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Leverkusen: Wie sollen die Straßen in der Bahnstadt heißen?

Leverkusen : Wie sollen die Straßen in der Bahnstadt heißen?

Sollen Straßennamen in der Bahnstadt eher an die Geschichte des Areals als Ausbesserungswerk der Bahn erinnern oder lieber daran, dass der Erhalt Europas wichtig ist? Darüber diskutiert die Politik.

Europa-Allee kontra Am alten Bahnbetriebswerk: Daran entspann sich am Dienstagnachmittag eine wunderbare Diskussion. Es geht um die neuen Straßen auf der Bahnstadt-Westseite. Die will die Stadt mit Europa-Allee für die im Volksmund als neue Bahnallee bezeichnete künftige Umgehungsstraße, mit Bruno-Wiefel-Platz (Bahnhofsvorplatz), Am Brückenpark, Brückenpark (Park an der Westseite der Campusbrücke) und Henkelmännchen-Platz (Platz in Verlängerung der Wilhelmstraße) bezeichnen. Die Verlängerung der Goethestraße bis zur neuen Bahnallee soll Goethestraße heißen.

 Nach ihm wird der Bahnhofsvorplatz benannt: Bruno Wiefel.
Nach ihm wird der Bahnhofsvorplatz benannt: Bruno Wiefel. Foto: Archiv Reinhold Braun

Vielleicht hätten andere Politiker, die Namen so durchgewunken. Die Opladener aber hängen an ihrer Geschichte. Und so haben CDU, Grüne und Opladen Plus ihre eigenen Vorstellungen, warum welche Straße wie heißen könnte. Lucas Melzig, CDU-Fraktionschef im Bezirk II, erläuterte: "Wir schlagen für die Neue Bahnallee den Namen Am alten Bahnbetriebswerk vor. Denn auf dem Areal, wo die Straße verläuft, stand mal ein solches, ein Arbeitsplatz führ mehrere 100 Menschen. Die Bahnstadt steht für Zukunft. Aber wenigstens ein Name sollte auf die Geschichte des Geländes hinweisen." Man habe nichts gegen Europa, betonte Melzig, das sei mal klar. "Man mag uns jetzt auch Patriotismus vorwerfen, aber als Stadtteilpolitiker sind wir dazu auch ein bisschen verpflichtet." Und dass man mit den Namen von Politikern bei der Straßenbenennung vorsichtig sein müsse, lehre das Beispiel Otto-Grimm-Straße in Wiesdorf. Der Platz vor dem Opladener Bahnhalt solle denn einfach Bahnhofsvorplatz heißen.

 Der Verlauf der neuen Bahnallee mit dem neuen Kreisverkehr zwischen VW und Erzeugergroßmarkt.
Der Verlauf der neuen Bahnallee mit dem neuen Kreisverkehr zwischen VW und Erzeugergroßmarkt. Foto: UWe Miserius, Archiv Reinhold Braun, Ulrich Schütz

Herzblutopladener Markus Pott (Opladen Plus) stellte fest, dass erstens die Witwe von Bruno Wiefel nach dem gescheiterten Versuch, einen Wanderweg nach ihrem Mann zu benennen, nicht mehr gewollt habe, dass ihm noch eine Straße gewidmet werde. Und zweitens: "Hat Wiefel mit den Bahnhofsplatz gar nichts zu tun, den hat uns Reinhard Buchhorn beschert." Dirk Danlowski (Grüne) grätschte scherzhaft rein: "Sollen wir den dann Reinhard-Buchhorn-Platz nennen?" Gelächter. Pott: "Nee, der lebt ja noch."

Pott kritisierte weiter, dass Wiefel sich ab 1975, als die Kreisstadt zu Leverkusen kam, nicht mehr für Opladen eingesetzt habe, da reiche es, "wenn das Haus an der Kölner Straße nach ihm benannt ist, der braucht nicht noch einen Platz". Das sahen andere Bezirksvertreter anders und man solle doch den verdienten Mann Wiefel nicht so ungehörig kleinreden. Da meldete sich Michael Molitor von der Stadt zu Wort, um ein Plädoyer für die Vorschläge der Stadt zu halten. Eine Gruppe aus Stadt, den Altoberbürgermeistern Küchler und Hebbel und dem Stadtarchiv habe die Vorschläge erstellt. "Den Wunsch, Wiefel einzubeziehen, haben wir übrigens aus dem Bezirk II. 2010 hatte Irmgard von Styp-Rekowski Wiefel in Zusammenhang mit der Bahnstadt ins Gespräch gebracht", merkte Molitor an.

Und: "Die Bahnallee ist eine sehr wichtige Straße. Sollen wir da provinziell bleiben oder kann es auch mal einen bedeutenden Namen geben? Von Europa profitieren wir schließlich alle. Mehr als 70 Jahre kein Krieg mehr. Das ist ein total wichtiges Thema, an das sich die Anwohner der Straße durch den Namen immer erinnern können." Zu Verwechslungen mit dem Europaring könne es nicht kommen, denn der sei keine postalische Adresse. Und an die Geschichte des Areals erinnere der Henkelmännchen-Platz. "Bis zu Beginn der 2000er Jahre befand sich an dieser Stelle eine Fußgängerbrücke. Diese Brücke wurde früher von vielen Frauen genutzt, um ihren Männern im Ausbesserungswerk das Mittagessen vorbei zu bringen. Dazu nutzten sie die sogenannten Henkelmännchen. Im Volksmund hieß die Brücke daher Henkelmännchenbrücke", führt die Stadt in dem Beratungspapier dazu aus. Irmgard von Styp-Rekowskis Kommentar in der Sitzung: "Was ein Henkelmännchen ist, weiß heute kein Kind mehr."

Ergebnis: Eine Straße "Am Alten Bahnbetriebswerk" wird es nicht geben. Denn die Bezirksvertreter entschieden sich letztlich mehrheitlich für die Vorschläge der Stadt. Europa hat gewonnen.

(RP)