Wilfried Schmickler zeigte sein neues Programm in Leverkusen

Wilfried Schmickler : Der Dichter der deutschen Kleinkunst

Griesgrämig und bärbeißig ist er nicht wirklich. Ein Wortakrobat und Meister der flotten und deutlichen Worte dagegen unbedingt: Wilfried Schmickler, der in Hitdorf geborene Kabarettist, kennt keine Tabus.

Am Freitag erwies er seinem Ruf wieder einmal alle Ehre, als er mit seinem Programm „Kein Zurück“ in der ausverkauften Schlebuscher Friedenskirche gastierte.

Er lud das Publikum ein, die nächsten zwei Stunden mit ihm „möglichst unbeschadet“ zu verbringen und begrüßte dazu besonders „jene unterbezahlten Berufsgruppen“, die durch ihre Knochenarbeit dafür sorgten, dass der „Sozialstaat noch nicht völlig gerodet“ sei. Dazu zählten etwa Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren, die für ihre Arbeit „von hirnlosen Vollidioten sogar angepöbelt, behindert und angegriffen“ würden. Dazu zählten aber auch nervenstarke Erzieherinnen, die sich im Kampf gegen überforderte Eltern durchsetzen würden und die „wahren Trümmerfrauen der Gegenwart“ seien.

Schmickler blieb sich und seiner Linie treu, indem der gesellschaftskritische Kabarettist und „überzeugte Smartphone-Verweigerer“ die Digitalisierung etwa als Gräuel bezeichnete, kleinbürgerliche Engstirnigkeit, Konsumdenken und Fremdenfeindlichkeit nicht minder unbarmherzig anprangerte. Wer sich dem Fortschritt verweigere, lande früher oder später ausrangiert auf dem Abstellgleis, meinte Schmickler bei seinem zynisch-blitzschnellen Rundumschlag unter akustisch schwierigen Bedingungen. Und richtete seinen Blick darauf, was seiner Meinung nach alles falsch laufe.

Das gelte speziell für die Mitglieder der neuen Bundesregierung („So viel Alt war noch nie neu“), denn seit der letzten Bundestagswahl spiele sich ein wahrlich groteskes Theater auf den Bühnen der Hauptstadt ab. Er habe die Vermutung, dass da ein „Irrer hinter den Kulissen die Strippen“ ziehe, „besessen von dem Willen, das gesamte System zu vernichten.“ Sein Verdacht falle auf Alexander Dobrindt, den „Doktor Mabuse der CSU“.

In dem Ton setzte Schmickler seine Schimpftiraden fort und ließ bei seiner Missbilligung kein gutes Haar an irgendeinem Politiker. Er bezeichnete Annegret Kramp-Karrenbauer als „Fastnachts-Ulknudel“ der CDU, Angela Merkel als „lahmende Ente im randalierenden Hühnerhaufen“, Friedrich Merz als „beleidigte Schnullerschnute aus dem Sauerland“ und Horst Seehofer als „völlig verwirrten Heimatmuseumswächter“. Schnorrend verpackte Schmickler seine Kritik meisterhaft in Verse und offenbarte sich somit abermals als wahrer Dichter der deutschen Kleinkunst.

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