Willi Diete zeigt seine Ausstellung Happy Hour

Ausstellung von Willi Diete : Befreiende Malerei aus der Happy Hour

Der Maler Willi Diete zeigt am Wochenende abstrakte Bilder in seinem Atelier. Darunter freundliche Werke, aber auch einige düstere Exponate.

Mit einer Dramatisierung des aktuellen Weltgeschehens hat Willi Diete nichts im Sinn. Wenn er zu Pinsel und Farbe greift, will er weder provozieren noch soziale Missstände anprangern. Stattdessen horcht er in sich hinein und lässt seine Bilder ganz ohne tiefere Absichten langsam wachsen. Sowohl gegenständlich, als auch abstrakt geht es ihm in erster Linie um die Malerei, die Wirkung von Licht und Farbe an sich. „Nicht abbilden, sondern Bild sein“, lautet sein Motto. Erst im Nachhinein bekamen seine figurativ-realistischen Arbeiten, die vor allem in jüngerer Zeit entstanden sind, ihre Titel. Bei den Abstrakten verzichtete er bewusst darauf, um den Betrachter selbst auf Entdeckungsreise zu schicken und die eigene Interpretation finden zu lassen. Diese zeigt er ab Freitag in seiner aktuellen Ausstellung, die heißt „Happy Hour“, weil diese älteren Farbexplosionen und gestischen Gemälde die Ergebnisse glücklicher Stunden und frei gelassener Emotionen sind.

Es sind fantasievoll gemixte abendliche Cocktails, die aus einer breiten Palette immer wieder neu angerührt und kreiert wurden. In seinem aktiven Berufsleben als Produktgrafiker hat Willi Diete viele Etiketten (zum Beispiel für die Linie „Fa“ von Henkel) und Werbedesigns entworfen. Das bedeutete minutiöse Kleinarbeit am Computer, wo er Flächen und Schriften Millimeter für Millimeter ausrichten musste. In turbulenten Zeiten manchmal 16 Stunden am Tag. Danach musste er sich befreien. Ein anderer hätte nach so langem Stillsitzen vielleicht eher das Bedürfnis gehabt, sich die Beine zu vertreten oder Sport zu machen. Willi Diete aber fand seinen Ausgleich, wenn er sich mit Pinsel und Farbe auf größeren Formaten austoben konnte.

Mit kraftvollem Strich legte er mehrere Schichten übereinander und kombinierte die Farben freier, emotionaler und experimenteller als bei der streng kalkulierten beruflichen Tätigkeit. In solchen „Happy Hours“ entstanden lichte und freundliche Leinwände, in denen man Landschaften oder Wege in eine strahlende Mitte entdecken mag.

Oder auch dunkle Arbeiten, die aber nichts Düsteres haben, sondern den schwarzen Anteil nur dazu benutzen, die strahlenden Farbanteile besonders in Szene zu setzen. Diese Exemplare entstanden wahrscheinlich in Zusammenhang mit einem Werbeauftrag für ein Kölner Beleuchtungshaus, wo Diete das Konzept Schwarz verfolgte. Wie im Theater oder Ballett lassen sich Lichteffekte auf reflexfreiem schwarzem Hintergrund hervorragend präsentieren.

Weniger werbewirksam durchdacht schimmern diese Gedanken in den abendlichen Befreiungsschlägen durch. Und manchmal behielt er auch in der „Happy Hour“ die geometrischen Formen bei, um deren exakte Strenge durch freie Pinselführung, schattierte Hintergründe oder explodierende Farbkörper aufzubrechen. Wie zum Beispiel bei dem massiven, dunklen Kubus, aus dem an einer Seite das Blau, an der anderen das Rot mit großem Druck herauszubrechen scheint.

Willi Diete hat sich im Laufe seines Lebens mit der Kunstgeschichte auseinandergesetzt. Und davon scheinen manche seiner Arbeiten mehr oder weniger direkt beeinflusst, erinnern an die Farbraumkörper von Gotthard Graubner oder eine flüchtige, weiter abstrahierte Variante von Monets Seerosenteich. Wasserreflexen in Blau- und Türkistönen hat Diete in einem zweiteiligen Werk eine ganze Wand gewidmet. Wer die Treppen zur Galerie des Ateliers hinaufsteigt, erlebt noch einen Querschnitt durch die vergangenen 20 Schaffensjahre.

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