aufreihung dessen, was Herkenrath zur Vorbereitung und Genehmigungsfähigkeit der Eheschließung geprüft hat. Auf Seite 2 steht: „Hierauf habe ich den vorbenannten Bräutigam und die vorbenannte Braut befragt: ob sie einander ehelichen wollten? – Da nun jeder der beiden insbesondere die Frage bejahend beantwortet hat: so erkläre ich im Namen des Gesetzes, daß Peter Heinrich Ostermann und Gertrud Paas hierdurch miteinander gesetzlich verheiratet sind.“

Auch in den alten Kirchenbüchern von St. Nikolaus ist die Hochzeit von Willi Ostermanns Eltern notiert –  noch in lateinischer Sprache. Geheiratet haben die beiden in der Vorgängerkirche von St. Nikolaus einen Tag nach der standesamtlichen Vermählung. Die Hochzeitsfeier „fand auf dem elterlichen Bauernhof in Wüstenhof  statt“, notieren die Altstadtfunken in ihrer Chronik. Und wissen noch mehr, denn die Familie von Gertrud Paas stammt über Generationen überwiegend aus dem heutigen Stadtgebiet. Willis Großmutter kam aus Wüstenhof, der Großvater aus Niederbecher, „seine Ur- und Ururgroßväter wurden 1771 bzw 1731 in Lützenkirchen geboren.“ Die Liedzeile „ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn“ kann man bei der Familiengeschichte auch wörtlich verstehen.

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